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002 20140516 1577557650Wie hat sich eigentlich das Heimkino entwickelt? Eine Geschichte, die mich schon immer brennend interessiert hat, die ich bisher aber noch nie so wirklich verfolgt habe. Nun habe ich es geschafft und mich genauer mit der Materie beschäftigt.

Heute ist klar, was man unter dem Heimkino versteht: eine große Anlage, bestehend aus Großbildfernseher, Audio- und Videoquellen, wie DVD- oder BluRay-Player, das Raumklang-Audiosystem und natürlich die passende Sitzgelegenheit. Als ich mein eigenes Heimkino einrichtete, hatte ich bereits festgestellt, wie wichtig Geräte mit klarem Klang sind. Gerade habe ich durch Zufall entdeckt, dass es bei Otto ab kommender Woche sogar eine Null-Prozent-Finanzierung für Multimedia-Geräte gibt - wenn ihr also selbst noch auf der Suche seid ...

Aber natürlich hat die Sache mit dem Heimkino ganz anders angefangen. Ich bin dabei vor allem auf das einstige Pay-TV in den USA aufmerksam geworden und dessen Geschichte hat mir imponiert. Ihr könnt ja dann mal erzählen, ob euch die Anfänge des Pay-TV als Heimkino bewusst waren. Etwa 1960 gab der Präsident von Paramount, Barney Balaban, bekannt, dass man in Zukunft deutlich höhere Umsätze erzielen könne. Grund dafür war die Prognose, die auf einem Experiment basierte, dessen erste Ergebnisse gerade bekannt geworden waren.003 20140516 1387415494 
In Etobicoke, einer kleinen Vorstadt von Toronto, hatte man sich mit dem Pay-TV auseinandergesetzt. Die Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern wurde als Ort des Experiments gewählt, weil fast alle Einwohner über einen Fernseher verfügten. Sie konnten je fünf kanadische und amerikanische TV-Sender empfangen. Das waren damals sehr harte Bedingungen, zumal die großen Filmstudios, die für das Kino produzierten, vom Fernsehen immer mehr verdrängt wurden. Viele Menschen gingen nicht mehr ins Kino, weil sie Filme auch bequem vom heimischen Sofa aus sehen konnten. Anfangs hatte man 1.000 Familien in das Experiment mit aufgenommen. Sie mussten fünf Dollar bezahlen, um ihre Fernseher mit den nötigen Kabelanschlüssen und einem Münzautomaten ausstatten zu lassen. Schnell aber stieg die Kundenzahl auf 3.700 an und es gab bereits 5.400 Anträge auf einen Anschluss.

Das Programm wurde mit verzerrtem Bild gezeigt, wie man es noch heute von den Bezahlsendern her kennt. Nachdem die Nutzer einen Dollar in den Münzautomaten eingeworfen hatten, konnten sie den Film klar und deutlich sehen. Im Programm hatte man sich beschränkt auf Spielfilme, die bisher zwar schon in Uraufführungstheatern gezeigt worden waren, aber noch nicht im Fernsehen. Für einen Dollar erhielten die Nutzer dann ein Fernsehprogramm ohne jede Werbeunterbrechung.001 20140516 1131692173 
Zusätzlich wurde noch eine elektronische Kontroll-Anlage inkludiert. Mit der konnte man damals die Einschaltquoten der einzelnen Titel ermitteln. Der größte Erfolg war das Bibelwerk "Die zehn Gebote", das vom Filmproduzenten Cecil B. DeMille stammte. Insgesamt haben sich diesen Titel 50 Prozent der Nutzer angesehen, obwohl sie zeitgleich auch auf das kostenfreie, werbefinanzierte Fernsehprogramm hätten schalten können. Damals sprach man bei Paramount von extrem großen Erfolgen.

Ebenfalls untersuchte man, wie sich das Bezahl-Fernsehen in den USA auf das Kinogeschäft auswirkte. Und erstaunlicherweise gab es in Etobicoke kaum Rückgänge der Kinobesucher, trotz Pay-TV. Begründet hat das der damalige Präsident des Unternehmens damit, dass Pay-TV vor allem die Nicht-Kinogänger anspreche. So entstand also das Pay-TV und aus diesem entwickelte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte das heute so bekannte Heimkino. Nichtsdestotrotz sind Kinos bis heute nicht vom Markt verschwunden, sodass beide Medienformen nebeneinander bestehen können und das Erlebnis einen Film im richtigen Kino zu sehen, möchte ich persönlich auch nicht mehr missen.



   
   
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