OMEGA aus Ungarn live in Rostock 1973

 

Autor Reinhard Baer

 

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Anfang der 70er Jahre müssen die DDR-Oberen irgendwie eingesehen haben, dass gegen internationale Trends kein Ankommen ist. Das Auftreten von Beat-(Rock)-Gruppen wurde mehr und mehr toleriert, im DDR-Rundfunk gab es Sendungen mit Rock aus der DDR und den anderen sozialistischen Ländern, auch das Fernsehen räumte Rockgruppen Sendezeit ein. Zu nennen wären hier die Rundfunksendung "Frank's Beatkiste" (Frank war Frank Schöbel) oder im Fernsehen die "Notenbank". Diese Liberalisierung hieß aber nicht, dass es keine Zensur der deutschen Texte und Reglementierungen hinsichtlich Äußerlichkeiten gab. Bei Gruppen aus anderen östlichen Ländern wären zu nennen aus Polen die Roten Gitarren, Skalden und aus Ungarn Omega, Illes, Hungaria, LGT. Diese Bands bereisten fortan auch die DDR und produzierten auch ihre Titel z.T. in deutscher Sprache.
1973 hatte ich die Möglichkeit, Omega aus Ungarn auf ihrer ersten Tour durch die DDR live zu erleben. Ich war damals Student an der Uni Rostock und dort Mitglied im Filmclub der Uni. Als Filmclubmitglied hatte man eine Mitgliedskarte und gegen eine halbjährlich zu entrichtende Gebühr (ich glaube, das waren 10 Mark) konnte man Filmveranstaltungen kostenlos besuchen, und der Filmclub organisierte noch weitere Dinge wie Fasching oder Tanz. So spielten beispielsweise 1972 die Puhdys zum Tanz. Über den Filmclub bekam ich eine Karte für Omega für 3,- Mark der DDR. Der reguläre Preis lag glaube ich bei 5 oder 6 Mark.
Das Omega-Konzert fand im Kino "Capitol" statt. Zum ersten Mal sah ich, wie vor einem Konzert Bereitschaftspolizei auffuhr. Vor dem Kino gab es jede Menge Leute, die noch erhofften, eine Karte zu bekommen. Meine Karte für 3 Mark hätte ich gut und gerne für ein mehrfaches verkaufen können. Im Kino saß ich auf dem Rang. Auf der Bühne stand das Equipment von Omega, was aus heutiger Sicht recht dürftig war. Rechts stand eine weiße Hammondorgel, in der Mitte ein Schlagzeug, am Bühnenhintergrund die Verstärker für Gitarre, Bass und Orgel und an der Bühnenrampe waren 3 Mikrofonständer. Rechts und links der Bühne standen noch je eine große Lautsprecherbox, obenauf sog. Hörner für die Saalbeschallung. Omega wurde durch den Ansager Harry Balko-Gölitzer (damals bekannt als Ansager und Rundfunksprecher) angekündigt. Die Band kam auf die Bühne und spielte. Ihre Titel sagte die Band selbst in deutscher Sprache an, gesungen wurde aber ausschließlich ungarisch. Einer Ihrer Titel hieß übersetzt "Untreue Freunde". Anfang der 70er Jahre hatten Schlagzeuger Josef Laux und Pianist Gabor Presser die Band verlassen, um LGT zu gründen. Auch die bisherige Texterin Anna Adamis arbeitete fortan für LGT. Ihnen war wohl dieses Lied gewidmet.
Omega spielte damals und auch noch heute in der Besetzung Janos Kobor (voc.), Lazlo Benkö (org.), Gyögy Molnar (git), Tamas Mihaly (bass), Ference Debreceni dr.), und Janos Kobor war der Frontmann und eigentliche Akteur auf der Bühne. Aber auch die anderen Bandmitglieder konnten alle mal zeigen, was sie können. Molnar spielte seinen Blues. Dabei hielt er die Gitarre auch mal hinter den Kopf und spielte, so wie einst Jimi Hendrix. Auch ein Drums-Solo von Debrceni, ein Bass-Solo von Mihaly und ein Solo auf der Orgel von Benkö bekamen die Fans zu hören. Einmal riss dem Gitarristen Molnar eine Saite. Heutzutage ist da sofort eine neue, gestimmte Gitarre zur Hand. Molnar hat die Saite selbst gewechselt und das Instrument gestimmt. Eine Lichtshow, Pyroeffekte, Nebel usw. gab es nicht, denn das war damals noch nicht üblich. Ich hatte eine Kamera Exakta VX 500 mit Lichtschacht, dazu ein 200 mm Tele mit Vorwahlblende mit, um einiges festzuhalten. Ich habe ohne Blitz fotografiert, nur mit hochempfindlichen Film ORWO NP 27. Ich gebe zu, die Fotos sind nicht besonders scharf aber besser ging es damals nicht. Das Panoramabild ist aus zwei Fotos zusammen-geklebt. Aufgrund meiner vielen Umzüge sind mir auch die Original-Negative abhanden gekommen. Die Fotos hatte ich z.T. in ein Album geklebt. Das Panorama hatte schon einige Schrammen und Kiffe, die ich versucht habe, zu retuschieren. Nichtsdestotrotz, die Fotos belegen, ich bin da gewesen. Zu erwähnen wäre noch, dass die damals aktuelle LP von Omega "Elö Omega" hieß, was soviel heißt wie "Omega - life". Beim Hören hat man den Eindruck von Lifeaufnahmen, ich habe aber gelesen, die Platte wurde im Studio produziert, der Beifall nur raufgemischt (siehe auch das Interview mit Mecki aus 2007). Im Konzert wurden die Titel dieser LP gepielt. Der damals bekannte Song "Mädchen mit Perlen im Haar" (wurde auf deutsch von Frank Schöbel gesungen, auch die Scopions haben sich an diesem Titel versucht) durfte nicht fehlen. Omega wurde nicht ohne Zugabe entlassen. Die Gruppe war in den 70er und 80er Jahren mehrfach in der DDR. Auch im westlichen Ausland sind sie getourt. In den 90er Jahren wurde es ruhig um die Gruppe. Seit einiger Zeit sind sie aber wieder aktiv. Im vorigen Jahr gaben sie ein Konzert im Berliner Tempodrom.
 
 
Foto Impressionen:

 

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