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Uschi Brüning & Co.

(aus Melodie & Rythmus 8/1976, Autor: Monika Fehlberg)

Eine Silbermedaille beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst erhielt auch Uschi Brüning, die sich in Karl-Marx-Stadt, begleitet von ihrer Gruppe, mit der sie seit Anfang 1975 zusammenarbeiet und experimentiert, der Jury gestellt hatte, Monika Fehlberg sprach mit der Sängerin, von vielen nur "die Brüning" genannt, über einige Aspekte ihrer Arbeit.

Jazz ist ein Genre, das nicht von vornherein jedem zugänglich ist. Wo und wie finden Sie Ihr Publikum?
Es wird Sie sicher überraschen, wenn ich dieser weit verbreiteten Meinung aus unserer Erfahrung heraus nicht zustimme. Wir spielen vor Studenten, vor jungen Arbeitern, vor Schülern, vor reiferen Menschen, und wir haben immer wieder festgestellt, dass sich die verschiedensten Zuhörergruppen für Jazz begeistern können. Was am wichtigsten ist: Sie bringen alle erst einmal die Bereitschaft mit, zuzuhören, mitzudenken; damit wächst auch das Verständnis für diese Art von Musik.

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Alle Brüning-Fans haben sich bestimmt mit Ihnen über die Silbermedaille beim Interpretenwettbewerb gefreut, zumal es Stimmen gibt, die meinen, dass es in letzter Zeit um Uschi Brüning etwas still geworden sei...
Wenn ich allein an die Medien denke, muss ich solchen Stimmen recht geben, da ist es tatsächlich etwas still um mich geworden. Indes, dort, wo wir spielen, und innerhalb unserer Band sind wir sehr aktiv. Und das Publikum akzeptiert die "andere Brüning", die leisere, die eine ganz bestimmte Art von Musik machen will. Als ich noch bei Klaus Lenz und Günther Fischer sang, ging mir immer der Ruf voraus, eine Jazzsängerin zu sein, was aber mit dem Tatbestand nicht unbedingt übereinstimmte. Mit der neuen Band habe ich andere Möglichkeiten. Im Moment machen wir eine Musik, die jazzig ist, sowohl Pop-Elemente enthält als auch Lyrisch-Liedhaftes. Wir haben Standards in unser Repertoire aufgenommen, Swing-Titel, vollziehen praktisch eine ganze musikalische Ära nach. Man braucht einen solchen Grundstein, solche tiefen Kenntnisse, wenn man sich mit Jazz beschäftigen und auch neue Wege gehen will. Man muss sich einfach erst einmal das klassische Erbe aneignen. Zum anderen bemühen wir uns bei alledem um eigenständige Jazzkompositionen, aber auch um Deutschsprachig-Liedhaftes. Zum Beispiel vertonen wir Gegenwartslyrik. Natürlich spielen wir auch international bekannte Jazztitel, weil das Publikum sie kennt und auch hören möchte.

Was sind Themen ihrer neugeschaffenen Titel?
Das Spektrum reicht von der Liebe bis zu ganz alltäglichen Dingen. Ich glaube nicht, dass der Jazz einem bestimmten Themenkreis vorbehalten ist.

1972, beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden, setzte Sie die internationale Jury mit dem Titel "Dein Name" auf den 2. Platz. Ein angejazzter Titel, fast schon ein Schlager. Jedenfalls machte er Uschi Brüning, die Jazzsängerin, mit einem Schlage einem großen Publikumskreis bekannt. Würden Sie ähnliche Titel auch künftig wieder singen?
Der Titel "Dein Name" von Walter Bartel mit dem Text von Monika Jacobs schlug wirklich ein wie eine Bombe. Ich würde sagen, es ist ein Lied, kein Schlager, wenn ich einmal so differenzieren darf, und ich habe auch noch andere Lieder in dieser Richtung gesungen, "Lichterglänzendes Rad" z.B., Titel von Siegried Schulte und anderen. Wenn mir heute Titel angeboten würden, die mir gefallen, vom Text her und von der Musik, würde ich sie selbstverständlich singen, und ich sehe darin keinen Widerspruch zu dem, was ich vorhin über meine Absichten gesagt habe. In der ganzen Welt gibt es Jazzkomponisten, die Schlager geschrieben haben, Jazzinterpreten, die Schlager gesungen haben, gute Schlager. Ich würde also nicht sagen: Jazz und nur Jazz. Ich bin Sängerin und dazu gehört, dass man auch mal etwas macht, was den Leuten auf Anhieb gut gefällt. Aber es muss Qualität sein.

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Uschi Brüning wird gern als "Jazzsängerin Nr. 1" der DDR bezeichnet. Nun haben wir ja kaum vergleichbare Sängerinnen dieses Genres. Ist es unter diesen Umständen nicht besonders schwer, die Qualität zu erreichen, die Sie als Interpretin auszeichnet?
Es ist in jedem Fall schwer, Qualität zu erreichen und zu halten. Ob man nun die Einzige ist oder ob man "Konkurrenz" hat. Die gibt es selbstverständlich. Wir haben Christiane Wunder, die jetzt bei Günther Fischer singt. Ich kann mich erinnern, dass z.B. Veronika Fischer damals mit PANTA RHEI auch in dieser Richtung gearbeitet hat, oder Ruth Hohmann. Wie wird man eine gute Jazzinterpretin... Ich glaube, viel gewinnt man, indem man gute Musikanten um sich schart. Wenn ich nach Vorbildern gefragt werde, muss ich immer an erster Stelle gute Musikanten nennen, Ernst-Ludwig Petrowsky z.B., Klaus Lenz, dem ich sehr viel verdanke, durch den ich praktisch für den Jazz entdeckt worden bin, oder Günther Fischer, auch Gruppen wie SYNOPSIS oder FEZ und andere. Für einen Sänger dieses Genres sollten meiner Meinung nach Musikanten Vorbild sein, weil sie dem Sänger immer ein Stückchen voraus sind durch ihre vielseitige Ausbildung, ihre Virtuosität, ihr stilistisches Empfinden, ihre Technik u.s.w.

Wer verbirgt sich eigentlich hinter dem "Co.", und entspricht diese Gruppe Ihren künstlerischen Zielen?
Die "Compagnie" besteht zunächst aus der kompletten Bläserbesetzung der ehemaligen Gruppe SOK, also Hermann Anders, Jochen Gleichmann und Helmut Forsthoff. Wir hatten zusammen mit Klaus Lenz konzertiert und waren zu der Auffassung gekommen, dass es vielleicht ganz günstig wäre, sich zusammenzutun. Hinzu kamen dann noch Dieter Keitel, Schlagzeug, der nebenbei noch bei Friedhelm Schönfeld spielt, der Bassist Wolfgang Musick, der Pianist Hans-Otto Jerosch, der vorher am Theater als Korrepetitor gearbeitet hat, und unser Geiger Dietrich Petzold, der auch durch Lenz bekannt geworden ist. Ich kann nicht sagen, dass unsere Arbeit problemlos vonstatten geht. Aber ich bin mit der Band sehr zufrieden. Schwierigkeiten gibt es schließlich überall, gerade in Gruppen. Aber mit dieser Band habe ich zum erstenmal die Möglichkeit, von bestimmten Stilen, die die Band-Leader ja immer in ihrer Musik prägen, wegzukommen und selbst etwas zu versuchen, mit eigenen Ideen und eigenen Mitteln. Gerade das finde ich für einen Interpreten nicht nur meines Genres sehr wichtig.

Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"

 


   
   
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