Zum Titelfoto: BERLUC
(aus Melodie & Rythmus 4/1982, Autor: Marianne Büttner)

 

Wenn es zum Beispiel darum geht, die 50 erfolgreichsten DDR–Titel eines Jahres zu ermitteln, liegt BERLUC mit vorn. 1980 platzierten sich vier BERLUC-Titel in dieser Spitzenparade, 1981 waren es drei: „Bermuda–Dreieck“, „Fliegen vor der Zeit“ und „Bernsteinlegende“. Dass Erfolge nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern Ergebnisse ernsthafter Arbeit sind – auch davon wüsste BERLUC ein Lied zu singen. Auf der Suche nach dem eigenen Profil gab es Irrtümer, Ab– und Umwege. Musikanten wechselten, Konzeptionen wurden immer wieder neu durchdacht und verändert, bis 1977 unter dem Namen BERLUC eine Band entstanden war, die „Ihrs“ gefunden hatte und wusste, wie es musikalisch weitergehen sollte.
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1978 produzierte BERLUC „Hallo Erde hier ist Alpha“, ein Titel, mit dem die Gruppe damals sozusagen vor der Zeit flog, denn einige Monate später startete der erste DDR Kosmonaut ins All. 1979 erschein dann bei AMIGA die erste LP. „Reise zu den Sternen“ war nicht nur ihr Titel, sondern auch eine thematische und musikalische Konzeption. Das brachte übrigens verschiedene Leute auf die Idee, BERLUC unter Spacerock einzusortieren. Abgesehen davon, dass solche voreiligen Einordnungen oft recht zweifelhaft sind, wird man der Gruppe damit keinesfalls gerecht. BERLUC versteht sich als Hardrock–Band, die an internationalen Musiktendenzen zwar nicht vorbeispielt, aber - und das sei hier dick unterstrichen - sich nicht von Modewellen zum Nach– und Mitmachen verleiten lässt. Eigenes soll und kann präsentiert werden, Titel zum Thema „Weltall – Erde – Mensch“, und zwar immer mit neuen Gedanken und vielfältiger Problematik. Die Texte schreibt Kurt Demmler. Es sind hauptsächlich solche, die trotz großer Thematik verständlich in der Aussage bleiben und überschaubare poetische Bilder anbieten. Die Kompositionen liefern die Bandmitglieder Axel Stehr (keyb) und Manfred Kähler (voc). Bandsänger Manfred Kähler liegen besonders die rockigen Titel. Seine Interpretation kommt direkt und expressiv und damit genau drauf. Alle Arrangements entstehen in Teamarbeit. Das Kollektiv ist komplett mit Dietmar Ränker (dr), Wolfgang Hofmann (b) und Detlef Brauer (g). Detlef Brauer kam vor etwa einem halben Jahr zu BERLUC, schließt in diesem Jahr sein Studium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ ab und hat alle Chancen, der dritte Mann im BERLUC–eigenen Komponistenverband zu werden.

Die fünf Musikanten kommen auffallend gut miteinander aus, sowohl beruflich als auch privat (was natürlich nicht ausschließt, dass es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten gibt). Dietmar Ränker ist die Seele vom Ganzen, immer in Aktion, organisiert alles (vom Auftritt bis zur Cola), beweist sich als Kollege und Kumpel, letzteres mit viel Sinn für Humor in jeder Lebenslage.

Im Sommer dieses Jahres erscheint bei AMIGA BERLUCS zweite LP. Sie heißt „Hunderttausend Urgewalten“. Die Firma TELDEC produzierte mit Titeln der ersten und zweiten BERLUC Platte Ende vergangenen Jahres eine LP für die BRD. Mit Auftritten im Fernsehen, Rundfunk- und Schallplattenproduktionen erreicht BERLUC ein zahlenmäßig großes Publikum, aber: BERLUC spielt am liebsten im Konzert. Wer eins erlebt hat weiß, worin der Unterschied zur Tonkonserve besteht, sei sie auch noch so perfekt! Konzerte schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Band und Publikum haben einen heißen Draht zueinander. Die Band wird an Ort und Stelle mit der Wirkung ihres musikalischen Angebotes konfrontiert. Und wenn – wie im Falle BERLUC – das Publikum die Textzeilen begeistert mitsingt, dann ist das nicht nur ein Zeichen von Popularität, sondern auch die Bestätigung dafür, dass die Zuhörer das Angebot akzeptieren.

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Die technischen Vorbereitungen für ein Konzert nimmt BERLUC sehr ernst. Drei bis vier Stunden vorher bauen sie auf, und zwar alle: Techniker und Musiker. BERLUC arbeitet mit einer Programmkonzeption, in der Lichteffekte, Lautstärke und Musik genau und überlegt aufeinander abgestimmt sind. Voraussetzung dafür ist, dass eben nicht jeder nur seins macht, sondern sich für's Ganze interessiert und verantwortlich fühlt. BERLUC-Techniker Ulrich Berg überschwemmt die Titel nicht mit dröhnender Klang-Masse. Er bemüht sich um akustische Verständlichkeit der Textaussagen und um die Betonung musikalischer Effekte mittels differenziert eingesetzter Lautstärke. Ebenso durchdacht wirkt die Lichttechnik, für die Eckhard Weiß zuständig ist. In Zusammenarbeit mit Dietmar Ränker entstand eine Konzeption mit der versucht wird, Musik in Farbe, Licht und Bilder zu übersetzen.

„Live geht der Ofen an“, schrieb „neues leben“ einmal über BERLUC, und das ist wohl weniger eine journalistische Übertreibung als vielmehr ein Beweis dafür, dass die Band ihre Freude an der Sache Musik im Konzert am deutlichsten mitteilen und übertragen kann. Da gibt es keine Trennung in „Wir-auf-der-Bühne“ und „Ihr-im-Saal“, keine kühle Distanz und keine Routine... aber nach den Auftritten meist noch eine Diskussion mit Fans, Nicht-Fans und einfach nur Neugierigen.


Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"

 


   
   
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