1984a 20130109 1402775136aus Melodie & Rhythmus 9/1984. Autor: Rainer Bratfisch, Fotos: Schulz

 

Durch die Gefilde Jazz-Rock, Rock-Jazz, Fusionsmusik windet sich der Weg der vier Musiker um Gitarrist Jürgen Heckel. Nach anfänglichem Auf und Ab scheint er seit längerem kontinuierlich nach oben zu führen, wobei dieses "oben" für BAJAZZO nicht unbedingt identisch ist mit Plätzen in Wertungssendungen oder mit Medienpräsenz (auch wenn sie nichts dagegen hätten), sondern vielmehr Anerkennung ihrer Musik bei einem möglichst großen Publikum bedeutet.

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Nicht unwesentlichen Anteil an der Ausprägung eines eigenen Profils, einer unverwechselbaren Klangfarbe, hat die Zusammenarbeit mit der Sängerin Jacqueline Jacob. Ein Erfolg beim kleinen Schlagerfestival "Goldener Rathausmann" in Dresden vor einigen Jahren zwang sie nicht etwa auf die Schlagerlaufbahn, sondern stachelte sie vielmehr an, sich auf einem Feld zu bewähren, auf dem Lorbeeren noch immer weitaus schwieriger zu ernten sind. Dem Jazz gehört ihre große Liebe. Balladen, Titel, die sowohl die leisen als auch die lauten Töne fordern, liegen ihr besonders. Bis 1983 holte sie sich an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" das notwendige Rüstzeug, in der Horst-Krüger-Band und bei Power and Emotion sammelte sie erste Bühnenpraxis.

Im Mai 1983 kam Jacqueline Jacob zu BAJAZZO - für eine junge Sängerin wohl ein ideales Experimentierfeld. Kirsten Steineckert und Katherina Koch schrieben erste Texte für sie. Daneben singt sie Titel von George Duke, Chick Corea und den Crusaders. Jürgen Heckel komponierte den "Song For Al (Jarreau)" für sie, Keyboarder Frank Nicolovius schrieb den Text. Mit Frank arbeitet Jacqueline auch im Duo. Ihre künstlerische Maxime: "Ich möchte mir möglichst viele Wege offen halten, möglichst vieles ausprobieren. Was mich bei BAJAZZO hält, ist die offene, kollektive Art, wie wir über die musikalischen Ideen jedes einzelnen reden und versuchen, sie in das Gesamtkonzept zu integrieren."

Noch heute staunen viele nicht schlecht, wenn sie Michael Behm, vormals Stern Meißen und Drei, bei BAJAZZO am Schlagzeug sehen. Der Wechsel ist beiden indes außerordentlich gut bekommen. Michael kann hier eine Musik machen, die ihm mehr abverlangt, als Abend für Abend die stereotypen Hörerwartungen einer Fangemeinde zu erfüllen. Und BAJAZZO hat einen Drummer, der sein Metier aus dem "ff" beherrscht. Von der alten 1978er Besetzung ist neben Jürgen nur noch Gerhard Kubach (b) dabei. 1980 kamen dann Lothar Hartig (s) und Frank Nicolovius dazu. Lothar spielt übrigens gelegentlich mit Iven Hausmann (tb) im Duo, Jürgen mit Uwe Kropinski. Seit 1981 hat BAJAZZO einen Fördervertrag mit der KGD Berlin.

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Zwei Drittel des Repertoires sind inzwischen eigene Titel, von Jürgen komponiert. Der Rest kommt von Herbie Hancock, Chick Corea, den Brecker-Brüdern, Paul Desmond u.a., ist aber trotzdem unverwechselbar BAJAZZO. Ihre Art der Rock-Jazz Fusion tendiert eindeutig zum Jazz, wobei auch lateinamerikanische Rhythmen nicht zu überhören sind. Auf der "Kleeblatt"-LP 8/83 sind sie zu hören, der Rundfunk produziert seit einiger Zeit mit BAJAZZO, und das Fernsehen brachte sie "Im Konzert".

Gastspiele führten sie nach Ungarn und in die Sowjetunion. Werner Sellhorn erarbeitete mit der Gruppe ein Schülerkonzert, das spezielle Kenntnisse über Swing, Bebop, Hard Bop und natürlich Fusionsmusik vermitteln soll. Auch als Sessionband ist BAJAZZO landauf landab gefragt, zuletzt bei der diesjährigen "Jazzbühne Berlin". Ihre Musik scheint Gäste aus verschiedenen Lagern geradezu zum Mitmachen zu animieren. Irgendwann ist auch Ferry Grott bei einer solchen Session zugestiegen, inzwischen gehört er dazu. Sieht und hört man ihn auf der Bühne, glaubt man, einen gestandenen Trompeter vor sich zu haben. Und man muss wohl kein Prophet sein, um ihm eine große Zukunft vorauszusagen.

Zur Zeit arbeitet BAJAZZO an einem größeren Werk für Band und Sinfonieorchester, im nächsten Jahr soll Premiere sein. Und danach?
"Ein paar neue Ideen haben wir schon im Hinterkopf. Das wichtigste für uns: musikalisch noch besser werden, unsere Klangvorstellungen noch besser realisieren."
Jürgen Heckel und seine Musiker machen keine großen Worte, wenn es um ihre Musik geht. Sie spielen sie lieber.

 

Übernahme des Textes und der Bilder mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"
 

   
   
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