Polis: "Weltklang" (Album)

polis2020 20200325 1765804842VÖ: 24.04.2020; Label: Progressive Promotion Records; Katalognummer: ohne; Musiker: Christian Roscher (Gesang), Christoph Kästner (Gitarre), Markus Leicht (Tasteninstrumente), Sascha Bormann (Schlagzeug), Andreas Sittig (Bass); Bemerkung: Erhältlich als Vinylplatte im großen Doublefold, inkl. Einleger mit den vollständigen Texten und einer Bilderserie zur Entstehung des Albums sowie Downloadlink. Die Erstpressung ist auf 300 Stück limitiert und wird auf Wunsch von allen Bandmitgliedern signiert. Ebenfalls erhältlich als CD im Digipac inkl. 8-seitigem Booklet mit allen Texten; Bezugsquelle: HIER

Titel:
Tropfen • Gedanken • Eine Liebe, Tausend Leben • Abendlied • Sehnsucht • Gebet • Steig herab • Mantra


Rezension:
Die aus dem sächsischen Plauen stammende Band POLIS, die mich mit ihrem fantastischen Konzert auf dem Reichenbacher Artrock Festival 2019 völlig in ihren Bann zog, steht zweifelsohne in der Tradition sogenannter Ostrock-Bands aus den 70er und 80er Jahren. Wenn ich die Musik ihrer ersten beiden Alben Eins (2011) und Sein (2014) höre, werden Erinnerungen an Bands wach, die wohl nur noch Leute meiner Generation kennen können. Ich meine Bands wie die Nautics, das Joco-Dev-Sextett oder die Bürkholz-Formation, die schon damals mit ihrer anspruchsvollen Musik, durchaus beeinflusst von westlichen Vorbildern, einen jeweils ganz eigenen Klangkosmos schufen. Noch deutlicher wird der hohe Qualitätsanspruch bei den Texten, die im real existierenden Sozialismus natürlich in deutscher Sprache verfasst sein mussten. So finden sich in ihnen oft versteckte Botschaften, die nicht immer gleich zu erkennen waren. All das meine ich, in der Musik von Polis wiederzuentdecken.

Nach langer Vorankündigung überraschen uns POLIS nun endlich mit ihrem dritten Album Weltklang, benannt nach ihrem Ton-Studio, das sie in mühevoller Arbeit in einem alten Fabrikgebäude nahe Plauen eigenhändig ausgebaut haben. Nebenher entwickelten sie Ideen für das neue Album, die sie in einem kreativen Schaffensprozess immer weiter ausbauten. Dabei legten sie vor allem Wert auf den Einsatz analoger Technik, wie einer Hammond B3 Orgel, einem Mini-Moog oder Vintage Gitarrenverstärkern. Um es gleich vorweg zu nehmen, mit dem neuen Album haben die fünf Musiker ein Meisterwerk geschaffen. Es strotzt vor musikalischer Raffinesse und Vielfalt, sowohl in der Musik als auch bei den Texten.

Das Album beginnt mit der rockigen Nummer "Tropfen", mit der Kernaussage, dass sich alles im Fluss befindet, und es endet in einem beschwörenden "Mantra", bei dem zum Ende hin die Melodiestruktur des ersten Songs wieder aufgenommen wird. So schließt sich nach knappen vierzig Minuten ein Kreis. "Tropfen" überrascht mit einem klassisch anmutenden Wechselspiel von Gitarre und Hammond-Orgel, das den Fluss der Zeit auch musikalisch spürbar werden lässt. Ich fühle mich davon förmlich mitgerissen. Außerdem überrascht das Stück im Mittelteil mit einer kindlichen Gesangsstimme, untermalt lediglich von synthetischen Streichersounds: "Wovor haben wir Angst gehabt? / Wovor all die Scheu? / Wir haben uns angestrengt / aus sich selbst wird alles neu." So etwas ist neu bei POLIS, und es ist beeindruckend schön. Das Stück geht nahtlos über in den Song "Gedanken", der mit poetischer Lyrik aufwartet. Der kurze Text schwebt über einem Teppich aus Hammond-Sounds, bis Gitarrist Christoph Kästner mit einem fantastischen Solo brilliert und Sänger Christian Roscher das Stück schließlich in einer Art mehrstimmigen Scatgesang münden lässt. Roschers markante Stimme ist eines der Markenzeichen der Band. Geschickt wird sie bei vielen Songs mehrstimmig eingesetzt. Ein weiteres Markenzeichen ist das Gitarrenspiel von Christoph Kästner. Ihm geht es nicht um schnelle Läufe. Er entlockt seinem Instrument mal filigrane, reine Töne, lässt es aber auch dreckig rau klingen, nachzuhören bei dem Stück "Eine Liebe, Tausend Leben". Auch Keyboarder Marius Leicht trägt mit seinem virtuosen Spiel maßgeblich zum Klangbild der Band bei. Ob flirrende Hammond-Flächen, dezent eingeworfene Pianopassagen oder grummelnde Synthie-Sounds, Leicht beeindruckt mich mit seinem Spiel auch auf diesem Album. Auch die Rhythmusfraktion soll nicht unerwähnt bleiben. Sascha Bormann am Schlagzeug und Andreas Sittig am Bass bilden ein solides Fundament, auf dem die Band bauen kann, mal rhythmisch treibend wie bei den Stücken "Sehnsucht" oder "Mantra", mal den Schwerpunkt auf Dynamik legend.

Neben rockigen Klängen finden sich auf dem Album Weltklang auch wunderschöne Balladen, wie das "Abendlied". Das eindringlich beschwörende "Gebet" mündet in dem hymnischen "Steig herab", bei dem mich die instrumentale Passage im Mittelteil an den Bombast der Flower Kings erinnert.

In Abwandlung einer Textzeile muss ich sagen, wer dieses Album wählt, wählt ein Werk voller ästhetischer Klänge, geprägt von wilder Schönheit. Der Anspruch der Band, ein Album zu schaffen, das eingefahrene Bahnen verlässt und mehr Vielfalt bietet, ist vollauf gelungen. Der Sound ist herausragend gut. Immerhin wurden die Stücke in Peter Gabriels Real World Studios gemischt und gemastert. Wer deutschsprachigen Prog mit einem Hauch Retro-Sounds mag, sollte sich Weltklang von POLIS unbedingt zulegen.

ÜBRIGENS: Aus gegebenem Anlass hat sich die Band POLIS entschlossen, die CDs und Schallplatten ihres neuen Albums Weltklang bereits jetzt auszuliefern. Release-Termin des Albums ist zwar erst der 24. April 2020. Jedoch kann man das Album jetzt schon über die Webseite von POLIS erwerben. Einfach zugreifen, solange die Post noch liefern darf.
(Bodo Kubatzki)





Videoclips:






   
   
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