Konstantin Wecker: "Poesie in stürmischen Zeiten" (Album)

wecker2020 20200505 2067099284VÖ: 15.05.2020; Label: Sturm & Klang MV; Katalognummer: S & K 045; Musiker: Konstantin Wecker (Gesang), Fany Kammerlander (Cello), Jo Barnikel (Klavier), Sarah Straub (Gesang bei "Niemand kann die Liebe binden"); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak, inkl. achtteiliges Booklet zum Aufklappen;

Titel:
"Ich singe, weil ich ein Lied hab'", "Gedichte sind Küsse (gesprochener Zwischentext)", "Willy 2020", "Stürmische Zeiten man Schatz", "Die Erziehung reformieren (gesprochener Zwischentext)", "Für meine Kinder", "Liebesdank", "Vier Gedichte", "Lieber ein politisch kluger Virus (gesprochener Zwischentext)", "Der Virus", "Ich habe Angst", "Heiliger Tanz", "Vorstellung Sarah Straub (gesprochener Zwischentext)", "Niemand kann die Liebe binden", "Den Parolen keine Chance", "Was immer mir der Wind erzählt", "Poesie ist Widerstand (gesprochener Zwischentext)", "Wut und Zärtlichkeit", "Für Mikis Theodorakis (gesprochener Zwischentext)", "Lied der Lieder", "Sage Nein", "Was keiner wagt", "Verabschiedung (gesprochener Zwischentext)", "Gracias a la Vida"


Rezension:
Wir konnten bereits in die am 15. Mai auf dem Label Sturm & Klang erscheinende CD hineinhören. Wecker ruft mit der neuen Veröffentlichung zu Spenden für in Not geratene Künstlerinnen und Künstler auf. Das Wegfallen der Einnahmen aus Gagen, Konzerteintritten, CD-Verkäufen, Merchandising usw. führte zu oft prekären finanziellen Situationen. Weckers ausgeprägte humanistische Einstellung ist ja bekannt, daher überrascht seine Initiative nicht, die hoffentlich auch viele "Nicht-nur-Wecker-Fans" zum Kauf des Albums animiert: Ein Live-Mitschnitt aus dem Streaming-Konzert vom 22.03.2020, ergänzt mit seinen Gedanken beim aktuellsten "Besuch" am Grab seines Freundes Willy, "Willy 2020".

"Für Johann Wolfgang Goethe waren Gedichte Küsse, die man der Welt gibt. In diesem Sinne wollen wir mit den 18 Liedern und Gedichten in Zeiten, die eine körperliche Nähe ausschließen, die Menschen umarmen. So viele Konzerte mussten wir bereits absagen und verschieben und all jenen, die gerne zu uns gekommen wären, können wir hiermit eine Freude machen", so Konstantin Wecker, der mit den Einnahmen auch anderen Künstlern unter die Arme greift. Fünf Euro pro verkaufter CD gehen an die Musiker und Musikerinnen seiner Plattenfirma sowie an das Produktionsteam, denen alle in Corona-Zeiten die künstlerische Existenz unter den Füßen wegbricht.

Und so kann und will Konstantin Wecker auch mit dieser außergewöhnlich entstandenen CD das tun, was ihm schon immer am Herzen liegt: den Menschen Zuversicht geben und Mut machen auf eine Zeit, in der vieles wieder leichter und er den Willy wieder auf der Bühne singen wird. "Mei Willy, Du kannst dir nicht vorstellen was hier grad los ist. Die Welt ist von einem Virus befallen und alles, was bisher gültig war, ist auf den Kopf gestellt." In den schweren Zeiten der Corona-Pandemie lässt Konstantin Wecker sein Kultlied aktuell aufleben. Zu hören ist "Willy 2020" auf der neuen CD, auf der zum ersten Mal die beliebte Trio-Besetzung mit der Cellistin Fany Kammerlander und dem Pianisten Jo Barnikel auf einem Album zu hören sind. Mit dabei ist auch die Liedermacherin Sarah Straub, die als Gastmusikerin mit Konstantin Wecker das Duett "Niemand kann die Liebe binden" singt.

Mit "Ich singe, weil ich ein Lied hab" eröffnet der Künstler den Reigen poesievoller, kritischer Lieder mit Klavier- und Cello-Begleitung. "Und so trug man den Sänger zu Grabe, und ein neuer stieg lächelnd ins Land. Er verkaufte sehr gut, denn er hatte sich besser in der Hand." Ein Song über Aufstieg und Fall von Künstlern, den man auch leicht auf andere Lebenssituationen übertragen kann. Fast acht Minuten kommt "Willy 2020" zu Wort, wo sich Konstantin Wecker zu Konzertabsagen wegen der Corona-Krise und zur Einschränkung von Grundrechten äußert. Seine persönliche Freiheit möchte er nur selbst beschneiden und nicht von Söder, Kurz oder Macron, so sein Statement als "alter Anarcho", wie er sich selbst bezeichnet. Das lasse ich unkommentiert so stehen, wie die folgenden seiner Ansichten im Wechsel mit Willy. Das muss man einfach selbst gewichten. Er hat in Vielem Recht, macht aus seiner pazifistischen Haltung keinen Hehl und stellt unbequeme Fragen, die auf der Hand liegen und die einer Grundsatzdiskussion bedürften.

"Leben ist Brücken schlagen, über Ströme die vergehn" lautet eine markante Zeile aus dem Song "Stürmische Zeiten mein Schatz", umrahmt von - wie erwartet - sehr deutlichen Worten über das Zeitgeschehen. Enthalten ist auch das zu Herzen gehende Lied "Für meine Kinder". Ein besonders inniges Liebeslied. Dabei möchte ich jetzt bewenden lassen. Für Wecker-Fans ist das Album Balsam auf die Seele, für noch "Zögerer" eine gute Gelegenheit, sich mit diesem Ausnahmekünstler zu befassen! Noch dazu für einen guten Zweck.
(Gerd Müller)





Das Konzert:





   
   
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