Ferry Grott: "Trumpet in Berlin" (Album)

ferrygrott 20201124 1458195952VÖ: 28.11.2020; Label: GrooveBustersMusic; Katalognummer: ohne; Musiker: Ferry Grott (Trompete, Flügelhorn, Programming), Stephan Bohm (Posaune), Stephan Zelzer (Bass), Oliver Bostroem (Gitarre), Heinz Jacobi (Orgel); Bemerkung: Leider ist dieses Album nur digital bei allen bekannten Download-Portalen aber nicht physisch auf CD oder Platte erhältlich;

Titel:
Spring • Summer • Autumn • Winter • Awake • Trumpet in Berlin • Only For You • Beautiful New World • Universe • Louisuette • Mokili • Ave Maria • Sunrise


Rezension:
Selbst Bands, die vor ein paar Jahren kommerziell erfolgreich waren und Hits hatten, haben es inzwischen schwer, bei den großen Plattenfirmen unter zu kommen und einen Vertrag für eine CD-/ Plattenveröffentlichung abzugreifen. Manche sind inzwischen bei kleineren Firmen gelandet und bringen sogar noch Geld mit, damit ihre Songs auf einem Tonträger erscheinen können. Noch bescheidener stellt sich das für Instrumentalisten dar, die sich solistisch zeigen möchten und das auch noch weit entfernt von massenhaft verkäuflichen Einheitsklängen tun. Wenn Du dann auch noch ein Instrument spielst, das im Mainstream-Bereich komplett out ist, hast Du gar keine Chance mehr, dass sich irgendein Label für Dich interessiert. Da haben es blond gesträhnte Sonnyboys, die auf der Geige AC/DC covern, aufgrund ihrer Anziehungskraft auf kauffreudige Damen jenseits der 50 und noch "jenseitser" des guten Musikgeschmacks wesentlich einfacher. Ein Trompeter wie Ferry Grott, der eigene Lieder schreibt und dabei eher auf seine Kunst als darauf achtet, wie er bei eben beschriebener Klientel ankommen könnte, muss da selbst kreativ werden, um sich zeigen zu können. "Trumpet in Berlin" heißt sein neues Album mit ausschließlich instrumentalen Liedern, aber auf CD im Fachhandel wird man es leider vergeblich suchen. Man kann es nur digital erwerben. Aus Gründen ...

Was sehr schade ist, denn die Musik auf diesem Album hätte es durchaus verdient, ihren Charme über knisterndes Vinyl oder einer glänzenden Silberscheibe versprühen zu können. Vor allem deshalb, weil es eben keine Musik zum eben mal flüchtig hinein hören oder beim Einkaufen über das Smartphone nebenbei konsumieren ist. Schon im Opener "Spring" kann man den feucht-kalten Duft eines Waldes im März riechen, wenn man die Augen schließt und ihm aufmerksam lauscht. "Chill Out meets Kraftwerk meets Jazz" kommt mir in den Sinn, als ich es höre. Mit "Summer", "Autumn" und "Winter" macht Grott seine persönlichen "Vier-Jahreszeiten" dann auch komplett und lässt der relaxten Stimmung des Frühlings weiter freien Lauf. Zu fein programmierter Elektronik mit teils hypnotisierenden Beats und Synthie-Sounds malt er die jeweilige Jahreszeit in smoothigen Jazz-Tönen auf seiner Trompete dazu. Unaufgeregt, entspannt, wunderschön! Beim Herbst sieht man mit geschlossenen Augen die Blätter fallen, beim Sommer die durch die Hitze flirrende Luft und beim Winter die Eisblumen am Fenster wachsen, während man draußen Schneeflocken tanzen sieht. Man braucht dafür nicht viel Phantasie, sich das vorzustellen, wenn man diese Musik als Vorlage dazu hat. Die Leinwand und Farben liefert der Künstler, die Bilder entstehen automatisch beim Hörer.
Weitere Titel auf dem Album heißen "Awake" (Erwachen), "Universe" (Universum) oder "Mokili", die allesamt durch ihren "Chill Out-Charakter" auffallen und ziemlich entspannend auf den Hörer wirken. Ein anderes Stück heißt "Trumpet in Berlin", ist etwas schneller arrangiert und entwickelt sich durch seine eingängige Melodie zum Begleiter für den Rest des Tages. Ein Ohrwurm eben.
Dann gibt es noch "Only For You" das offenbar das vertonte Verliebtseingefühl ist. Flott und verspielt arrangiert und gute Laune verbreitend. Verwandt scheint die Nummer mit dem folgenden "Beautiful New World" zu sein, und wenn diese neue Welt tatsächlich so schön wäre, wie dieser Song, hätten wir viele der derzeit im Umlauf befindlichen Probleme sicher nicht. Ein zu Musik gewordener Wunschtraum also.
Mit einem sakral von Kirchenorgel und (natürlich) Trompete getragenen "Ave Maria" kommt der Künstler so langsam zum Ende. Wieder stellen sich einem die Nackenhaare auf und ein angenehmes Gefühl durchflutet den Körper, bevor man mit einem weiteren entspannten Jazz-Schleicher ("Sunrise") vor dem inneren Auge nochmals die Sonne aufgehen sehen kann. Dann ist Feierabend.

Egal, mit welchen Bildern im Kopfkino uns Ferry Grott auf "Trumpet in Berlin" versorgen möchte, sein Stamminstrument, die Trompete, spielt stets die Hauptrolle. Und er macht einem ´ne Menge Spaß damit, denn auch wenn Bläser im Moment (noch) out sind, was die populäre und kommerzielle Musik betrifft, so präsentiert er sie jungendlich frisch und äußerst attraktiv für das nach Schönheit schmachtende Ohr. Während manch ein Kollege von Ferry auf seinem Werkzeug bleibende Schäden anrichtet und mit teils peinlichen Auswüchsen den Ruf des Instruments nachhaltig beschädigt, rückt er seine Trompete ins rechte Licht, macht Lust auf mehr davon und stellt deutlich klar, dass so manche Keyboard-Passage in Popsongs durchaus auch mal wieder durch Bläser ersetzt werden dürfen. "Trumpet in Berlin" ist ein Bewerbungsschreiben dafür. Besonders lecker kommen die 13 Lieder dieses Albums über die Anlage. Man muss sie sich nach dem Herunterladen dafür aber derzeit erst noch selbst auf CD brennen, wenn man sie nicht über das Smartphone oder blechern klingende Boxen am PC hören und viele kleine Feinheiten dabei übersehen will. Vielleicht klappt es ja doch noch mit einer CD … irgendwann, irgendwo, irgendwie.
(Christian Reder)





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