East Blues Experience:
"Make It Better" (Album)


lp07 20191004 1727419137VÖ: 04.10.2019; Label: Eigenvertrieb; Katalognummer: 4050215706323; Musiker: Peter Schmidt (Gesang, Gitarre, Harp), Jäcki Reznicek (Bass), Adrian Dehn (Gitarre, Pedal Steel, Gesang), Ronny Dehn (Schlaghzeug, Percussion), Rainer Oleak (Tasteninstrumente); Produzent: Rainer Oleak & EBE; Bemerkung: Ausschließlich auf CD erschienen und nur im Online-Shop der Band und auf Konzerten erhältlich;

Titel:
Thirty Something • Alwas On The Run • Make It Better • Keep On Rolling • I Will Get Along • Whorehouse Blues • Himmelblau • Blues • Dust On The Radio • The Last Laugh • For The Turnstiles • Oh Death • Robert Johnson • Ry The Greek


Rezension:
Das erste Studioalbum der EAST BLUES EXPERIENCE seit 12 Jahren. Diese Pause war lang. Ehrlich gesagt, zu lang! Zwar wurde sie im Jahre 2014 mit der EP "Der Tag" unterbrochen, aber diese CD war leider nur mit fünf Songs bestückt und machte eigentlich nur noch mehr Heißhunger auf neues Liedgut des Berliner Quartetts. Diesen Hunger versuchen Peter Schmidt (Gesang, Gitarre, Mundharmonika), Jäcki Reznicek (Bass), Adrian Dehn (Gitarre, Pedal Steel, Gesang), Ronny Dehn (Schlaghzeug, Percussion) sowie der Studiogast Rainer Oleak (Tasteninstrumente), der hier auch als Produzent in Erscheinung tritt, jetzt mit 14 neuen Titeln und einer sich Anfang des neuen Jahres anschließenden Tour zu stillen.

Eine in jeder Hinsicht bunte Mischung hat das Ensemble da innerhalb weniger Tage in Rainer Oleaks Berliner "Tonscheune" eingespielt. Neben diversen Songs aus Peter Schmidts Feder finden sich auch wieder ein paar spannende Fremdtitel auf dem Silberling wieder, die die Herrem in ihren eigenen Sound gekleidet und mit den eigenen musikalischen Ideen mächtig aufgepeppt haben. So findet man hier u.a. den Titel "Himmelblau" wieder. Eine Komposition von Arnold "Murel" Fritzsch mit einem Text von Andreas Hähle, die Ines Paulke im Jahre 1988 auf ihrem Debüt-Album "Die Farbe meiner Tränen" erstmals die Öffentlichkeit hat hören lassen. Ist das Original eine verspielte und elektronisch umgesetzte Pop-Ballade, bleibt in der neuen EAST BLUES-Fassung eigentlich nur noch die "Ballade" übrig. Der Rest ist handgemachte Musik - Akustikgitarre, Fretless-Bass, Stromgitarre und Schlagzeug - mit einem butterweich unter die Haut fahrenden Gitarrensolo. Eine weitere Ausleihe erfolgte bei der Gruppe PANTA RHEI, denn auch das Stück "Blues", Anfang der 70er von Ed Swillms komponiert und von Jens Gerlach mit einem Text versehen, hat eine Frischzellenkurz verpasst bekommen. Die damals eingebundenen Bläser und Tastentöne wurden gestrichen, und in der hier zu hörenden Version durch Adrian Dehns Gitarrenspiel ersetzt. Dies verpasst der fast 50 Jahre alten Nummer einen gänzlich anderen Anstrich, und im zweiten Teil des Stücks wird dem Affen Gitarren-mäßig richtig Zucker gegeben. Klingt frisch, knackig und erdig. Lobend zu erwähnen ist hier auf jeden Fall auch die Gesangsleistung von Peter Schmidt, der ja immerhin Veronika Fischer und eben schon erwähnte Ines Paulke zu vertreten hat. Was man sich zuerst gar nicht vorstellen kann, dass es klingt, überzeugt schon nach den ersten gesungenen Tönen. Da kann man schonmal den Hut ziehen. Aber diese gute Figur hinterlässt Schmidt auch bei den im Original von Namoli Brennet stammenden "I Will Get Along" und "Dust On The Radio", die ebenso zu den neu vertonten Fremdkompositionen gehören wie Motörheads "Whorehouse Blues", Neil Youngs "For The Turnstiles" (übrigens hier von Ronny Dehn gesungen!) oder Alexis Korners "Robert Johnson". Soviel zu den neu in Szene gesetzten Stücken anderer Künstler ...

Die Band ist durchaus in der Lage, auch eigene Lieder zu schreiben. Und das tut sie in Person von gerade schon lobend erwähntem Peter Schmidt. Zu den aus seiner Kompositions-Schmiede stammenden Erzeugnissen gehört u.a. auch der Opener des Albums, das instumentale "Thirty Something". Diese Nummer leitet die Scheibe mit den Beats eines Indianerkriegstanzes ein und gibt mit schmutzigen Gitarrensounds sowie angenehm in der Magengegend vibrierendem Bass gleich zu Beginn schon den Fingerzeig auf das, was man in den folgenden Minuten genießen darf. Das folgende Programm kann man wohl als heiße Mischung aus Blues und Rock, einem ans Bein fassende Beats und blubbernden Bässen, schreienden und krachenden Gitarren, sowie schweißtreibenden und irre viel Spaß machenden Arrangements. Dies ist auch in den weiteren Titeln zu finden, die sich Peter Schmidt für die EBE erdacht hat, nämlich das dem Opener folgende "Always On The Run", das dem Album seinen Namen gebende "Make It Better", die als Blues-Schleicher aufgemachte Aufforderung "Keep On Rolling", "The Last Laugh" und das die Platte abschließende Instrumental-Stück "Ry The Greek". In jeder dieser Songs - egal ob nun selbst komponiert oder von Kollegen ausgeliehen - stecken eine Menge Überraschungen. Die Band verleiht den Stücken eine eigene Note und gibt ihnen damit eine Wiedererkennbarkeit, verbindet die Lieder auf dem Album so, als gehörten sie genauso zusammen, wie man sie dort jetzt finden kann, und lässt seinen Hörern somit überhaupt keine Chance, sie nicht sofort extrem gut zu finden. Da gibt es kein langes "sich-schön-hören", sondern die Lieder zünden umgehend. Da passt jedes Rädchen ins andere, jedes Detail macht Spaß und die Musik macht einem ordentlich Feuer unter dem Hintern.

Das lange Warten auf "Make It Better" hat sich definitiv gelohgnt, aber den Heißhunger auf die Musik der EAST BLUES EXPERIENCE stillt das Album nicht. Im Gegenteil, hier wird man nur nochmehr heiß gemacht und wünscht sich nach dem letzten Ton von "Ry The Greek" eigentlich eine fürs Erste nicht enden wollende Zugabe. Aber die ist aus technischen und auch natürlichen Gründen nicht möglich. Ein kleiner Trost dürfte sein, dass es auch beim zweiten Hördurchgang noch einiges zu entdecken gibt, das einem beim ersten Mal vielleicht durch die Lappen gegangen ist. Zudem haben die Lieder durch die Bank das Zeug, auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig zu werden - egal ob sie gerade langsam dahin schleichen oder sie Dir durch das Spiel ihrer Schöpfer voll eins zwischen die Hörner geben. Das Jahr 2019 hat zwar noch ein paar Tage vor sich und ein paar neue Platten wurden uns ja auch noch angekündigt, aber "Make It Better" dürfte ganz oben im Ranking um das beste Album des Jahres rangieren. Vielleicht animiert ja auch das die vier Herren von EBE dazu, die Leute nicht wieder so lange auf ein neues Werk warten zu lassen wie einst die Verkaufsstelle des IFA-Vertriebes auf einen neuen Trabant ...
(Christian Reder)





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