Stefan Waggershausen: "40 Jahre später" (Doppel-Album)

lp17 20191118 2050245079VÖ: 29.11.2019; Label: Miau Musikverlag/Edel; Katalognummer: 4056813117097; Musiker: Stefan Waggershausen (Gesang, Gitarre) und diverse andere Musiker, die in 40 Jahren mit ihm zusammen im Studio zusammen arbeiteten, u.a. Jörg Weisselberg, Peter Weihe, Uwe Hassbecker, Billy Lang (alle Gitarre), Ritchie Barton, Simon Allert (alle Keyboards); Bemerkung: Ausschließlich auf CD erschienen. Doppel-CD (Picture Discs) in aufklappbaren Digipak mit Booklet inkl. Liner Notes von Stefan;

Titel:
CD 1:
Hallo Engel • Es geht mir gut • Sterne fallen • Zu nah am Feuer • Touche d'amour • Das erste Mal tat's noch weh • Jesse • Rikki und Rosi • Korkenzieher im Herz • Silberzungenteufel • Wer war heut Nacht hier • Der alte Wolf wird langsam grau • Endloser Sommer • Ich kenne mich aus mit dem Blues
CD 2:
Alexandra geht • Backstreet girl • Blackbird • Liebe die Du nie begreifst • Für dich • Und sie sahen sich nur an • 1000 Küssse leicht • Herz im Arsch • Silbermond • Du bist wie Tropfenfieber • Wie'n Korken auf'm Ozean • Fliegen mit dem Zeppelin • Lass mich in Dich tauchen • Und der Teufel schaut mir über die Schulter


Rezension:
Immer, wenn ich mir eine Platte von Stefan Waggershausen auflege, ist das wie eine kleine Zeitreise. Seit etlichen Jahren begleitet mich der vom Bodensee stammende Liedschöpfer mit seiner Musik. Es sind diese besonderen Geschichten, die Waggershausen auf ebenso besondere Art zu erzählen vermag, die inzwischen schon mehrere Generationen unterhalten. Im Februar wurde er 70 Jahre alt. Eigentlich ein guter Anlass, es auf der Bühne ordentlich krachen zu lassen und einige seiner zu Musik gewordenen Geschichten live vor Publikum zu erzählen. Vielleicht würde sich der Musiker mit so einem lauten Fest "zu nah am Feuer" bewegen, vielleicht hat er auch anderes vor, jedenfalls wird es ein solches Konzert im Jahr des runden Geburtstages nicht geben. Dafür erfreut er seine Fans u.a. mit einer besonderen Werkschau, die sich "40 Jahre später" nennt und auf zwei CDs einen bunten Querschnitt aus 40 Jahren Arbeit abbildet.

Ich höre die Leute schon laut sagen, "Hey, Moment mal … Da stimmt was in der Rechnung nicht! Stefans erste Single >>Herz aus Gold<< ist 1972 erschienen!" - Ja, da habt Ihr recht. Was diese Kopplung betrifft, liegt eine andere Zeitrechnung zu Grunde nämlich die, als er seine ersten Charterfolge feiern konnte. Und dafür wurden 1979 die Grundsteine gelegt, als das Album "Hallo Engel" mit der gleichnamigen Erfolgs-Single geschrieben, produziert und einige Zeit später veröffentlicht wurde. Danach erlebte der Künstler eine aufregende und erfolgreiche Zeit mit bis heute 15 Studioalben, vielen Live-Tourneen, musikalischen Beiträgen für Film und Fernsehen und ganz nebenbei auch noch Songwritings für andere Kollegen. Heute, 40 Jahre nach seinem Durchbruch, blickt Waggershausen auf die vergangenen 40 Jahre zurück. Am 21. September 2019, nachts um 2:04 Uhr hat sich der Musiker zur auf dieser Doppel-CD befindlichen Auswahl von Liedern entschieden. Dabei sind "28 Songs von Liebe und Abschied, von Männern und Frauen die kommen und gehen, von alten Wölfen im Charakterfach …und auch von fünf Liedern, die bisher auf keinem meiner Alben veröffentlicht worden sind", beschreibt er diese Retrospektive selbst. Verpackt hat er sie in einem aufklappbaren Digipak mit Booklet, in dem er selbst ein paar Worte zu seinem neuen Best Of-Album und der damit verbundenen Geschichte sagt.

Natürlich steht der Türöffner "Hallo Engel" dieser Werkschau voran. Das Lied, das auch heute noch funktioniert und nichts von dem Charme verloren hat, den es 1980 so sehr versprühte, dass es für Stefan zum Erfolg wurde, eröffnet diese Rundreise durch die vergangenen vier Dekaden. Die großen Duette der 80er mit Alice ("Zu nah am Feuer") und Viktor Laszlo ("Jesse", "Das erste Mal tat's noch weh") stehen neben denen der Neuzeit mit Annett Louisan ("Der alte Wolf wird langsam grau") und den Homeboys, bestehend aus Jan Josef Liefers, Henning Weland und Sasha ("Endloser Sommer"), die Klassiker aus den ersten 10 Jahren wie "Es geht mir gut", "Touche d'amour" und "Rikki und Rosi" finden Platz neben ganz frischen Liedern des letzten Studioalbums wie z.B. "Backstreet Girl" und "Ich kenn mich aus mit dem Blues". Aber auch die Lieder aus Stefans "Album-loser" Zeit in den Nuller-Jahren, in denen es nur ab und an mal ein Lebenszeichen in Form einer Single gab, haben ihren Platz gefunden ("Fliegen mit dem Zeppelin"). Wie bei den bisher schon offiziell erschienenen Best-Of-Kopplungen des Künstlers, finden sich auch auf "40 Jahre später" neue und bis jetzt unveröffentlichte Stücke wieder. Eine besondere Überraschung dürfte hier wohl das Stück "Blackbird" sein, das Stefan zusammen mit Uwe Hassbecker und Ritchie Barton von der Gruppe SILLY aufgenommen hat. Ebenso unbekannt war bisher die deutsche Fassung von Leonard Cohens "Alexandra Leaving", das hier "Alexandra geht" heißt.

Mit "40 Jahre später" holt man sich etwas nach Hause, das man in keinem Reisebüro buchen kann: Eine Zeitreise die weit größer ausfällt, als wenn man sich nur eines seiner Alben auflegt. Hier gleitet man zusammen mit Stefan und seiner Musik durch die 80er, 90er, 2000er und die 10er Jahre und speziell die, die ihn schon so lange begleiten, werden zu jedem der 28 Haltestellen auf der Rundfahrt ihre ganz persönlichen Erinnerungen haben und an fünf dieser Stellen, nämlich denen mit den neuen Liedern, auch neue Erinnerungen entstehen lassen können. Diese Werkschau zeigt auch ziemlich deutlich die Entwicklung des Musikers, der Lieder mit "deutschen" Song-Strukturen schuf zu dem, der sich eine eigene unverkennbare Handschrift zugelegt und dafür verschiedene Elemente der Süd-Staaten-, Blues- und Country-Musik für den eigenen Sound verwendet hat. Zum 70. Geburtstag und zum 40. Jahrestag des Starts einer erfolgreichen Karriere gibt es aber noch mehr, als nur diese Doppel-CD. Seit letzter Woche gibt es auch noch das letzte Studioalbum "Aus der Zeit gefallen" - knapp ein Dreivierteljahr nach Erstveröffentlichung auf CD - als limitierte Auflage in Schallplattenform, und für das kommende Jahr ist ein Akustik-Album geplant, mit dem der Musiker dann hoffentlich auch wieder auf Tour gehen wird. Vorher sollten sich die Fans aber den 29. November im Kalender dick anstreichen. An diesem Tag erscheint nicht nur das hier vorgestellte Album, sondern am Abend wird auch eine vom MDR produzierte Sendung über Stefan im Fernsehen zu sehen sein. So können wir also doch noch feiern, auch wenn es nicht live vor einer Bühne passieren kann.
(Christian Reder)





Videoclips:


















   
   
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