ZENIT: "Noch besser" (CD Album)

lp3 20180323 2000251748VÖ: 19.02.2018; Label: Playground Records; Katalognummer: 4020796470760; Musiker: Big Joe Stolle (Gesang, Mundharmonika, Gitarre), Alexander Blume (Piano, Orgel, Keyboard), Mauro Pandolfino (Gitarre), Andreas Schrödter (Bass), Frank Franz Fischer (Schlagzeug); Produzent: Stereomix.co & Big Joe Stolle; Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak ohne Booklet und dementsprechend ohne Abdruck der Texte;

Titel:
Sie hat alles • Premium Pils • Nachts um halb vier • Es ist aus und vorbei • Wir beide • Darlehn • Wo sind die Jahre • Der Weinbrand Blues • Mach Dir keine Sorgen • Immer wieder neu


Rezension:
Die Reunion der Zenit Blues Band war schon eine großartige Neuigkeit, die sich im Laufe des Jahres 2017 in der Szene verbreitete. Den Impuls dazu hatte der Bandmanager von "Apfeltraum", André Kemnitz, Anfang 2016 gegeben, erzählt Big Joe Stolle. Im Apfeltraum-Projekt musizieren die Zenit-Mitglieder Big Joe Stolle und Mauro Pandolfino zusammen mit den Söhnen von Peter Cäsar Gläser und Jürgen Schötz und bringen alte Renft- und Cäsar-Stücke zum Vortrag. Alexander Blume habe gesagt: "Warum nicht?", und die Dinge nahmen ihren Lauf. Im Festivalsommer 2017 folgten Auftritte bei den Open Airs in Oettersdorf, Taucha und Landsberg sowie im Dezember bei der "Kundenbluesnacht" im thüringischen Neustadt an der Orla (Deutsche Mugge berichtete), die allesamt sowohl beim Publikum als auch bei der Presse bestens ankamen.

Auf Live folgt Studio
Nun also liegt ein topaktuelles Album vor, das den Titel "Noch besser" trägt. Aufgenommen wurden die Tracks im Berliner ORWO-Haus. Die Gestaltung des Digipack-Covers ist zeitgemäß schlicht und fokussiert auf den Namen der Band und den Titel der Scheibe. Drinnen ein knappes Statement zur Reaktivierung nach 27 Jahren Pause. Dazu ein klassisches, sehr gelungenes Foto der Band von Jens Lorenz, das Big Joe Stolle in der Mitte zeigt, flankiert vom aktuellen Line-up der traditionsreichen Formation: Alexander Blume, Tasteninstrumente, Frank Franz Fischer, Drums, Andreas Schrödter, Bass, und Gitarrist Mauro Pandolfino.

Big Joe steht im Fokus, Alexander Blume macht die Stimmung
Dass Big Joe auf dem Foto im Mittelpunkt steht, erklärt sich. Denn einerseits ist er als Leadsänger ohnehin der Frontmann, andererseits stammen die meisten Kompositionen und alle Texte des Albums, durchweg in deutscher Sprache, aus seiner Feder. Zehn davon gibt es zu hören, und um es vorweg zu nehmen, das Album ist schlüssig und knüpft nahezu nahtlos an den aus den Achtzigern noch gut vertrauten Stil von Zenit an. Gleich der dynamisch rockende Opener "Sie hat alles" signalisiert, dass es sich hier um erwachsene Musik, aber keineswegs um eine Alte-Herren-Mugge handelt.005 20180323 1880487025 Jedes Instrument ist klar zu hören, und bereits dieser Song hat alle Zutaten in sich, die ein solides Stück Bluesrock braucht. Und so kann man auch die gesamte Scheibe charakterisieren: Solide, reif und griffig. Hier wird nicht experimentiert, hier wird geliefert. Die Musiker verstehen freilich alle bestens ihr Handwerk - jeder für sich und alle zusammen -, und doch scheint mir insbesondere der gut dosierte, nie vordergründige Einsatz von Alexander Blume und seinen verschiedenen Tasteninstrumenten erwähnenswert, denn vor allem dadurch bekommt jeder der Songs eine eigene musikalische Grundstimmung.

Rundgang durch das Repertoire des modernen Blues
Musikalisch zusammengefasst ist das Album eine gelungene Führung durch das stilistische Repertoire dessen, was Blues in seiner langen Geschichte hervorgebracht hat - von Houston nach Chicago, über New Orleans und Memphis - mit einem Abstecher nach London - schließlich nach Berlin. Nachdem im ersten Stück der holden Weiblichkeit gehuldigt wird, lobt das rockig stampfende "Premium Pils" die Vorzüge dieses universellen, am besten tiefgekühlten, Genuss- und seelischen Heilmittels. Wer kennt den Durst auf ein Bier nicht? Auch die übrigen Nummern handeln von den genretypischen, alltagsnahen Themen: Liebe und Hoffnung, Abschiedsschmerz, Geldknappheit und Erinnerungen an alte Zeiten. Das von "Johnny B. Goode" geprägte "Wo sind die Jahre" erzählt die Geschichte eines Musikliebhabers, die heute so manch einer jenseits der 50 ebenso erzählen könnte. Ein echter Oldie ist "Der Weinbrand Blues". Dieses schwermütige Werk stammt aus den Achtzigern - wie man sicherlich schon anhand seines Namen vermuten kann -, wurde damals regelmäßig live gespielt, fand aber nie den Weg auf einen Tonträger. Aber es geht nicht übermäßig darum, zurückzublicken. Das Album wirkt insgesamt klassisch, aber auch sehr gegenwärtig - mit dem Blick nach vorn.

Blick nach vorn
Im letzten Song "Immer wieder neu" besingt Big Joe die Freude an seinem Dasein als fahrender Musikant, der seine Musik landauf, landab spielen kann und den Menschen damit Gutes tut. Ja, das kauft man ihm und dieser Combo ab, und das passt alles gut zueinander. Nichts wirkt aufgesetzt oder gekünstelt - und das ist das Angenehme an dieser Platte: Sie ist ehrlich - und ein bisschen so, als würde man mal wieder zu Hause vorbeischauen, auf alte Bekannte treffen und feststellen, dass auf viele gute Dinge im Leben auch nach langer Zeit Verlass ist und noch eine ganze Weile sein wird.

Kauf-Tipp:
Wer sich vor dem Erwerb der CD, was empfohlen wird, einen musikalischen Eindruck verschaffen möchte, kann das auf der Website der Band machen, auf der alle Titel angespielt werden: www.zenitbluesband.com

Live-Tipp:
Das nächste große Live-Highlight indes findet am 7. April 2018 in der Berliner Wabe statt: Ein Doppelkonzert mit Apfeltraum und der Zenit Blues Band.
(Thorsten Murr)




   
   
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