Klaus Lage & Gute Gesellschaft: "Blaue Stunde" (CD Album)

lp35 20170224 1532862254VÖ: 12.01.2017; Label: LAMU Records; Katalognummer: LL 1611-1; Musiker: Klaus Lage (Gesang, Pfeifsolo), Bo Heart (Piano, Orgel, Keyboards, Gesang), Marcio Doctor (Percussions), Lothar Atwell (Bass, Gesang), Jürgen Scholz (Gitarre, Slideguitar, Dobro), Friedrich Paravicini (Cello, Ondes, Harp), Joachim Refardt (Trompete, Flügelhorn), Volker Bruder (Klarinette), Torben Seniuk (Posaune), Steve Baker (Harp), Susan Vogel (Bass); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak incl. Booklet mit Abdruck aller Texte;

Titel:
Auf Dich • Jung • Krempel • Vorbei • Ich bin viele • Jemand • Land der Liebe • Pappsatt • Neujahr • Ich bin stark • Liebe ist ein Labyrinth • Affenzirkus • Zeitreisen (Bonustrack)


Rezension:
Es gibt ein neues Album von Klaus Lage. Bei dieser Ankündigung könnte man es bewenden lassen, eine kleine Szenenews verfassen und Euch, unsere Leser, hätten wir mit dieser Neuigkeit versorgt. Tja, so leicht "könnte" man es sich machen ... tun wir aber nicht. Das hat gute Gründe, warum wir ausgerechnet die neue CD von Klaus Lage ausführlicher vorstellen und ein anderes neues Album dagegen nicht. Einer der Gründe ist, dass Klaus Lage einer der Musiker ist, die ihre ausgelatschten Pfade verlassen um nach neuen Abenteuern im hohen Gras zu suchen. Und wir werden in einer "blauen Stunde" staunende Ohrenzeugen dieser Abenteuerreise des inzwischen 66-jährigen Musikers, der einst dem TV-Kommissar Schimanski einen rockigen Soundtrack mit auf den Weg gegeben hat.

Doch vom Rock der 80er und 90er Jahre ist der Herr Lage aus Soltau inzwischen weit weg. Auf "Blaue Stunde" bekommt der Hörer in 13 neuen oder neu arrangierten Liedern die Gelegenheit, ihn mit einem anderen Auge zu sehen (bzw. mit einem anderen Ohr zu hören), sich dabei zu entspannen, innezuhalten und genau hinzuhören. Die Lieder bringen eine ganze Menge mit, sind gekleidet im klassischen Blues, hier und da versehen mit Jazz-Elementen und vor allen Dingen akustisch gespielt. Lage verzichtet hier auf jeglichen Firlefanz, produktionstechnische Schummeleien und Elektronik. Hier klingt der Kontrabass, die Mundharmonika, das Klavier, Bläser und die Akustikgitarre. Man fühlt sich beim Hören der Lieder in die Südstaaten der USA und an den Mississippi versetzt ("Vorbei", "Ich bin stark"), an anderer Stelle bedient man sich dem klassischen Country-Stil um seine Geschichte zu erzählen ("Auf Dich"), um in einem anderen Lied dem Blues der 20er und 30er Jahre mit mächtigem Jazz-Einfluss zu frönen ("Jemand"). Nur auf den ersten Blick fallen "Neujahr", eine mit Klavier und Streichern arrangierte Ballade mit wunderschöner Melodie, tollem Text und überraschendem Slideguitar-Solo, oder "Affentheater", ein angejazzter Schleicher wie gemacht für den Einsatz auf der Bühne in einen Jazz-Club, aus dem Rahmen. Schnell erkennt man den roten Faden, der sich durch das gesamte Album zieht. Blues und Jazz haben nicht nur viele Gesichter, sie sind auch eng miteinander verwandt.

Schwere Klaviertöne bilden das Grundgerüst von "Land der Liebe". Lyrik verpackt in Moll, ohne Schwermut zu verbreiten. Quasi als Counterpart und eher locker, flockig und beschwingt tänzelt dagegen "Pappsatt" durch den Raum. Die beiden zuletzt genannten Stücke sind auf der CD nacheinander angeordnet und machen für mich am deutlichsten klar, wie tiefschichtig und abwechslungsreich das Album ist, und wie unterschiedlich die Lieder auf einer CD sein können. Da passt dann auch das Stück "Krempel" wunderbar rein, das man von Lage bereits kennt, allerdings als waschechte Deutschrock-Nummer (zu finden auf "Beste Lage", 2008). Auf diesem Album hat der Musiker den Inhalt in einen stampfenden Blues mit Mundharmonika-Part verpackt.

Beim Inhalt bleibt sich Klaus Lage treu und hat nicht viel an sich verändert. In seinen Songs gibt es stets eine Geschichte, egal wie sie erzählt wird. Auf "Blaue Stunde" feiert er sein Dasein als Großvater ("Pappsatt") ebenso, wie er Menschen Mut machen will ("Ich bin stark"). Es geht um Trennungen ("Vorbei", "Liebe ist ein Labyrinth") und um Liebe ("Auf Dich"), und immer wieder findet man das für Lage typische Augenzwinkern in seinen Texten ("Jung", "Affenzirkus"). Auch inhaltlich macht die Entdeckungsreise Spaß und die Texte unterstreichen die verschiedenen Arrangements nur noch zusätzlich.

Ich mag Musiker, die sich und ihre Musik immer wieder neu erfinden. Mag sein, dass der Blues und auch die anderen Stilistiken, derer sich Klaus Lage auf seiner "Blauen Stunde" bedient, für manches Ohr alt und antiquiert sind. Sein Album und die darauf befindlichen Lieder sind es jedenfalls nicht. Es macht Spaß den 13 Titeln zu lauschen, man wird immer wieder auf's Neue von Ideen überrascht, die er und seine Band umgesetzt haben. Allein die Vielfalt der zum Einsatz gebrachten Instrumente verspricht schon beim Lesen des Booklets ein großes Abenteuer und Hörspaß pur. Dieses Versprechen wird schon mit den ersten Tönen eingelöst. Ein wunderbares Album, das ich Euch wärmstens ans Herz legen möchte.
(Christian Reder)



Videoclips:

"Auf Dich"


"Neujahr"



 
 

   
   
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