rommelnordwest 20151209 1305522375 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Nordwest"
Christina Rommel
Neo-Wannsee Records/SONY
13. November 2015

1. Energie
2. Mach mir Licht
3. Manhattans Himmel
4. Armes Deutschland
5. Schalt ab!
6. Schwarzweißer Tag
7. Maßlos
8. Nordwest
9. Ich will mit
10. Perfekter Augenblick
11. Kind der Straße
12. Nebelnacht





Die Frage, warum diese Musik nicht genauso erfolgreich ist, wie jene, stelle ich mir inzwischen nicht mehr. In den knapp acht Jahren, in denen ich für Deutsche Mugge CDs und Platten rezensiere und immer wieder mal meinte, das eine oder andere Werk könnte zum Hit werden, habe ich mich schon zu oft getäuscht, was den kommerziellen Erfolg betrifft. Das lag aber nie an der Qualität der Musik sondern, meiner Meinung nach, ganz offensichtlich am unterschiedlich großen (oder kleinen) Werbebudget und viel zu wenigen Möglichkeiten, sich im Deutschen Fernsehen und Radio als Musiker vernünftig zu präsentieren. Die eine Künstlerin darf die Nation neben zig Sondereditionen ihrer Alben zusätzlich noch über diverse Clips im Werbefernsehen, unverhältnismäßig vielen Samstagabendshows und einer extrem nervtötenden Weihnachts-Einspieler-Aktion in jeder Programmunterbrechung eines Kölner Privatsenders nerven, während sich die andere, vom Talent und ihrer Musik her weitaus breiter aufgestellte Künstlerin ein Bein ausreißen muss, um medial für ein paar Minuten stattzufinden. Gerade am Beispiel CHRISTINA ROMMEL und ihrer letzten CD "Blick von oben" fragt man sich, warum sie noch immer nicht in der Beletage deutscher Rock- und Popmusik angekommen ist. Eben erwähntes Album gehörte für mich persönlich zu den stärksten Scheiben des Jahres 2011 und was die Konzerte betrifft, so ist CHRISTINA ROMMEL eine der erfolgreichsten und fleißigsten Live-Künstlerinnen des Landes. Das muss irgendwann einfach belohnt werden. Vielleicht gelingt ihr ja mit ihrem neuen Werk, dem Album "Nordwest", der ganz große Wurf ...

Im Vergleich zu den Platten davor, klingt "Nordwest" rockiger und härter. Allerdings auch etwas mehr angepasst und dem Zeitgeist folgend. Es gibt Momente, da sind Parallelen zu Christina Stürmer und ihrer Musik unüberhörbar. Hat man sich hier möglicherweise inspirieren lassen? Alles in allem ist musikalisch gesehen eine Weiterentwicklung zu hören, während die Songinhalte (aus der Feder von Texter Mario Briczin) nach wie vor aus einer breiten Palette von Themen ausgewählt werden. Es sind Themen, die aus (Christinas) Leben gegriffen sind und hier auf die unterschiedlichsten Weisen beschrieben werden. Das dem Album seinen Namen gebende "Nordwest" lebt von der Fernweh, die hier zu Musik geworden ist. Dass diese Nummer auch als Single ausgekoppelt wurde, war eine gute Entscheidung, weiß der Song doch mit einer schönen Melodie, sowie ebenso schönem Text und Refrain zu überzeugen (Siehe auch den Videoclip am Ende dieser Seite). Der Titel "Armes Deutschland" bringt gar Gesellschaftskritik mit, und Frau Rommel bezieht hier deutlich Position. Für das Radio ist das Lied damit natürlich komplett ungeeignet, denn Inhalte bzw. kritische Töne mag man dort ja bekanntlich nicht so gern. Das ist bei Liedern wie "Energie" mit seiner eingängigen Melodie und kraftvollen Eigendynamik, "Mach mir Licht" und "Manhattans Himmel" anders. Hier bedient die Künstlerin den Massengeschmack ohne dabei anzuecken. Gut für einen evtl. angepeilten kommerziellen Erfolg, die Überraschungsmomente und das Setzen von neuen Duftmarken sucht man dabei allerdings vergeblich.

"Nordwest" ist ein ausgesprochen gut produziertes Album, das fast durchweg tanzbare und eingängige Popmusik mit leichten Rockeinschlägen bietet. Damit macht man nichts falsch und bewirbt sich artig um den einen oder anderen Platz in Deutschlands Radioprogrammen. Der ganz große Wurf in Bezug auf die eigene Note der CHRISTINA ROMMEL ist "Nordwest" leider nicht geworden, auch wenn der Titelsong meiner Meinung nach ein Evergreen im Repertoire der Künstlerin werden könnte. Das Vorgängeralbum "Blick von oben" hatte die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Hier hat vieles gestimmt und ganz besonders die persönliche Handschrift der Musikerin ist hier in jedem Song zu hören. Das neue Album brauchte bei mir zwei, drei Durchläufe, bis ich mich halbwegs damit anfreunden konnte. Inhaltlich ist "Nordwest" dagegen wieder sehr abwechslungsreich geworden. Mal sehen, ob es CHRISTINA ROMMEL mit der neuen CD gelingt, in den Charts zählbare Erfolge einzufahren. Nicht, dass sie es auch auf diesem Terrain noch beweisen müsste, welch große Sängerin und Komponistin sie ist, denn schließlich sind ihre große Fangemeinde und die Vielzahl an Konzerten im Jahr Beweis genug, dass sie eine ganze Menge richtig gemacht hat. Aber es macht sich eben immer noch gut, wenn in der Vita ein Charterfolg steht. Wie dem auch sei ... Künstlerinnen wie sie gehören einfach auf die große Showbühne, ins tägliche Radioprogramm und ins Fernsehen.
(Christian Reder)



Videoclip:




   
   
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