albrechtsterne 20140814 1097782217 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Sterne****"
Andreas Albrecht
Silberblick/Broken Silence
August 2014

1. Unglaublich
2. Selbstsüchtiges Stück
3. Vier Finger, vier Hände, vier Wände
4. Einmal zu oft Ich
5. Sterne
6. Schneckenhaus, poch poch
7. Stille
8. Das Gebet
9. Felsen und Staubkorn
10. Zwei Jahre
11. Nichts wie
12. Zurück auf Null
13. Der schöne Schmerz
14. Sterne - Reprise





Andreas Albrecht ist gebürtiger Berliner und seit den 90ern als Musiker aktiv; er spielte zwischen 1987 und 1992 Schlagzeug bei den TANZENDEN HERZEN, später bei der Russenfolk-Band APPARATSCHIK, und war mit seiner eigenen Band PULS unterwegs. Als Produzent arbeitete Albrecht schon mit Größen der deutschen Musikszene wie Hannes Wader und Manfred Maurenbrecher zusammen. Das hier vorliegende Album "Sterne****" ist nach "Schönes Ich" (2007) und "TAGEBUCHt" (2012) Andreas Albrechts drittes Studiowerk als Solist.

Das Album beinhaltet eine unglaublich große Fülle an Emotionen und musikalischen Ideen. Es handelt u.a. auch von Liebe in verschiedenen Phasen ... vom Verliebtsein, vom sich "Überlieben" und sogar vom sich "Entlieben". Aber auch von anderen Gefühlen, die jeder von uns in seinem Alltag kennt und hat. Aber egal, über was hier gesungen wird, Andreas Albrecht findet die richtigen Worte zur Situation, und schrieb so den Soundtrack für das ganz normale Leben. Selbst dann, wenn die Geschichte in einer Art Märchen verpackt ist ("Schneckenhaus, poch poch"), kann man sich wiederfinden. Sich sogar überraschen lassen, von einer anderen Sicht auf die Dinge. Der Versuch, eine Liebe zu beschreiben, unternimmt der Musiker in dem Stück "Nichts wie". Schlicht, ganz einfach, ohne Schnörkel und versteckte Botschaften. Ganz einfach auf den Punkt: "Da ist nichts, wie Du und ich". Albrechts Stärke ist der Umgang mit Worten. So lässt er mit "Das Gebet" den fast 30 Jahre alten Klassiker "Alkohol" von Herbert Grönemeyer mal ganz locker stehen. Ich habe selten einen so berührenden Text zum Thema Alkoholismus gehört, wie den von Andreas Albrecht. Man hört hier das vertonte Gebet eines Süchtigen an den Teufel Alkohol. Das ist ganz hohe Kunst! Seine Geschichten und Gedanken hat der Musiker in unterschiedliche musikalische Verpackungen gesteckt. Das Album startet mit einem langsamen Schleicher ... Perfekt für einen Klammerblues-Tanz. Wunderbar arrangiert incl. Saxophon-Solo und wunderbarem Klavier-Finale. Ein Hauch von Deutschrock mit teils rotzigem Gesang versprüht das Stück "Selbstsüchtiges Stück". Das Arrangement passt perfekt zur Geschichte über das selbstsüchtige Stück. Text und Musik gehören zusammen, und würden ohne einander sicher nicht so funktionieren. "Vier Finger, vier Hände, vier Wände" ist eine Ballade, die einem beim genauen Zuhören in eine andere Welt führen kann. Der durchgehende und monotone Tick-Tack-Background Gesang tut sein Übriges dazu. "Einmal zu oft 'Ich'" ist dagegen in Richtung Beatles-Sound und Brit-Pop arrangiert, zu dem sich noch ein Bläsersatz hinzu gesellt. Hektisch wirkt der Refrain, wirkt aber keineswegs überfrachtet, sondern fügt sich sowohl in das übrige Arrangement ein als auch passgenau zum Inhalt. Wie ein Turm ragt hingegen der Song "Schneckenhaus, poch poch" aus den anderen kleinen Gebäuden (Liedern) heraus. Ein kräftiger Hauch Zirkus, Jahrmarkt und Varieté weht einem hier entgegen. Musikalisch mutig in Szene gesetzt, löst sich dieses Lied von den anderen auf der CD deutlich ab. Überraschend auf der einen Seite, auf der anderen als willkommene Abwechslung wahrgenommen macht dieser Song (und auch sein Inhalt - s.o.) absolut Spaß und unterstreicht sehr deutlich, wie vielschichtig und ideenreich Andreas Albrecht die Musik zu seinen Geschichten auswählt und letztlich umsetzt. So z.B. auch beim Song "Stille", der nur am Anfang etwas von Stille vorgaukelt, und ab knapp 1:30 richtig losgeht. Die Stimmung des Lied-Ich entlädt sich in einer unbeschreiblichen Unruhe in der Musik. Auch hier passen wieder einmal die Geschichte und die Musik sehr gut zusammen, und sind ohne einander kaum vorstellbar. Besser geht's nicht. Es gibt weitere Balladen ("Sterne", "Felsen und Staubkorn"), Blues ("Zwei Jahre"), Brit Pop-Nummern ("Zurück auf Null") und edele Pop-Songs, die definitiv NICHT von der Stange sind ("Der schöne Schmerz"). Es lohnt sich auf jeden Fall genau zuzuhören und auf Entdeckungsreise zu gehen.

"Sterne****" ist ein ganz wunderbares Album eines Musikers, der sich und seine Musik in keine Schublade einsortieren lassen möchte. Andreas Albrecht pfeift offenbar darauf, irgendeinen roten Faden verfolgen zu wollen. Man hört deutlich heraus, dass die verschiedenen Stimmungen auch mit unterschiedlichen Stilen der Musik verbunden werden. Völlig egal, ob sie zueinander passen wollen oder nicht. Das ist Absicht und geht - wie mehrfach schon erwähnt - gar nicht anders. Albrecht macht die verschiedenen Stile passend! Eine Vielzahl an Ideen, Gedanken, Gefühle und Sichtweisen verbinden sich hier ganz eindrucksvoll mit immer der richtigen Musikrichtung. Scheinbar spielend leicht transportiert der Künstler seine Inhalte zum Hörer. Dabei spielt er mit Worten, Zeilen und Beschreibungen, wie man es heute kaum noch zu hören bekommt. Erfreulicher Nebeneffekt dieser bunten Mischung: Es ist ein Album, das generationsübergreifend funktioniert. Es braucht keine Altersfreigabe und auch keine Zielgruppe, denn die Zielgruppe ist wirklich jeder da draußen, der lebt und atmet. Nicht lange überlegen - Kaufen!
(Christian Reder)




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Videoclip:

 
"Felsen und Staubkorn"





   
   
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