kroppbescherung 20131210 1214776642 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Eine schöne Bescherung ..."
Dieter Kropp
Spareribs Records
2013

1. Süßer die Glocken nie klingen (Instrumental)
2. Ein kleiner weißer Schneemann
3. Weißer Winterwald
4. Schöne Bescherung
5. Frohe Weihnacht, Baby
6. Schneeflöckchen, Weißröckchen
7. Morgen, Kinder, wird's was geben
8. Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum
9. Weiße Weihnacht
10. Leider nur ein Traum
11. Der Weihnachtsumtausch
12. Sonderangebote
13. Rockin' Around The Christmas Tree
14. Stille Nacht, Heilige Nacht (Instrumental)





Seit Totensonntag habe ich das Radio nicht mehr eingeschaltet. Eigentlich höre ich jeden Morgen auf dem Weg in die Stadt Radio, aber in der Weihnachtszeit ist mir das zu riskant. Ich weiß nicht, wie es bei Euch im Sendegebiet ist, aber hier bei uns gibt es offenbar einen Wettstreit zwischen dem Sender WDR und den privaten Stationen darum, wer am häufigsten "Last Christmas" von WHAM und "Driving Home for Christmas" von Chris Rea spielen kann. Seit einigen Jahren kann ich diese Lieder nicht mehr hören. Sie nerven, ich habe mich daran schlicht und ergreifend satt gehört. Übersatt, um genau zu sein. Ein herzliches Dankeschön an die Einfallslosigkeit der deutschen Radiolandschaft. Dabei gibt es so viele tolle Songs, die man zur Weihnachtszeit spielen könnte. Ich denke da an das vierte Soloalbum des YES-Sängers Jon Anderson, "Three Ships", auf dem er traditionelle Weihnachtslieder bearbeitet und auch eigene Ideen zu Weihnachtssongs umgesetzt hat. Oder das "The Christmas Album" von Demis Roussos. Und diese Liste ließe sich noch weiter ausführen ... Aber von deren Existenz haben die Praktikanten in den Musikredaktionen der einzelnen Radiosender sicher keine Ahnung. Seit Generationen wird dort scheinbar das Mixed Tape aus den 80ern weitergereicht und jedes Jahr im November wieder aus der Schublade geholt. Andrew Ridgeley, einst bei WHAM der zweite Mann hinter George Michael und Rechteinhaber des Stücks "Last Christmas", und Chris Rea wird es freuen, verdienen sie sich doch jedes Jahr um diese Zeit dumm und dämlich. Trotz dieser Eintönigkeit versuchen Musiker landauf und landab immer wieder, einen Kontrast zu den eben erwähnten, in Dauerschleife gesendeten "Klassikern" zu bieten. Damit meine ich übrigens nicht die Scheiben, auf denen uns ein Michael Hirte oder ein anderes "Supertalent" aus der RTL-Wundertüte zum x-ten Male "Oh, Tannenbaum" oder "Oh, Du fröhliche" vorflötet. Eigene Ideen sind gefragt, damit's nicht langweilig wird. In diesem Jahr versucht sich Dieter Kropp daran, den Dezember mit seiner Vorstellung von weihnachtlicher Musik zu beschallen ...

kroppxmas 20131210 1610364310"Eine schöne Bescherung ..." heißt die CD von Dieter Kropp, und schon beim Anblick des Covers dürfte dem einen oder anderen Musikfreund warm ums Herz werden. Der Künstler ist auf dem Cover sitzend vor einem uralten Kofferplattenspieler abgebildet, wie ihn meine Mutter in ihrer Jugend auch hatte. Davor liegen alte Weihnachtsplatten von Heidi Brühl, Ted Herold, Gene Vincent, Brenda Lee und anderen Stars der 50er und 60er Jahre. Im Hintergrund noch der Weihnachtsbaum und fertig ist ein pfiffiges Cover, das auf jeden Fall schon mal neugierig macht. Im Booklet erzählt uns der Künstler dann auch gleich, wie es zu einem eigenen Weihnachtsalbum kommen konnte, und holt dabei sehr weit aus. In der Kindheit fängt die Geschichte an und geht über die Jugend in die heutige Zeit. Dabei erfahren wir auch, dass seine Vorliebe in Sachen Musik in eben jener Zeit liegt, die uns das Cover schon ahnen lässt: die 50er und 60er. Und so hat er die Lieder dann letztlich auch angelegt. In seiner Erinnerung an die Weihnachtszeit der Kindertage kommt eine Weihnachtsplatte vor, die die Eltern immer zu Weihnachten auflegten und die mit Glockenläuten begann. Kein Wunder also, dass auch Dieter Kropps Weihnachts-CD mit Glockenläuten beginnt. Diese treten schließlich in den Hintergrund und Kropp spielt eine Version von "Süßer die Glocken nie klingen" auf seiner Mundharmonika. Auch wenn man dabei das Bild aus einem Western mit Lagerfeuer in der Prärie nicht aus dem Kopf bekommen will, hat das Stück durchaus seinen Reiz.
So richtig ab geht's dann beim ersten Song mit Text: "Ein kleiner weißer Schneemann". Dabei handelt es sich um eine Rockabilly-Version von "Jingle Bells" mit einem Text von Werner Twardy. Twardy war ein Komponist, Texter, Produzent und Arrangeur, und schrieb u.a. auch für Roy Black und Chris Roberts. Die flott arrangierte Nummer macht gerade wegen ihres rockigen Stils und den Einsatz von Bläsern richtig gute Laune. Kropp holt die alte Zeit ins Heute und macht das gerade bei diesem Stück richtig gut!
Es folgt mit "Weißer Winterwald" ein weiterer Klassiker. Im Original "Winter Wonderland", hat das Lied einen deutschen Text von Knud Schwielow bekommen. Der Name sagt Euch nix? Mir bis heute auch nicht. Aber vielleicht kennt Ihr ja noch das Lied "Bei mir bist Du schön" - dieser stammt nämlich auch aus seiner Feder. Musikalisch ist der Song ähnlich angelegt wie das Stück davor. Wieder gibt es Bläser und feinsten 50er Rock.
Mit "Schöne Bescherung" gibt's dann auch den ersten eigenen Titel. Geschrieben und getextet wurde der Song von Mickey Meinert, der nicht nur zur Band von Dieter Kropp gehört, sondern der das Album auch produziert hat. Mit einem Augenzwinkern stellt uns der Texter einen Ungeduldigen an Heiligabend vor. Die Kerzen am Baum sind schon abgebrannt, den Abwasch vom Weihnachtsessen hat er auch schon gemacht und vom Christkind noch keine Spur. Darum will er auf der Stelle Bescherung haben. Der eine oder andere mag sich in dem Stück wiederfinden, besonders die, die in Sachen Weihnachten und Geschenke wohl nie erwachsen werden (so wie ich also). War bisher der Rock und Rockabilly angesagt, haben wir es hier mit einem waschechten Blues zu tun.
Auch der nächste Song "Frohe Weihnachten, Baby" ist ein selbstgeschriebenes Stück. Auch hier ist wieder Mickey Meinert beteiligt, aber auch Dieter Kropp hat am Song mit gefeilt. Herausgekommen ist ein Slowblues vom Feinsten mit der tragischen Geschichte, dass die Schwiegereltern zum Heiligen Abend nicht kommen können, da sie eingeschneit sind. Tragisch aber eher für die Schwiegereltern, denn der Schwiegersohn hat schon ganz konkrete Vorstellungen, wie man den Abend allein verbringen kann.
Als nächstes hören wir "Schneeflöckchen, Weißröckchen", das allseits bekannte, traditionelle Weihnachtslied. Wieder wird die Mundi ausgepackt, etwas später begegnen wir einer Steelguitar und einem Glockenspiel. Leider schaffen es Dieter Kropp und seine Musiker hier aber nicht, neue Ideen einzubringen. Vielleicht liegt es auch daran, dass dieses Lied wenig Platz für andere Ideen und den Transfer in eine andere Musikrichtung lässt. Es folgen weitere Klassiker ... "Morgen, Kinder, wird's was geben" ist der nächste, und hier riecht es plötzlich nach Pferden, Heu und Zigarrenrauch, statt nach Lebkuchen, Glühwein und Tannenbäumen. Zusammen mit Anette Gebauer, deren gesangliche Leistung mich in diesem Stück überhaupt nicht überzeugen kann, singt Dieter Kropp diesen Klassiker von Karl Gottlieb Hering, den man in eine Country-Nummer verwandelt hat. Einen Square Dance hätte ich eigentlich nicht mit Weihnachten verbunden, aber hier war man wohl der Meinung, es mal versuchen zu müssen.
Bei "Oh, Tannenbaum" hingegen ist es Dieter Kropp dann wieder sehr gut gelungen, einen traditionellen Weihnachtssong in die 50er bzw. 60er Jahre zu transferieren. Gitarre, Klavier (mit Solo!!!) und Schlagzeug. Mehr braucht es nicht und fertig ist die Rock'n Roll-Tanne!
Nach dem besinnlichen Rockschleicher "Weiße Weihnacht" (im Original "White Christmas") und dem "verträumten" Blues "Leider nur ein Traum", begegnen wir einem Song, der im Original von Götz Alsmann ist. "Der Weihnachtsumtausch" heißt er, und Dieter Kropp hat mit seiner Studioband einen Blues incl. Ragtime-Einlage des Pianisten und Mundharmonika-Solo daraus gemacht. Alsmann habe ich dieses Lied im Fernsehen eher jazzig, mit Streichern und Xylophon-Spieler arrangiert, gesehen und gehört, aber Dieter Kropp und seine Band haben dem Song erst den richtigen Drive gegeben. So macht er richtig viel Laune!
"Sonderangebote" ist ein weiterer Blues und eine weitere eigene Songkreation, die Dieter Kropp zusammen mit Felix Janosa erschaffen hat. Die Nummer, die vom Kaufrausch der Partnerin erzählt, stampft sich umgehend in die Ohren und geht da auch nicht wieder raus. Schon beim ersten Hören dieser CD blieb dieses Stück hängen und verfolgte mich anschließend durch den Tag. Aber von dieser Nummer hab ich mich gerne "stalken" lassen.
Mit "Rockin' Around The Christmas Tree" folgt ein Stück, das man wohl auf der ganzen Welt kennt, und bei dem man für meinen Geschmack - wie schon bei "Schneeflöckchen, Weißröckchen" - nicht viel Neues ins Arrangement eingebaut hat. Mit "Stille Nacht, heilige Nacht" ist dann auch schon das letzte Lied der CD erreicht, und es wird leise und besinnlich. Nur mit Gitarre und Mundharmonika und ohne Gesang verabschiedet sich Dieter Kropp von seinem kräftig in Weihnachtsstimmung versetzten Publikum.

Nun hat Dieter Kropp Weihnachten und den dazu passenden Soundtrack wirklich nicht neu erfunden, zumal auf seinem Album auch diverse Songs enthalten sind, die nicht aus seiner Feder oder der eines Bandmitglieds stammen, und die von vielen anderen Künstlern auch schon aufgenommen wurden. Aber trotzdem ist "Eine schöne Bescherung ..." ein besonderes Album. Kropp ist seinem Instinkt und seiner Vorstellung von Musik gefolgt und hat ein saisonales Album erschaffen, das man ohne Probleme mehrfach hören kann, ohne dass es einem schnell auf den Zünder gehen wird. Die CD hebt sich auch dadurch deutlich von der Masse ab, dass die darauf enthaltenen Lieder nicht nur besinnlich, sondern auch mal lustig oder mit einem Augenzwinkern versehen sind. Hier ist nix stocksteif, und auch wenn man eine Fremdkomposition umgewandelt hat, hat man sich bei der instrumentalen Umsetzung nicht zwingend an die Vorlage gehalten. Das lässt Raum für Überraschungen und einige bisher noch nicht gehörte Ideen. Dass Kropps musikalische Interessen in den 50ern und 60ern liegen, ist ein netter Nebeneffekt, denn seit den ACE CATS gab es meiner Meinung nach keine Band mehr, die Rockabilly ohne peinlich zu werden in eine andere Zeit rüberbringen konnte. Dieter Kropp geht aber noch weiter, denn auch der Blues kommt hier nicht zu kurz, und damit erreicht er schon mal zwei Zielgruppen. Die Mischung aus traditionellen Weihnachtsliedern im Retro-Sound und eigenen Liedern, die zu Weihnachten sehr gut passen, macht das Album erst richtig interessant. Sieht man mal von dem Ausreißer "Morgen, Kinder, wird's was geben" ab, ist das Album ein echtes Highlight! Ihr solltet übrigens nicht bis Weihnachten warten, sondern Euch die CD so schnell wie möglich besorgen, damit Ihr noch viel Zeit mit den Liedern verbringen und wie ich eine Menge Spaß haben könnt.
(Christian Reder)



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