coppextra 20130210 1268590242 Titel:
Interpret:
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VÖ:

Titel:

"Extrablatt"
Coppelius
F.a.M.E.
15. Februar 2013

1. Spieldose
2. Welt im Wahn
3. Reichtum
4. Bitten Danken Petitieren
5. Locked out
6. Butterblume
7. Keine Kamera
8. I´d changed everything
9. Glanz und Eleganz
10. Glaubtet Ihr?
11. Mitten ins Herz
12. Running Free
13. Geschwind
14. Maria (Bonustrack)


EXTRABLATT - NEUES VOM TRÖDELMARKT

"Extrablatt" ist bereits das fünfte Album der seit 2002 existierenden Formation COPPELIUS. Der Name ist E.T.A. Hoffmann entlehnt. Dieser verwendete ihn in mehreren seiner Werke. Die Verbindung zu seinen romantisch-gruseligen Geschichten ist tatsächlich gegeben. Auch gibt sich die Kapelle, die sehr gerne von ähnlich stilisierten Bands als Support aktiviert wird neben ihren eigenständigen Konzerten, stilecht. Sowohl auf Homepage als auch bei Live-Auftritten.

Die vorliegende CD ist nicht ganz mein Fall. Dabei finde ich sie nicht einmal schlecht, stellenweise sogar außerordentlich gut. Und ich musste lange grübeln, woran das nun liegen mag, dass sie mich nicht begeistert aufhorchen ließ. Beim dritten Mal Hören wurde mir deutlich: das Album ist mir zu beliebig. Nun ist es weder etwas Schlechtes noch etwas Ehrenrühriges, zwischen verschiedenen Stilistiken zu wandern und verschiedenes auszuprobieren, eher im Gegenteil. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, das Werk ist - im Ganzen - zu unausgeglichen und manches, was vielleicht gewollt extravagant oder besonders erscheinen sollte, funktioniert für mich einfach nicht. Immer wieder hatte ich nach dem Hören der Scheibe das Gefühl, durch einen Trödelmarkt gewandelt zu sein, um mich am Ende für gar keine der ausgestellten Waren entscheiden zu können. Haften geblieben ist mir nichts, es war ein Zuviel an Versuchen, ein Zuviel an Brüchen, ein Zuviel an Seltsamkeiten. Nun mag das wohl der Stil der Band sein, welche sich ja gern als seltsam (und dabei laut) dem Publikum offeriert, doch auf diese Weise bleibt es einfach etwas Spezielles und wohl auch einem sicher aufgeschlossenen aber spezialisierten Publikum vorbehalten. Es ist ja auch nicht einfach in diesem Genre, sich aus dem musikalischen Angebot herauszukristallisieren. Der Versuch scheint mir hier gegeben, jedoch nicht bis zur Endkonsequenz gelungen. Was ich insofern bedauerlich finde, da ich den Eindruck habe, die Herren könnten dies ... zumindest mal versuchen. Jedoch nicht in der Form sich gegenseitig selbst überbietender und übertrumpfender Angebote auf einem Trödeltisch, sondern mit einer doch eher konsequenten Stilsicherheit. So habe ich eher den Eindruck, als wären sich die Akteure uneins, und was wir nun zu hören bekommen in Form des vorliegenden Albums sind mal mehr mal weniger gut gelungene Kompromisse. Dabei stört mich gar nicht mal die stilistische Vielfalt bei den unterschiedlichen Titeln, sondern in diesen. Nun kann dies natürlich auch künstlerische Absicht sein, aber ich fühlte mich damit unbehaglich.

Unüberhörbar ist zumindest der Hang zum Heavy-Metal-Sound, aber nicht nur. Es sind größtenteils die allseits bekannten Verquickungen von HardRock und folkartigen mittelalterlichen Klängen, aber nicht nur. Oft erscheinen die musikalischen Lösungen in den einzelnen Titeln konfus, wie ein Sprachgewirr aus Tönen. Auch die Texte sind mitunter sehr gut, manchmal aber auch einfach unbeholfen. Wohl um ein antiquiertes Deutsch anzubringen, stilistisch jedoch oft unzutreffend, eher eine Kunstsprache gerierend, die sich in selbst verstelzt. Vielleicht ist das ja auch witzig gemeint, aber das kommt beim Anhören der CD dann nicht rüber. Da, wo Coppelius sich mit zeitgemäßen Themen auseinandersetzt ("Reichtum"), wirkt es nicht nur unoriginell, sondern auch noch albern. "Bitten Danken Petitieren" hebt sich da etwas heraus. Mal ein sehr gelungener Versuch vor einem aus meiner Sicht gar nicht gelungenem ("Locked out"). Der englischsprachige Titel kommt etwas daher wie ein Soundtrack oder eine Abspann-Musik jener historienverscherbelnden Hollywood-Streifen wie "Wild Wild West", welche sich absichtsvoll um die "Goldene Himbeere" bemühen. Dagegen spricht der punkige Schluss, der mich etwas an das Projekt "Der Gelbe Wahnfried" erinnerte, aber das kennt ja auch keiner mehr.

Spaß wiederum hatte ich mit der "Butterblume". Das wirkt wie eine gelungene Goethe-Parodie. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, aber da war nun mal kein lauter Sound dabei, welcher Coppelius so eigen zu sein scheint. Auch der eher im Klassik-Rock-Stil gehaltene Titel "Keine Kamera" sagte mir sehr zu, sowohl musikalisch als auch der ironische Text. Mit dem folgenden Titel ("I´d change everything") schienen sie mir die 80er streifen zu wollen, mit dem nächsten ("Glanz und Eleganz") eher die 90er. Letzteren fand ich auch sehr überzeugend.

Bei "Glaubtet Ihr?" hatte ich ein wenig den Eindruck, als hätten Text und Musik Schwierigkeiten, beieinander zu bleiben. Und moralinsaure Botschaften mag ich ohnehin nicht, wie "Glaubtet Ihr wirklich, Ihr seid ein Paar? Glücklich vereint so ganz und gar?" im Refrain und enden: "Ihr solltet besser vergessen, was einmal war. Sonst wird dies Euer Alptraum unentrinnbar." Jaha, richtig weh tun muss es wohl manchmal. Überhaupt so manche Reime, bei denen ich nicht so recht wusste, machen die jetzt Spaß oder wollen die mich jetzt auf den Arm nehmen? "Geschwind wie der Wind trinkt das Kind den Absinth." ("Geschwind"). Solche Reime haben meine Freunde und ich auf Party zelebriert und ich möchte nicht mehr wissen, in welchem Zustand wir dabei waren.

Für die Liebhaber dieses Genres ist dieses Album sicherlich ein Muß. Für alle anderen vermutlich eher verzichtbar.
(Andreas Hähle)


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