heino 20130129 1867228938 Titel:
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"Mit freundlichen Grüßen"
HEINO
Starwatch/SONY
1. Februar 2013

1. Junge
2. Haus Am See
3. Ein Kompliment
4. Augen Auf
5. Sonne
6. Gewinner
7. Liebes Lied
8. Leuchtturm
9. Vogel Der Nacht
10. Mfg
11. Kling Klang
12. Willenlos

Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich jemals eine neue HEINO-Platte rezensieren würde. Nun, sie lag im Postfach von Deutsche Mugge und will vorgestellt werden. Normalerweise - hätte er wie gewohnt über Haselnüsse und die Wanderlust gezwitschert - würde es jetzt die kürzeste Deutsche Mugge-Rezension aller Zeiten werden, nämlich nur der Satz "CD zu verschenken"... Vielleicht wäre die CD aber auch gnadenlos von uns ignoriert worden, wie in der jüngeren Vergangenheit schon die Machwerke von DAS Wendler oder DJ ÖTZI (ja, sowas kriegen wir tatsächlich zugeschickt). Aber nach all dem Medien-Theater in der letzten Woche, das diese neue HEINO-CD ausgelöst hat, kann man die Scheibe nicht unkommentiert stehen lassen.

Es ist sicher keine Übertreibung wenn man sagt, dass nahezu jeder Deutsche den Sänger HEINO kennt. Aber mögen tun ihn dann doch nicht ganz so viele. Hören will ihn hier in Deutschland - mit Ausnahme einiger Altenheimbewohner - scheinbar auch keiner. Wahrscheinlich sind die vielen Platten, die er über die Jahre verkauft hat, nahezu alle ins Ausland gegangen und die Exemplare, die man heute z.B. auf Trödelmärkten findet, waren sicher Geschenke, die man gar nicht haben wollte. Bei ihm ist es wie mit Modern Talking in den 80ern: Keiner will es gehört haben, aber trotzdem landeten die Veröffentlichungen immer ganz weit oben in den Charts. Schauen wir doch einfach mal auf die nackten Zahlen, die man z.B. bei wikipedia findet. Der semmelblonde Massen-Schunkel-Auslöser hat im Laufe der Jahre diverse Top 10-Alben veröffentlicht. Bei den Singles sind es sogar noch mehr Charterfolge, z.B. das allseits bekannte und unkaputtbare "Blau blüht der Enzian", das immerhin auf Platz 2 der Single-Charts stürmte. Seit seiner ersten LP im Jahre 1967 hat er unzählige Erfolge feiern können. Und das, obwohl ihn - wie oben ja schon festgestellt - keiner gehört haben will. HEINO hat sein Publikum und seine Erfolge, und trotzdem war und ist er immer wieder Zielscheibe für Verarschungen. Schlimmer noch: Sogar in die rechte Ecke wollten ihn einige Gutmenschen schon schieben, weil er seine Heimatverbundenheit in den Liedern nicht selten zum Ausdruck brachte, desöfteren mal auf Marschmusik zurückgriff und damit sicher auch den einen oder anderen Fehlgeleiteten erreicht hat. Es ist schon bewundernswert, wieviel er in all den Jahren eingesteckt hat und seien wir doch alle mal ehrlich: Haben wir uns nicht auch schonmal über ihn oder seine Songs lustig gemacht? Na klar haben wir das! Jetzt aber - fast 50 Jahre nach seinem ersten Erfolg als HEINO - schlägt er zurück. Und zwar gewaltig!

Dass bei seiner brandneuen CD "Mit freundlichen Grüßen" mit Berechnung und Vorsatz gearbeitet wurde, verrät schon das Cover. Allein der Albumtitel ist eine pure Provokation, wenn man sieht, was auf der Scheibe drauf ist und wen es aus der deutschen Musikszene so alles getroffen hat. Am unteren Rand zieht sich ein gelber Balken durchs Bild mit der Aufschrift "Das verbotene Album", dick unterstrichen mit drei Ausrufezeichen. Man wusste also sehrwohl, was man da macht, als man die Platte aufgenommen hat. Zumindest aber rechnete man mit Gegenwind einiger der hier "bedachten" Acts. Aber was ist denn nun drauf auf der CD? Gleich als erstes singt HEINO das von den Ärzten im Jahre 2007 veröffentlichte "Junge". Das Original ist ein knackiger Rocksong - HEINO hat daraus einen Schlager mit weiblichem Trallalla-Chor im Hintergrund gemacht. Die harten Gitarren sind weg, dafür pustet ein Bläsersatz munter die Melodien und den Refrain. Es folgen "Haus am See" von dem - für meinen Geschmack - völlig überbewerteten Peter Fox und von der etwas besseren Schulband (was die Qualität ihrer Musik betrifft) SPORTFREUNDE STILLER gibt's "Ein Kompliment". Auch Songs von OOMPH und RAMMSTEIN als Vertreter der Neuen Deutschen Härte, sowie Songs von Clueso und den Fantastischen Vier als Vertreter der Hip Hop Fraktion finden sich auf HEINOS neuer Scheibe wieder. Außerdem Klassiker von KEIMZEIT, NENA, STEPHAN REMMLER und WESTERNHAGEN. Es ging ein Aufschrei durch die deutsche Musiklandschaft. Einige der Originalkünstler sind offenbar ziemlich angefressen ob ihrer Präsenz auf HEINOs neuer CD und darüber, dass sie vorher wohl nicht gefragt worden sind. Es soll sogar Drohungen gegeben haben. Ich glaube sie würden, wenn sie könnten, dem Heino die Ohren lang ziehen und ihre Rechtsabteilung mit einem Klage-Auftrag in die Spur schicken, hätte sich der Café Betreiber und Volksmusik-Barde aus Bad Münster Eifel nicht strikt an die Texte und die Kompositionen der Originalsongs gehalten. Etwas entspannter sehen es aber professionell arbeitende und denkende Musiker wie z.B. Westernhagen oder Norbert Leisegang von KEIMZEIT. Letztgenannter freut sich sogar über die Neuinterpretation des Klassikers "Kling Klang". Gegenüber der Märkischen Allgemeinen sagte er, "Es spricht für das Lied, wenn es gefällt und immer wieder funktioniert". Außerdem freue er sich darüber, dass dieses Lied jetzt wohl auch einer ganz neuen Hörerschaft zu Ohren kommen wird. Recht hat er, und es zeugt von Größe, sowas gelassen zu sehen. Da müssen einige der anderen Herrschaften trotz jahrelanger Erfolge wohl noch dazu lernen.

Musikalisch bietet uns HEINO natürlich das, wofür er bekannt ist. Neben der einen oder anderen E-Gitarre ist aber hauptsächlich das Blasorchester vordergründig eingesetzt. Besonders witzig wirkt das z.B. bei OOMPHs "Augen auf" und RAMMSTEINs "Sonne". Volksmusik meets Neue Deutsche Härte. Wer hätte gedacht, dass das mal einer verbindet. Es lebe das Crossover. Gesanglich vorgetragen sind alle Stücke natürlich in HEINO-typischem Stil. Es gibt durchaus Stücke, die er respektvoll neu eingespielt hat (offiziell wird er das sicher bei jedem Stück getan haben). So zumindest empfinde ich es bei Stephan Remmlers "Vogel der Nacht", Keimzeits "Kling Klang" und Westernhagens "Willenlos". Diesen Nummern nimmt man es tatsächlich ab, dass HEINO sie aus echter Überzeugung neu aufgenommen hat. Der Rest wirkt tatsächlich als reine Provokation - insbesondere auch durch ihr Arrangement. Mehr noch: sie dienen dazu, ihn wieder ganz weit oben in die Charts zu bringen. Nichts verkauft sich besser als ein Skandal. HEINO hat mit seiner Liedauswahl wohl fast alle erwischt, die man auf einem solchen "Konzept-Album" mit drauf haben sollte. Einzig eine Düsseldorfer Band, die mit ein und demselben Lied (nur mit anderen Texten versehen) seit 30 Jahren rumnerven, und die in den 80ern mit dem "einzig wahren Heino" ein Double im Vorprogramm hatten (bis sich dieser nicht mehr HEINO nennen durfte), fehlt auf dieser CD leider. Die hätten sich sicher auch "gefreut" und ich hätte es ihnen von Herzen gegönnt... Aber vielleicht ist gerade bei denen das Ignorieren die beste Antwort auf diverse Frechheiten oder ihre recht einfach gestrickten Nummern ließen sich nicht für den Bläsersatz umarbeiten (Der Autor grinst breit)...

Fazit: Die CD ist keine, die man als Rockmusik-Fan freiwillig mehr als einmal hören würde - wenn überhaupt. Die Provokation aber ist schon jetzt aufgegangen. HEINO war in den letzten Tagen so oft in den Medien vertreten wie schon lange nicht mehr. Selbst Nachrichtensendungen berichteten über sein neues Album und das, was darauf zu hören ist. Das wird sich ganz sicher auf die Verkaufszahlen auswirken. Besser jedenfalls als der seltsam anmutende Versuch eines Matthias Reim, Ostrocksongs neu zu interpretieren. Da kriegt man nicht nur Pocken um die Ohren, sondern fragt sich auch, was dieser plumpe Versuch soll und wem das wohl eingefallen ist...
Wie oben schon erwähnt gibt es auf der HEINO CD ein paar Songs, die man guten Gewissens auf einer Party spielen kann. Ich bin ganz ehrlich: Mein Fall ist es nicht, aber mich würden auch keine 10 Pferde auf eine Ballermann- oder Apres Ski-Party kriegen. Und da wird die CD ganz sicher zum Einsatz kommen. Trotzdem ziehe ich den Hut vor der Idee und vor allem vor der Umsetzung. Besonders freut es mich für den einen oder anderen "Superstar"/"Superband" der deutschen Musiklandschaft, der/die hier "mit freundlichen Grüßen" in Form einer Coverversion eines seiner/ihrer Songs bedacht wurden. Insbesondere freut es mich besonders für all die, die gerade so herrlich unentspannt auf diese Scheibe reagieren und ob der für HEINO sicheren Rechtslage nicht gegen sein Album vorgehen können. Schön, wenn ein Boomerang mal zurückkommt und auch richtig trifft!
(Christian Reder)


Song-Ausschnitte:
...solange sie die GEMA bei Youtube stehen lässt
 
 
 

   
   
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