selig-magma 20130118 1354206547 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:

"Magma"
Selig
Vertigo (Universal)
01. Februar 2013

1. Ich lüge nie
2. Alles auf einmal
3. Sie scheint
4. Schwester Schwermut
5. Der Tag wird kommen
6. Danke
7. Wenn ich an Dich denke
8. 433
9. Love & Peace
10. Zeit
11. Bring mich heim
12. Magma

Erscheint neben der Standard-Version außerdem
als Limited Deluxe Edition mit DVD (incl. "Tour-Dokumentation"),
sowie als Vinyl-Auflage

Eine Meinung der Redaktion:
Kaum eine Band löst derzeit so viele Diskussionen um ihr neues Album aus wie SELIG. Na gut, der niemals alternde Enzian-Besinger und Verärgerer diverser einheimischer Rock- und Pop-Bands, HEINO, toppt das Ganze für die nächsten Tage sicher noch. Doch wenn es um ernstzunehmende Musik geht, dürfte die Hamburger Band rund um ihren charismatischen Sänger JAN PLEWKA derzeit kaum Konkurrenz finden.

Anfang der Neunziger traten sie an, um den Grunge-Rock in Deutschland salonfähig zu machen. Das gelang ihnen auch wirklich prächtig, und nicht nur ich bin damals am Morgen mit SELIG-Musik aufgestanden und abends wieder mit ihr ins Bett gegangen. Titel wie "Sie hat geschrien", "Ist es wichtig" oder auch die Hammerballade "Ohne mich" waren unbestritten Meilensteine der deutschen Rockmusik in den Neunzigern. Die SELIGkeit reichte leider nur für drei Alben, dann war Schluss, die Band zerbrach an ihren Ansprüchen, vor allem aber an den Verlockungen und Unwägbarkeiten, die Erfolg und Ruhm so mit sich bringen. Neun Jahre später dann geschah das nicht für möglich gehaltene: die vier Zerstrittenen fanden wieder zueinander und warfen 2009 mit "Und endlich unendlich" ein richtig starkes Comeback-Album unter die Leute, was immerhin bis auf Platz 5 der deutschen CD-Charts krabbelte. Das Erstaunliche daran war: es klang, als wären sie nie weg gewesen, was ein weiteres Jahr später mit dem nächsten Album "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" untermauert wurde. SELIG waren endgültig wieder da. Auf diesen beiden Platten wurde viel Vergangenheitsbewältigung betrieben, was aber der Beliebtheit der Band keinerlei Schaden zufügte.

Zwei weitere Jahre sollten vergehen, ehe dieser Tage ihr drittes Album in der SELIG-Neuzeit erschien, insgesamt ihr sechstes. Im Gegenzug zu den beiden Vorgänger-Platten wollte man sich diesmal nicht den Stress antun, alles eigenverantwortlich aufzunehmen, suchte sich stattdessen einen Produzenten. Man fand ihn auch. Sogar einen mit großem Namen. STEVE POWER heißt der Mann, der auch gerne mal als der "Rick Rubin von Europa" bezeichnet wird. Seine Referenzen verweisen u.a. auf Produktionen mit BLUR und ROBBIE WILLIAMS. Gemeinsam mit ihm verkroch man sich in die englische Pampa, und zwar in ein 120 Seelen-Dorf ohne Pub, wo man in einer zum Studio umgebauten alten Kirche vier Wochen in totaler Abgeschiedenheit zubrachte und das Album aufnahm.

Laut SELIG ist man mit sich selber inzwischen im Reinen, so dass diesmal der Blick nach vorne gerichtet werden kann. Man darf also gespannt sein, inwieweit die Band diese Art Befreiung von Altlasten in innovatives, frisches Songwriting umsetzt. Zunächst nickt der Hörer zufrieden, denn "Ich lüge nie" beginnt so, wie man es von einem CD-Opener erwartet: eine eingängige Melodie, die von einem einfachen, aber dennoch griffigen und im Ohr bleibenden Gitarrenriff begleitet wird. Allerdings wage ich mal zu behaupten, dass JAN PLEWKA uns was vorflunkert, wenn er singt:

"Ich lüge nie, und hab noch nie gelogen. Ich werd' auch niemals lügen, nein ich lüge nie".

Sofort fühlt man sich wieder mittendrin in der SELIG-Welt, im vertrauten Soundgebilde. Es ist erstaunlich, wie das funktioniert. Nach diesem gelungenen Einstieg hofft man, dass die GlückSELIGkeit anhält. Die erste Singleauskopplung "Alles auf einmal" startet zu den Klängen einer Kirchenorgel und einem staubtrockenen Schlagzeug, die Beine beginnen automatisch zu zucken (siehe auch das Video am Ende dieser Seite). PLEWKA singt von den Zwängen, die entstehen, wenn einen der Spagat zwischen Arbeit und Freizeit umhaut, wenn man nur umherhetzt und keine Zeit mehr hat auch mal abzuschalten und den Akku wieder aufzuladen:

"Wo auch immer du mich aufsuchst, ständig stetig ruft der Aufbruch in mir. Kann nicht essen, kann nicht schlafen vom beeilen und nicht warten vom zuviel... Wo bleibt die Zeit zu verweilen und zufrieden zu sein...die Wände stürzen ein."

Wohin das führt, haben die Jungs von SELIG nach ihrem dritten Album "Blender" 1997 selbst erleben müssen. Im Refrain verweisen sie deshalb mit eindringlichen Worten auf diese Zeit, auf den k.o.-Zustand, dem sie damals unterlagen:

"Bitte, bitte nicht alles auf einmal. Ich verliere meine Mitte, und das hatten wir schon mal. Ein Leben im Überflug, mit Leichtsinn und Selbstbetrug, nie genug..."

Der Song ist der reinste Ohrwurm und hat Hitpotential, vielleicht gerade wegen seiner Einfachheit. Und schon knallt der dritte Song aus den Boxen, diesmal im altbekannten, von mir geliebten Grunge-Rhythmus. "Sie scheint" könnte auch durchaus auf einem der ersten beiden SELIG-Alben aus den Neunzigern drauf sein, ohne deshalb altbacken oder langweilig zu wirken.

Scheint bis hierher alles darauf hinzudeuten, dass SELIG mit "Magma" erneut ein großer Wurf gelungen ist, beginnt nun die große "Ja, aber..."-Zeit. "Schwester Schwermut" ist eigentlich eine großartige Midtempo-Halbballade, die in der typischen bildhaften Sprache betextet wurde, die PLEWKA-Songs seit jeher zu eigen ist und auszeichnet. Und es wäre ja auch nichts dagegen einzuwenden, wenn danach wieder die gewohnte SELIG-Power Einzug halten würde. Doch leider verlieren sich die nachfolgenden Nummern mehr und mehr in seichtem Popgeplänkel. Es fehlt der Biss, das Feuer der vorherigen Platten. Vielleicht lag es an der ländlichen Idylle, in der die Scheibe produziert wurde, dass hier alle Ecken und Kanten weggebügelt wurden - ich weiß es nicht. Klar, hier und da klingelt uns Christian Neanders Gitarre mal wach, wie z.B. beim geilen Intro zu "Love & Peace", doch insgesamt ist das einfach zu wenig, um meine Begehrlichkeiten zu erfüllen. Den negativen Höhepunkt stellt der Liebeskummer-Schmachter "Wenn ich an dich denke" dar. Eine butterweiche Melodie, die schon fast Schlagerniveau erreicht, wenn man die Gitarre gegen etwas mehr Keyboardsound tauschen würde. Dazu die sanft schnurrende Stimme von JAN PLEWKA - nein, das geht gar nicht. Jedenfalls nicht, wenn SELIG auf der Verpackung steht. Mit "Zeit" verhält es sich nicht viel anders, da tropft es förmlich aus dem CD-Player. Einzig beim vorletzten Song "Bring mich heim" horche ich nochmals auf, denn das sind die SELIG-Grooves, die wir Fans lieben.

Insgesamt ist "Magma" zwar keine komplette Enttäuschung, doch es fällt gegenüber "Und endlich unendlich" wie auch "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" deutlich ab. Klar, die Grundstimmung ist hier positiver, wie man es uns ja vorher versprach. Aber SELIG kratzen nicht mehr wie gewohnt, die Wut vergangener Tage fehlt. Sie sind ruhiger geworden, es brodelt längst nicht so, wie der CD-Titel "Magma" es hoffen lässt. Natürlich waren SELIG nie eine knallharte Rockband, aber sie hoben sich im Alternative-/Indie-Sektor doch deutlich von allen anderen Bands ab. Dieser Vorsprung schmilzt. Das ist um so bedauerlicher, wenn man sieht, dass die Lyrics nach wie vor von ausgezeichneter, tiefgründiger Qualität sind. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass man sich in "Love & Peace" auch mal politisch angehauchten Themen widmet.

Mir bleibt jetzt die Hoffnung, dass SELIG sich auf ihrer in Kürze beginnenden Tour wenigstens als Liveband den hier etwas verlorengegangenen Kredit zurück erspielen. Ja, ich bin sogar fest davon überzeugt, dass es gelingt, ebenso wie von der Tatsache, dass das nächste Album wieder zurück in gewohnte, rauere SELIG-Gewässer führen wird.
(Torsten Meyer)


Eine Lesermeinung:
Wer im November des vergangenen Jahres auf der "In bed with Selig" Clubtour war, konnte sich schon von dem Sound der 12 neuen Songs vom Magma Album berieseln lassen. Das Album kommt pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Band und hat lyrisch anspruchsvolle, frische sowie auch herzergreifende Lieder mit an Bord.
Der Titel "Love & Peace" beschreibt die gesellschaftliche und politische Entwicklung der letzten 30 Jahre. Im Refrain heisst es: "Wenn du die Welt nicht verändern kannst, verändere dich selbst. Wenn du dich selbst nicht verändern kannst, verändere die Welt." Diesen Titel kann sich jeder als Freetrack per Download auf www.selig.eu. herunterladen.
Aufgenommen hat die Band ihr bereits sechstes Album im Sommer 2012 in den East Midlands in England. Selig hatten die zwei Vorgängeralben selbst produziert und wollten diesmal wieder mit einem Produzenten zusammen arbeiten. Dabei stießen sie auf Steve Power, der bereits mit Blur und Robbie Williams Erfolge verzeichnen konnte.
Die erste Single "Alles auf einmal" ist ein biografischer, persönlicher Song. Der Refrain "Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte nicht alles auf einmal. Ich verliere meine Mitte und das hatten wir schon mal. Ein Leben im Überflug, mit Leichtsinn und Selbstbetrug. Nie genug, nie genug" beschreibt deutlich, wie Sänger Jan Plewka in den 90ern beinahe am Ruhm zerbrochen wäre.
"Schwester Schwermut" stimmt eher ruhigere Klänge an, "Ich lüge nie" und "Sie scheint" sind durch ihren Text und ihre Melodie echte Ohrwürmer. Auf "Magma" sind zwar alle Songs im gewohnten Selig-Sound, allerdings hebt sich die Platte eindeutig von seinen Vorgängeralben ab, da bei vielen Songs eher seichtere Töne angestimmt werden. Magma is coming und gehört eindeutig in euren CD-Player!
(Christina Angrabeit)

SELIG gehen im Frühling 2013 auf Tour:

MAGMA Tour:
13.03. Wien - Arena
14.03. Leipzig - Anker
15.03. Rostock - Moya
17.03. Frankfurt - Gibson
18.03. Stuttgart - LKA-Longhorn
19.03. Freiburg - Jazzhaus
20.03. Bielefeld - Ringlokschuppen
22.03. Berlin - Columbiahalle
23.03. München - Backstage Werk
24.03. Köln - LMH
26.03. Hamburg - Docks
27.03. Hamburg - Docks
03.04. Dortmund - FZW
04.04. Mannheim - Alte Feuerwache
05.04. Bremen - Aladin
07.04. Hannover - Capitol


Videoclip:

 


   
   
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