fw-aaa 20130113 1250021268 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:

"Alles auf Anfang"
Friedrich & Wiesenhütter
Eigenverlag
Januar 2013

1. köpenick
2. das leben ist schön
3. dreamland (Instrumental)
4. ich liebe dich 1
5. days of autumn (Instrumental)
6. wenn man kentert
7. etüde nr. 01 (Instrumental)
8. politiker
9. etüde nr. 02 (Instrumental)
10. so schön wie hier
11. un otro tango (Instrumental)
12. fabian
13. es gibt tage
14. harvest (Instrumental)
15. ich liebe dich 2

 

DAS GANZ NORMALE LEBEN
2012 feierte ein neues Duo mit gestandenen Musikern ihre Live-Premiere. Und im selben Jahr erschien bereits ihre erste CD. Wie viele Jahre Arbeit in dem Material zugrunde liegen, vermag ich nicht zu ermessen. Die Qualität der Titel, sowohl der instrumentalen Titel als auch der Lieder, spricht sehr für eine längere Schaffensphase und vor allem dafür, dass sich hier zwei überaus exzellente Musiker getroffen haben, und zwar in wohltuender Harmonie und alles klingt so, als hätten sie schon Jahrzehnte miteinander gearbeitet: Friedrich & Wiesenhütter. Dass die Musiker nicht aus dem Nichts kommen, hört man das gesamte Album hindurch. Für die beiden scheint es dennoch ein Neuanfang zu sein, wie der Titel des Werkes verrät: "Alles auf Anfang".

Wir hören konzertante Gitarrenmusik, mal instrumental, mal betextet und mit einer sehr angenehmen Stimme besungen. Es lässt sich aus dem Cover nicht erschließen, wer wer ist, aber das ist eigentlich auch egal. Man kann das ja live überprüfen, denn auf deren Homepage sind einige Konzert-Termine zu verzeichnen. Sie sind es ja ohnehin beide und überraschen beide mit virtuosem Spiel und intelligenten Texten, die hauptsächlich ein Thema haben: Das ganz normale Leben. Und damit ist schon Vielseitigkeit in den Themen gegeben. Ein bisschen ist das Duo eben Berlin, wo sie herkommen, ein bißchen ganz Deutschland. Nicht ausgeflippt, eher ganz nahe am Menschlichsein. Es sind Lieder, die Geschichten sind, Lebensbeschreibungen, Zustandsbeschreibungen. Dass sie autobiographische Züge tragen, lässt sich bei einigen Titeln vermuten. Hier darf man sich zurücklehnen und etwas machen, was wohl eine Seltenheit geworden ist: Ganz in Ruhe zuhören. Die Lieder werden erzählt, sind teilweise Erzählungen. Hör-Musik im allumfassenden Sinn. So ein bisschen manchmal auch wie aus einer Vorstadt-Idylle.

So beim Auftakt-Titel, der uns den weitläufigen und vielschichtigen Berliner Stadt-Teil "köpenick" vorstellt, mit sehr vielen seiner Facetten (alle kriegt man in einem einzigen Lied sowieso nicht unter, egal wie lang es wird). Eine reine Liebeserklärung. Die ich so als Wahl-Köpenicker nur unterschreiben kann.

Weniger den nächsten Titel "das leben ist schön". Einfach weil ich kein Angler bin. Aber für die ist dieses Lied gemacht. Eine Angler-Hymne. Was ebenfalls zu Köpenick passt. Hier wimmelt es von Anglern und Freizeit-Bootsfahrern.

Eine richtige Liebeserklärung, die an eine Frau, darf natürlich auch nicht fehlen. Auch diese können sicher sehr viele unterschreiben, welche ganz viele Jahre in Liebe - und allem, was dazu gehört - mit ein und demselben Menschen verbringen durften. Ein Text, der mehr ist als die Erklärung einer Liebe, es ist eben auch eine umfassende Lebensbeschreibung: "die jahre haben uns verändert / bald sind wir ein graues liebespaar / die liebe ist heut viel tiefer / als sie es gestern war ..."

"wenn man kentert" ist eines von drei meiner liebsten Lieder auf diesem Album: "wie schön es an land ist weiß man immer erst / wenn man kentert auf hoher see ...". Die Texte machen auf mich, mit einigen Ausnahmen, wie schon geschrieben einen oft sehr privat gehaltenen Eindruck. (Auch "ich liebe dich 1 und 2", "fabian" - ein Lied von einem Vater an seinen Sohn). Und doch schließen sie die Umwelt, das Umfeld, das Gesellschaftliche mit ein. Immer. Alles hat miteinander zu tun, alles geht fließend ineinander über. Fließend ist auch immer die Musik dazu. Und fließend sind auch die reinen Gitarrenstücke auf dieser CD. Klein-Venedig als Album, endlich mit musikalischem Denkmal, Lebensgefühl beschreibend. Heimat ist immer gemeint, so empfinde ich es. In jedem Stück. Aber eben auch wir alle sind gemeint. Und können uns wieder erkennen in diesen Geschichten, in dieser Musik.

Das Mittel der Satire - wie überhaupt den feinen Humor - ist den beiden ebenso wenig fremd ("politiker") wie die genaue Betrachtung alltäglicher menschlicher Verhaltensweisen. Manchmal drehen sie auch unter der Fahne des Optimismus die Perspektive auf das ganz normale Leben, das ja auch immer der ganz normale Irrsinn ist ("so schön wie hier", ein weiteres meiner mir lieb gewordenen Lieder auf diesem Album): "brauch keine flügel überm kopf und kein schein / so schön wie hier kanns im himmel gar nicht sein".

Egal, was sie spielen und worüber sie singen, man bekommt beim Hören dieser Lieder tatsächlich gute Laune. Auch nach dem sehr tiefsinnigen "es gibt tage": "hab meine leichtigkeit verloren / hat alles suchen nichts genützt / war zu unbedacht hab sie nicht genug beschützt". Noch ein Titel, welchen ich sehr mag. Ein Text, den man sich, mit der Musik natürlich, öfter mal zu Gemüte führen sollte. Es wird immer mal wieder etwas Neues in ihm zu entdecken und durch ihn zu erkennen sein.

Ein gelungenes Debüt-Album, das sich gar nicht wie ein Debüt anhört. Wir werden sicherlich noch sehr viel hören dürfen von Friedrich & Wiesenhütter aus Berlin (Köpenick).
(Andreas Hähle)

 


   
   
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