Titel:
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VÖ:
Titel:
"Further"
Footsteps
Eigenvertrieb
16. März 2012
1. State Of Sun
2. Come Rain Or Shine
3. Trapped In The Blues
4. Wasteland
5. You Better Watch Out
6. Thin Line
7. Words Of Farewell
8. Strong Breeze
9. High Rise
10. Space Girl
11. Sweet Love’s Gone
12. Why Can’t My Baby
13. Footloose
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Wenn jemand gern mal von damals schwärmt, sich erinnert und ausspricht, wie schön es doch damals war, vor allem, was die Musik betrifft, dann ist man schnell auch geneigt, ihn "einen von gestern" zu nennen. Das war eben damals und heute wäre das ja alles ganz anders, moderner eben. Man solle nicht immer zurück sehen, sondern sich nach vorn orientieren. Dennoch, ich bin einer aus der "Spezies von gestern", vorgestern möglicherweise, und ich mag noch immer die Klänge aus "Electric Ladyland", "Disraeli Gears", "Space In Time" und ich höre gern die alte Polen-LP von GUN, obwohl ich längst das Original der Curvitz-Brüder habe. Manchmal passiert sogar das kleine Wunder, dass man mit den Ohren im Heute lauscht und dennoch die Orientierung rückwärts scheint, obwohl ...
 
Nun halte ich - einem Zufall sei Dank - die kleine CD-Schachtel einer jungen Band namens FOOTSTEPS in den Händen und im Player läuft "Further", die ich dem kleinen Schatzkästchen entnommen habe. Es ist kaum zu glauben, aber diese CD erinnert mich derartig heftig an meine Jugendjahre, dass ich für einen Moment an so etwas wie die Wiederauferstehung geglaubt habe. Doch diese drei jungen Musiker sind von jetzt und hier und "Further" gerade mal eine reichliche Woche jung!
 
Heavy und trocken startet die Scheibe mit "State Of Sun" und einem Sound, der gar nicht erst versucht, die Vorbilder zu leugnen. Die Gitarre straight ahead, stampfend und schwer die Kombination aus Bass und Drums, und wie bei den alten Vorbildern, stampft das Teil nicht durchweg, sondern es gibt einen überraschenden Break und das Staunen ist da. Was für ein Einstieg! Noch eine Zacken schärfer wird es dann bei "Come Rain Or Shine", denn hier darf sich die Gastgitarre von "Pitti" PIATKOWSKI mal auf neuen Material fantasievoll austoben, statt immer nur dem "Sonnenschein der Liebe" nachzuklampfen. Bei dieser Kombination merkt man, wie wohl sich die "alte" Gitarre fühlt, sich austoben zu dürfen, ohne das Klangbild der drei Jünglinge auch nur ansatzweise zu verändern, denn hier spielen zwei gleichwertige Gitarristen mit brandneuen Noten. Der eine ist mit Cream und Hendrix aufgewachsen und der Jüngere hat das wahrscheinlich von der Elterngeneration als Abendlektüre statt Sandmann bekommen.
 
Darauf deutet auch der Text des nächsten Songs hin: "Kein Doktor kann meinen Schmerz heilen, bin im Blues versunken - wieder mal". Diese stampfende Boogie & Woogie-Nummer ist so simpel wie perfekt eingespielt, dass man sich wünschen möchte, das Ding da möge so schnell nicht aufhören. Es ist einfach nur beeindruckend, wie die Gitarre von Bass und Drums getragen wird und darüber der Gesang von "Trapped In The Bues" glüht. Klasse! Und dann glaubt man seinen Ohren nicht zu trauen, ist das nicht? Nein, ist es nicht, aber das Riff von olle Blackmore so gekonnt aufzulösen und daraus einen trockenen Blues zu zaubern, ist schon frech und großartig. "Wasteland" entwickelt den gleichen heißen Drive und lässt die Gitarre stöhnen und glutvoll aufjaulen. Spätestens hier hat man vergessen, dass dieser Blues an der Elbe von Torgau eingespielt wurde und die Gitarre nicht die eines Lenny Kravitz oder Joe Gooch ist. Und "You Better Watch Out" macht da einfach so weiter. Wo anderen vielleicht der Dampf ausgegangen wäre, wird hier weiter kraft- und glutvoll eingeheizt. Ideenreich und in sich vertrackt stampft die Rhythmussektion durch den Boogie und die Gitarre tanzt darüber ihr rockendes Lied gemeinsam mit der Stimme von LUCAS FLIEGE. Boogie & Blues pur windet sich auch durch "Thin Line" und auch hier überrascht die Band mit Breaks und vielen Feinheiten. Für mich eine der Perlen der Scheibe.
"Words Of Farewell" ist ein träumerischer Blues, der in Ruhe ausklingt und aus dieser Ruhe schält sich schwungvoll "Strong Breeze" heraus. Hier kann ein alter Hendrix-Fans ins Schwärmen geraten und seinen Erinnerungen nachhängen, um danach mit "High Rise" und "Space Girl" auf eine vertrackte Bluesrockreise mitgenommen zu werden. Immer mal wieder klingen Fetzen durch, die an Ten Years After oder Grand Funk Railroad zu erinnern scheinen, aber sich nie darauf ausruhen. Erstaunlich, wie reif mit den Klanganleihen an die alten Heroen umgegangen wird. Auf einem weichen Orgelteppich gleitet die Blues-Ballade "Sweet Love's Gone" dahin, zum Dahinschmelzen dezent gemacht und dies für meinen Geschmack genau an der richtigen Stelle. Nach so viel Gitarrenpower ist der Klang einer Orgel ein luftiger Farbtupfer im Klang, aus dem heraus sich dann wieder druckvolles Gitarrenspiel schält.
Bei "Why Can't My Baby" lassen es die Drei mit ihren beiden Gästen STEFAN GRAF (Slide-Guitar) und MAX NEUHAUS (Blues-Harp) noch mal richtig krachen. Beide, dem Blues zugetan, toben sich hier gemeinsam aus und verleihen der Nummer einen rotzigen Groove, der unweigerlich in die Beine und den Bauch geht, denn auch hier lugen alte Meister durch die Ritzen und es tönt nach "Hitze in Dosen", vom Blues durchtränkt und äußerst frisch anzuhören. Genau so klingt die Scheibe mit "Footloose" aus. FIEGE lässt seiner Gitarre noch einmal freien Lauf und hält die Zügel locker.
 
An dieser Stelle muss darauf verwiesen footsteps2 20121020 1954781969werden, dass dieser LUCAS FIEGE an der Gitarre und seine beiden FOOTSTEPS am Bass, HENDRIK HERDER, und hinter der Schießbude, MARTIN GEBHARDT, gerade mal die 21 erreicht haben und dennoch so spielen, als würden sie schon seit 20 Jahren mit nichts anderen als Blues, Boogie und Rock'n'Roll leben, mit Haut und Haar, in dieser Musik versunken und dennoch mit einer Power und voller Ideen, dass einem beim Zuhören schwindlig werden kann, so furztrocken, satt im Sound und berauschend druckvoll presst sich das Material in die Ohren. Mir scheint es nicht notwendig, den am Blues orientierten Gesang von Gitarrist LUCAS FIEGE hervor zu heben, denn eigentlich bekommt man das Gefühl, dass der junge Mann seine Stimme einsetzt, um das Klangbild zu vervollständigen, weniger um Geschichten zu erzählen, zumal sie englisch daher kommen und genau zu dieser Art Musik passt, wenn auch, wie bei der Beschreibung des Konzertes in der Torgauer Kulturbastion schon mal bemerkt (siehe demnächst hier), der Stimme das gewisse Timbre fehlt, aber FIEGE's Wurzeln sind nun mal sächsisch und Torgau liegt an der Elbe und nicht am Mississippi.
 
Das könnte auch die einzige Frage sein, die sich einem beim Hören vielleicht stellen könnte. Jedoch, wer so hartnäckig die klanglichen Facetten und Inspirationen zwischen Experience und Cream sucht und seine Spielweise daran ausrichtet, muss wohl, will er konsequent sein, das in der Sprache seiner Helden (vorerst) tun (können). So hat's ja schließlich mal angefangen, obwohl mir scheint, dass die Band FOOTSTEPS die Phase des Ausprobierens schon eine Weile hinter sich gelassen hat und eher auf dem besten Wege ist, ihr ganz und gar eigenes Profil zu finden und auch ihre eigenen FUSSABDRÜCKE dabei zu hinterlassen. Alles weitere wird sich in der Zukunft zeigen und so verstehe ich auch den Titel der CD - "Further" - meint "vorläufig" oder "bis auf weiteres". Man muss nur etwas Zeit mitbringen, warten, die Musik ausklingen lassen .... bis der pure Blues bleibt. Diese Zeit, Ruhe und innere Offenheit sollte auch der Hörer der CD mitbringen und zwar bis zum aller, allerletzten Ton einer akustischen Gitarre. Denn genau auch bis dahin bleibt sich die Band und ihrem Verständnis von Blues treu. Super, meint ein "alter Sack" von gestern aus vollem Herzen!
(Hartmut Helms)
 

 
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