Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:
Titel:
"Aelida"
Michael Lenhardt
MEDI-Records
März 2012
1. Aelida
2. Die Reise
3. In The Morning
4. Straight Alley
5. Sinderella
6. Sail Away
7. Santa Maria
8. Down By The River
9. Night Flight
10. Melissa
11. Nachtfalter
12. Kaufland
13. Die Lerche
14. Fluss Bier Sonne
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Der Maler Michael Lenhardt hat eine CD eingespielt. So könnte man beginnen. Und es ist nicht der erste Maler, welcher Musik macht oder Musiker, der auch malt. Mit VOLKMANN und Peter Butschke ist ebenfalls in diesen Tagen ein Album eines Künstlers erschienen, welcher seine künstlerischen Ambitionen auch in der Malerei verwirklicht.
 
Bei Michael Lenhardt hängt dies unmittelbar zusammen, zumindest vermittelt sich der Eindruck. Denn das Booklet der CD "Aelida" des Künstlers Michael Lenhardt ist voller Abdrucke der Bilder und wenn man diese betrachtet, während man sich dessen CD anhört, ist den Assoziationen freie Bahn gegeben. Es gibt dafür keine Zuordnung, man kann dies immer ändern und so die Weltenbilder in Ton und Farbe zu verschiedenen Assoziationen und Interpretationen, auch je nach Tagesform, zusammenfügen oder sich ohne Booklet der Musik ergeben und seine eigenen Kopfbilder malen. Dafür ist die Musik auf der CD sehr gut geeignet.
 
Die Musiken, 14 Stücke an der Zahl, geben diesen Raum und geben diese Freiheit. Fern jeder Schublade ist es "einfach" Musik, die innerhalb eines Titels in ganz verschiedene Welten zu entführen vermag. So sind auch oft genug ganz verschiedene Welten in einem Titel vereint, absichtsvoll, ohne Schublade und vorgegebene musikalische und Denkschablonen.
 
Michael Lenhardt, so verrät uns der Pressetext im Booklet, war mit 22 Jahren Gründungsmitglied von BAYON und hat in dieser weltmusikalischen hochkünstlerischen Formation die Gitarre gespielt. Und ein großartiger Gitarrenvirtuose ist er zweifellos. Er präsentiert uns auf seinem neuen Album "Aelida" eben jene Weltmusik, obwohl sie das andererseits auch wieder nicht ist, weil eben alle Schubladen offen stehen und so eine großartige musikalische und gedankliche Freiheit ermöglicht wird beim Zuhören. Jedoch ist nicht jede Art von Musik in dieser Vielseitigkeit und Vielsaitigkeit Weltmusik?
 
Die meisten Stücke sind instrumentale Stücke, auch dort empfand ich es so, wo Michael Lenhardt seine Stimme als Instrument einsetzte, ob nun vermittels Vokalisen oder mit - meist absurdem - Text. Ein Stilmittel, die Message liegt alleinig in der Musik und die wiederum lädt ein zum Sich Treibenlassen, in eben die assoziierten Welten oder durch die eigenen Gedankenbilder.
 
Michael Lenhardt nimmt uns mit auf eine Reise. Das Ziel bestimmen wir. Es ist sowohl eine Entdeckungsreise als auch eine Erholungsreise. Hier schimmert mal ein Stück Afrika durch, da ein Südstaaten-Blues, dann wird es mal folkig, während aus der anderen Ecke schmunzelnd ein asiatisches Element herüberwinkt. Alles in einem Stück, wenn es drauf ankommt. Wir können gar nicht "festgelegt" werden. Und wo wir in der Musik dann doch stilistische Klarheit zu erkennen glauben, bricht er diese Erkenntnis mit seinem Gesang. Und weiter reisen wir hörend. Da wird uns mal jamaikanisch zumute, obwohl gar kein Reggae gespielt wird. Das Wetter gibt es uns mittlerweile vor. Wir können uns auf den Balkon legen oder auf den Rasen, uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und diese - auf neudeutsch - Chill-Out-Musik hören und genießen, die - wiederum außerhalb jeder Schublade - ohne jedwede elektronischen Beats und anderen Spielereien auskommt. Sie nervt nicht, sie wellnesst uns.
 
Die CD erscheint wie aus einem Stück gestrickt, man könnte sich wünschen, die Stücke würden ineinander übergehen, es würde wohl nicht auffallen. Da stört es etwas, dass man den Eindruck gewinnt, dass die Stücke einfach unterbrochen werden, meistens indem sie ausgefadet werden. Man kann sich vorstellen, dass sie alle durchweg endlos so weitergespielt werden könnten. Und dieser Gedanke erscheint alles andere als unangenehm.
 
So lässt man sich treiben, bis man breit grinsen muss, wenn gegen Ende der CD plötzlich ganz relaxed das Kaufland in Sömmerda besungen wird oder beim letzten Titel der Eindruck entsteht, Tom Waits würde plötzlich deutsch singen.
 
Eine Empfehlung für Wärme an Körper und für die Seele. Für eine gute entspannte Stunde. Und wenn die nicht ausreichen sollte, kann man die CD ganz einfach noch einmal anhören, mit einem leichten Lächeln. Denn auf diese Reise sollte man sich öfter begeben. Es ist ja jedes Mal auch etwas Neues zu entdecken.
(Andreas Hähle)


 
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