zoellner2012 20121104 1204567848 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:
Titel:
"Uferlos"
Die Zöllner
Content / Edel
01. Juni 2012
1. Russendisko
2. Schönen Tag
3. Auf der Flucht
4. Neue Wege
5. Schwerelos
6. Idylle im Krieg
7. Uferlos
8. Was geht ab
9. Lass es zu
10. Sand
11. Monarchie des Proletariats
12. Ein Blut
13. Recht auf Rausch
14. Lalala
15. Lichterloh
16. www.warten.de
 
 
 
Rezension 1:
UFERLOSe Vorfreude hat die Zöllner-Freunde und Sympathisanten bereits seit einiger Zeit begleitet. Genauer gesagt, seit die Info zum neuen Album in Umlauf gebracht wurde. Die Neuerscheinung war für den 01.06. avisiert. Kindertag und somit ein absolut passendes Datum für jemanden wie Dirk Zöllner, der sich so einige kindliche Eigenschaften bewahrt hat, die uns im Alltag leider viel zu oft verloren gehen. Offenheit, Neugier, Begeisterung, Spontanität, aber auch Trauer, Wut, Enttäuschung, Entsetzen - für ihn ist die Welt nicht schwarz oder weiß, sondern bunt. Bunt und voller Emotionen.
 
Genau die sind es auch, die mich als erstes treffen, als ich am 31.05. nach dem Zöllner-Konzert im Steglitzer Bäkepark klatschnass im Auto sitze und die soeben neu erstandene CD einlege. Ich hätte es vielleicht nicht tun sollen - im Spannungsfeld zwischen großer Neugier und spontaner Begeisterung fährt es sich nicht besonders gut Auto. Und vor allem ist es äußerst unpraktisch, wenn sich das Hirn lieber auf die Texte als die Straße konzentrieren will und die Füße sich immer wieder verselbständigen, weil sie nicht nur zwischen den drei Pedalen tanzen wollen.
 
Zuhause angekommen, geht es weiter - das Album läuft ein ums andere Mal und manche Titel muss ich gleich fünf- oder sechsfach wiederholen. Ich habe wohl noch nie sooo lange gebraucht, um meine sieben Sachen fürs Wochenende in den Rucksack zu packen. Immer wieder bin ich abgelenkt, weil mich die faszinierenden Songs in ihren Bann ziehen. Bei jedem Hören gibt es neue Details und Überraschungen zu entdecken. Immer mehr Eindrücke wirbeln durcheinander… Irgendwie fühle ich mich hin und her gerissen - einerseits das Bedürfnis, meine Begeisterung mit anderen zu teilen und andererseits das Gefühl, dass es zunehmend schwerer wird, die Empfindungen halbwegs angemessen in Worte zu fassen.
 
Mittlerweile habe ich mich wieder etwas sortiert, aber die UFERLOSe Begeisterung für das Album hält an. Was mir besonders gut gefällt, ist die Mischung und das in vielerlei Hinsicht. Die Mischung aus völlig neuen, überraschenden Songs ("Russendisko", "Monarchie des Proletariats") und guten Bekannten, die bereits einige Male live zu hören waren ("Schönen Tag"). Aber auch von diesen vermeintlich guten Bekannten präsentieren sich einige im neuen Gewand ("Idylle im Krieg", "Lalala"), so dass es neue Facetten zu entdecken gibt. Der einzige Song, der mir persönlich als "alter Bekannter" besser gefällt, ist "Sand". In der Version vom 2011er Live-Album finde ich die Interpretation dieser wunderbaren Ballade noch pointierter, so dass sie bei mir immer wieder Gänsehaut erzeugt.
 
Auch die musikalische Vielfalt des Albums finde ich beeindruckend - orientalische Klänge, russische Folklore, Rap-Einlagen, sphärische Töne wie aus einer anderen Welt, Big-Band-Style und ganz zerbrechlich wirkende Melodien. Von schwermütig melancholischen Klangfarben bis zu fulminanter lebensfröhlicher Begeisterung ist alles dabei. In diese Musik kann ich mich so richtig tief reinhören. Die treibenden Gitarrensoli, die zart zurückhaltenden oder volltönenden Bläser-Arrangements, die Vielfalt der Rhythmusinstrumente, dazu der fabelhafte Einsatz des Cellos und des unverkennbaren Meisters an den Tasten. Nicht zu vergessen natürlich die unverwechselbare Stimme von Dirk Zöllner. Dass er zu einigen Songs Freunde und Kollegen als besondere Gäste dazu gebeten hat, überrascht nicht wirklich. Ein bisschen Café Größenwahn muss eben auch hier sein. Zum Glück, denn das wunderbare Zusammenspiel gemeinsam musizierender Freunde kann man hören und spüren.
 
Je nach Tagesstimmung, aktuellen Erlebnissen, Lust und Laune können die Empfindungen und Eingebungen auch beim gleichen Song sehr unterschiedlich sein. Immer wieder schwirren mir Wortfetzen durch den Kopf. Nicht eben offenkundig, aber dafür umso wirkungsvoller erschließt sich der hintergründige Wortwitz der Texte. Die Ironie und die Zweideutigkeiten passen zu Dirk Zöllner. Er ist jemand, der die Dinge in Frage stellt und eben nicht einfach so akzeptiert, was sich um ihn herum tut. Und so passt auch dieses Album zu ihm.
 
Für mich ist es ein ganz besonderes Album - ein magisches Album, das wunderbare Bilder in meinen Kopf zaubern kann. Die Texte, die ich einfach nehmen kann, wie sie sind oder immer wieder neu hören und interpretieren kann. Die feinsinnigen Arrangements, die die Liebe zum Detail spüren lassen. Die vielseitigen Rhythmen, die ins Blut und in die Füße gehen. Die teils überraschenden Wendungen, die Songs wie "Ein Blut" oder "Was geht ab" nehmen können. Es ist Musik, die emotional berührt, sofern man sich darauf einlässt. Deshalb kann ich mich auch nicht auf einen oder zwei Favoriten festlegen, eigentlich enthält das Album 16 Favoriten. Aber wenn es denn sein müsste - zu den Titeln, die mich bei jedem Hören von neuem faszinieren, gehören "Idylle im Krieg", "Lass es zu" und "Neue Wege". Und noch so einige andere…
 
Man spürt und hört die Liebe der Musiker zu dem, was sie tun. Das Ergebnis ist ein Album, das mich absolut begeistert. Kein massentauglicher Gleichklang. Dieses Album passt in keine musikalische Schublade und es braucht auch keine. Es bietet wunderbare Nahrung für Herz und Seele, wie auch für Hirn, Bauch und Füße - ein echter Zöllner eben. Wer sich Zeit und Ruhe nimmt, sich auf dieses faszinierende Album und seine großartigen Musiker einzulassen, kann in UFERLOSen Genuss eintauchen.
(Grit Bugasch)
 

 
 
Rezension 2:
Dirk Zöllner wird 50. Die Zöllner werden 25. Mindestens zwei gute Gründe also, sich zu belohnen, am besten mit einer neuen Platte! Am 1. Juni erscheint sie denn auch, und "Uferlos" wird sie heißen. Die erste "Die Zöllner"-Produktion nach 15 Jahren Pause. Deutsche Mugge durfte vorab hineinschnuppern.
 
Funky-Soul war nie wirklich mein Ding, ehrlich gesagt. Das ist nicht nur im (vorliegend) Speziellen, sondern generell so. Dennoch ist mir Workaholic "Scholle" ob seiner Omnipräsenz auf der Bühne und seiner gelegentlichen Ausflüge in andere musikalische Gefilde beileibe kein Unbekannter. Und wenn ich eines ganz besonders mit ihm assoziiere, dann ist es die markante, rauchig-soulige Stimme - eine Stimme, wie es zumindest hierzulande wohl keine Zweite gibt. Für mich demnach ein kompletter Sprung ins kalte Wasser, zudem dadurch zwangsläufig auch jedweder Vergleichsmöglichkeit mit früheren Produktionen entzogen, mithin völlig autark. Ideale Voraussetzungen für eine Rezension!
"Wir haben keinen festen Plan. Wir sagen nicht, wir machen diese oder diese Musik. Wir machen einfach Musik." Wohl wahr! Dirk Zöllner umschreibt in seinem Promo-Video zur Veröffentlichung treffend exakt das, was auf insgesamt 16 Songs auf der Platte verteilt ist. Kein roter Faden, kein wirklich erkennbares Konzept, eine "bunte" Platte, aber dennoch der gerade dann so schwierig herbeizuführende schemenhafte imaginäre Rahmen, der alles umspannt, allem die Basis gibt. Eine Herausforderung; die offenbar bewusst provoziert wurde, um den vielen beteiligten Musikern Freiräume und damit letztlich Luft zum Atmen zu geben. Und in ihrer Umsetzung bravourös und - natürlich - höchstprofessionell gemeistert wird. Der kleine, aber feine Unterschied zwischen einer 08/15-Scheibe und der besonderen, wertvollen Produktion - hier finden wir ihn, soviel kann jetzt schon vorweggenommen werden.
Und die Atmosphäre, der Groove, all das dürfte sein Grund neben den Zöllner-typischen Bläser-Arrangements zu einem nicht unerheblichen Teil vor allem darin haben, dass die Songs in Live-Sessions eingespielt wurden und einer lediglich marginalen und allenfalls partiellen Nachbearbeitung unterlagen. Dirk Zöllner himself betont indes nachdrücklich auch den Anteil von Gitarrist Andreas Bayless (Söhne Mannheims) am Gelingen des Werkes.
Etwas differenzierter fällt hingegen der erste Eindruck zu den Texten aus. Hervorzuheben ist zunächst, dass diese nicht bloßes Beiwerk, sondern wohldosierter und harmonisierender Teil des Ganzen sind, was nicht selbstverständlich ist. Für meinen Geschmack ist es des Reimens - zumal mit Banalitäten - dann aber an mancher Stelle doch etwas zuviel des Guten. Das ist eigentlich gar nicht nötig und erinnert unterschwellig an die ungezählten selbsternannten Wortakrobaten aus der Hip-Hop-Szene, wie wir sie uns schlimmer kaum vorstellen können. Aber um nicht missverstanden zu werden: Diese - sicher subjektive - Einschätzung bezieht sich auf lediglich wenige Ausnahmen.
 
Im übrigen erspare ich mir an dieser Stelle ganz bewusst, die einzelnen Titel auseinander zu sezieren. Der Leser soll neugierig bleiben, und die Reise durch die bunten Welten der Zöllner schon mal schön selbst antreten. Denn dann macht diese am meisten Spass! Das neue Album der Zöllner "Uferlos" - ab 01. Juni im gut sortierten Plattenhandel!
(Rüdiger Lübeck)
 

 
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