notausklang 20121121 1083025315 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:

"3-Klänge-Menü"
Notausklang
Eigenvertrieb
September 2012

1. Ahnungsloser Arsch
2. Engel
3. Ich brauche Liebe
4. Ironie des Schicksals
5. Mach dich frei
6. Traum
7. Notausklang
8. Mach doch was du willst
9. Nie mehr los
10. Immer wieder du
11. Kronleuchter

NOTAUSKLANG - so heißt die Band von drei Jungs aus Crimmitschau in Sachsen. NOTAUSKLANG ist auch eine ganz junge Band, denn in der jetztigen Besetzung ist sie erst seit Anfang 2012 aktiv. Und wer glaubt, dass eine junge Band dann erstmal fünf Jahre auf irgendwelchen Dorffesten spielen und lange an neuen Songs feilen muss, der irrt, denn NOTAUSKLANG legt in diesem Monat ihr Debüt-Album vor.
"3-Klänge-Menü" heißt der Silberling, und schon bei der Wahl des Bandnamens und des Albumtitels zeigen die drei Jungs Sinn für Homor. Ein Blick auf die Credits bringt ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, denn für die Gesangsaufnahmen und das Mastering zeichnet sich ex-STERN-COMBO-MEISSEN und TOXIC SMILE-Tastenmann Marek Arnold verantwortlich. Die anderen Namen, insbesondere die der Musiker, sind (noch) gänzlich unbekannt. Also horchen wir mal in das Werk der Sachsen hinein.

Das Album hat insgesamt 11 Songs und startet mit dem Stück "Ahnungsloser Arsch". Das geht ja gut los. Eine dreckige Rockgitarre schrammelt los und ein Hauch von Jimmy Hendrix weht durch's Zimmer. Dann steigen Bass und Schlagzeug ein und liefern einen erdigen Beat. In feinster Bluesrock-Manier musizieren uns die Herren Nitzel, Neumann und Hula etwas vor. Kein Schnick-Schnack wie Computer-Effekte oder Keyboard-Sounds. Es ist purer und unverfälschter Rock, der da aus den Boxen dröhnt - mit einem fulminanten Gitarrensolo im Mittelteil. Sehr geil - da tropft schon beim ersten Song der Zahn! Das Stück handelt inhaltlich von einem richtigen "Sympathieträger", nämlich einem Typen, der offenbar ständig auf Sex aus ist und wahllos durch die Gegend "beischläft", dabei lügt, seine Frau mit Kind schlägt und betrügt, anderen Zeitgenossen Steine in den Weg legt und dann heuchlerisch regelmäßig in die Kirche rennt. Im Prinzip ist dieser Song eine Abrechnung mit allen Drecksäcken dieser Welt, und nicht nur mit einem einzigen. Von dieser Sorte haben wir in Deutschland ja nicht gerade wenig - sogenannte Erfolgstypen, denen ihr Wohlergehen näher als alles andere steht.
Ein weiterer bemerkenswerter Song ist "Ich brauche Liebe". Auch hier schreit sich die Gitarre 'nen Wolf und Sänger Robert Nitzel tritt erneut als Shouter auf. Ob ein zartes Wesen wie eine Frau diesem Ruf nach Liebe angesichts des wenig romantischen Arrangements erhört, wage ich mal flott zu bezweifeln, aber das Trio rockt los wie die Feuerwehr, und die Nummer macht auf alle Fälle Spaß.
Dass es bei NOTAUSKLANG auch verhältnismäßig ruhiger zugehen kann, zeigt der Song "Ironie des Schicksals". Vom Arrangement eine luftig lockere Nummer, in die sich beim Refrain eine kernige Rockgitarre verirrt. Das Thema des Songs steht im krassen Gegensatz zum Arrangement. Dies ist kein luftig-lockeres, sondern ein sehr ernstes. Das Lied stellt mehrere Fragen, z.B. wieviel Schmerz ein Mensch ertragen kann. Auch wird die Feststellung getroffen, dass es eigentlich gut ist, sein eigenes Schicksal noch nicht zu kennen. Auch zeigt er die verschiedenen Möglichkeiten auf, wie man mit Schicksalsschlägen umgeht. Der eine trauert für sich, der eine tötet die Schmerzen mit Alkohol... andere schaffen es "einfach nicht". Für mich eine der besten Nummern auf dieser Scheibe.
Mit "Notausklang" gibt es auf der CD auch einen Song, in dem sich die Band in einem Lied selbst vorstellt. Natürlich handelt es sich dabei um einen lupenreinen Deutschrock-Song. Hier erklärt die Band ihre Philosophie und beantworet Fragen, noch bevor sie gestellt sind. Songidee und Umsetzung sind eine runde Angelegenheit, und auch hier nimmt sich Robert Nitzel wieder Platz für ein Gitarrensolo.
Hatte ich beim ersten Song noch den Verzicht auf Computer und andere Fremdkörper lobend erwähnt, ist man bei "Mach doch was du willst" zuerst unangenehm überrascht. Plötzlich wabern Computerdrums aus den Boxen und ich hatte die Befürchtung, dass gleich Kylie Minogue anfängt zu singen. Aber da haben sich die Herren wohl nur einen Scherz erlaubt, denn diese künstlich erzeugten Beats verschwinden relativ schnell und werden durch das satte Schlagzeugspiel Tobias Hulas abgelöst. Gut so! Musikalisch passt das Arrangement zum Thema. Das Lied-Ich beschwert sich hier bei einer Frau, die ihn offenbar belügt und auch nicht zu lieben scheint. Stattdessen geht sie wohl zu einem anderen Typen, was hier mit einem "Mach doch was Du willst" quittiert wird. Am Ende stellt er ihr ein Ultimatum. Wenn sie sich nicht zu ihm bekennt, ist er weg. Ein Anti-Liebeslied mit geilen Gitarren und einem kleinen Bassolo, das für meinen Geschmack ruhig länger hätte ausfallen dürfen (Herrn Neumann hätte man ruhig mehr Platz für sein Bassspiel einräumen können).
Und so geht's weiter beim "3-Klänge-Menü" aus dem Hause NOTAUSKLANG. Es gibt nicht nur laute Töne, sondern auch leise und baladeske Songs haben ihren Platz auf dem Album gefunden ("Mach dich frei", "Immer wieder du", "Kronleuchter"). Thematisch zeigt sich NOTAUSKLANG ebenso abwechslungsreich. Es geht um Themen, die aus dem Leben gegriffen sind, und in denen man sich selbst manchmal auch wiederfinden kann. Die Band will keine Weltrevolution auslösen oder den Rock'n Roll neu erfinden, sie will Musik machen und Themen behandeln, mit denen möglichst viele Menschen etwas anfangen können. Das ist ihnen sehr gut gelungen. Insgesamt eine sehr abwechslungsreiche Scheibe.

Wenn man bedenkt, dass es die Gruppe NOTAUSKLANG gerade mal etwas länger als ein halbes Jahr gibt, muss man vor der musikalischen Leistung und der Umsetzung ihrer Song-Ideen den Hut ziehen. Man darf gespannt sein, was aus der Band und ihrer Musik wird, wenn sie erstmal längere Zeit zusammen spielt. Dieses Album jedenfalls kann man bedenkenlos weiterempfehlen und ich hoffe, dass wir die Band demnächst auch mal bei einem Konzert besuchen können. Denn das, was hier auf Compact Disc gepresst wurde, dürfte dem Rockfan live sicher Freudentränen in die Augen treiben. Meine Empfehlung: Die Webseite der Band besuchen und die CD kaufen. Ihr werdet es nicht bereuen!
(Christian Reder)


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