dalibor12 20121029 1451364465
Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:
Titel:
"Liebe tut weh"
Dalibors Roadshow
Nubel Musikverlag
Oktober 2012
1. Tina
2. Liebe tut weh
3. Kremmenlied
4. Ballerina
5. Kaffeekocher
6. Wenn einer einen Traum hat
7. Adelheid
8. Wiedergesehn
9. Angelika Goodbye
10. Rammstein-Polka
11. Abendlied
12. Seemann Hans Herbert
13. Kremmenlied (Classic)
 
 
Wer auf eine gemütliche Mugge in familiärer Atmosphäre steht, und abseits der Hektik großer Musikveranstaltungen in Sachen Konzerte auch mal die Entschleunigung braucht, der ist in der "Tiefsten Provinz" in Kremmen gut aufgehoben. Wir haben schon ein paar Mal über Konzerte, die in dieser kleinen Lokalität stattgefunden haben, berichtet, und heute berichten wir mal über den Betreiber der "Tiefsten Provinz", Andreas Dalibor. Dalibors Roadshow heißt die Band, bei der Andreas Frontmann und Bandchef ist. Wann genau die Kapelle gegründet wurde, ist hier nicht bekannt. Dafür aber, wann die erste CD erschienen ist - nämlich jetzt im Oktober!
 
Die "Tiefste Provinz" liegt in dem etwas über 7.000 Einwohner zählenden Örtchen Kremmen in Brandenburg. Und auch wenn Kremmen von der Einwohnerzahl her klein und übersichtlich zu sein scheint, hat dieser Ort jetzt seine eigene Hymne. "Kremmenlied" heißt sie und stammt aus der Feder von Bandchef Andreas Dalibor, der es mit seiner Band Dalibors Roadshow vertont und auf die eben angesprochene CD gepresst hat. Das Stück beschreibt die Liebe eines Bewohners zu einem Ort, der völlig ohne Wahrzeichen irgendwo auf dem platten Land liegt ("Kremmen erkennt man nur, wenn man's auch sieht"), und der natürlich auch seine Ecken und Kanten hat. Dieser Song ist einer von 12 Titeln der neuen CD. Insgesamt haben es 13 Stücke auf den Silberling geschafft, aber das "Kremmenlied" gibt es gleich in zwei verschiedenen Versionen. Aber "Liebe tut weh" ist keine CD nur mit Heimatmelodien. Es darf sehrwohl auch mal geschmunzelt, an anderer Stelle auch mal nachgedacht werden. Gleich im ersten Song geht es um die Liebe zu einer Dame namens "Tina". Und so heißt der Song auch. Die Dame muss wohl abgehau'n sein, denn das Lied-Ich versucht sie mit verlockenden Angeboten wieder zurück zu lotsen ("Lass mich wieder an dir knabbern / An deinem süßen kleinen Ohr / Und dann fang ich an zu sabbern / Das kommt in der Liebe vor"). Ebenso humorvoll geht es in "Liebe tut weh" weiter. Hier wird anhand von ein paar Beispielen gezeigt, welche Bürden man für die Liebe in Kauf nimmt. Überhaupt hat das Thema Liebe auf der CD einen Schwerpunkt, selbst in solchen Songs, wo man auf den ersten Blick gar nicht damit rechnet. Im Song "Adelheid" geht es z.B. um die Liebe zu einer 70-jährigen Frau, die weder hübsch, schlank, fit oder schlau, geschweige denn besonders gut gebaut ist. Trotzdem zieht es das 40-jährige Lied-Ich extrem zu der Dame hin. Nicht ganz so humorvoll wird das Thema Liebe im Titel "Kaffeekocher" behandelt. Hier geht es um die heimliche Liebe eines männlichen Büroangestellten zu seiner Kollegin, mit der er sich schon seit Jahren das Büro teilt. Er ist in sie verliebt, hat erotische Tagträume mit ihr, doch er traut sich wohl nicht, es ihr zu sagen ("...doch dazu kommt es nie"). Eine weitere Geschichte über "Liebe" findet im Song "Angelika Goodbye" statt. Die Dame in dem Stück kommt aus Schkopau, einem Ort, mit dem man seit Jahren - auch nach der Wende noch - "Plaste und Elaste" verbindet, und so wundert es auch nicht, dass Angelika eine Gummipuppe ist. Diese lustige Geschichte endet mit einem Drama, denn durch einen falschen Biss bekam ihre Liebe (bzw. Angelika) "einen tiefen Riss". Geht es im "Kremmenlied" um die Liebe zum eigenen Ort, wird in "Seemann Hans Herbert" die Geschichte über einen in Kremmen unglücklichen Bademeister erzählt, der statt an einem See in der brandenburgischen Provinz lieber am Strand eines großen Meeres arbeiten würde. In der "Rammsteinpolka" geht es um ein ungleiches Liebespaar. Er ist Rockfan, sie eine dralle Maid im Dirndl, die außer Blasmusik nichts anderes kennt, bis er seine E-Gitarre auspackt. So reiht sich eine Geschichte an die andere, fast alle Songs mit einem gehörigen Schuss Humor. Einzig in den Stücken "Wenn einer einen Traum hat..." und "Wiedergeseh'n", denn da wird Andreas Dalibor auch mal ernsthaft. Es geht im ersten der beiden Songs um Träume und darum, dass jeder welche hat und viele sich nicht trauen, sie auszuleben. Die Botschaft des Stücks ist, dass man seine Träume nicht nur träumen, sondern sie auch verwirklichen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Im anderen Lied geht es um eine alte Liebe, die man nach Jahren wiedertrifft und feststellt, dass da so gar nichts mehr übrig geblieben ist von dem warmen Gefühl, das man einst für den anderen empfunden hat.
Thematisch haben wir das Album nun abgearbeitet, bleibt nur noch die Frage nach der Musik, die auf dem Album zu finden ist... Als der erste Song "Tina" startete dachte ich zum einen an Westernhagen, zum anderen kam mir aber auch Torfrock in den Sinn. Ich glaube, irgendwo dazwischen operiert Dalibors Roadshow mit ihrer Musik. Die Texte von Andreas Dalibor sind überwiegend im feinsten Deutschrock verpackt, bei dem es tolle Gitarren-Parts zu entdecken gibt. Mal laut, mal balladesk... Aber auch wenn es von der Stilistik her mal in eine andere als die Deutschrock-Richtung, teils sogar in eine absolut fremde Richtung geht, weiß man, wie und wo man eine gute Strom-Gitarre reinschrauben kann. Überhaupt, es gibt 'ne Menge Abwechslung in den einzelnen Songs. So findet man z.B. in "Ballerina" sogar einen lupenreinen Tango, und auch hier darf - wie eben erwähnt - die E-Gitarre nicht fehlen. Das ist schon geschickt, wie aus einem Tango ein Rocksong gemacht wurde. Beim "Kaffeekocher" wird musikalisch ein Shuffle ausgepackt, der durch den Kontrabass und der komplett anderen Klangfarbe der Gitarre für eine ganz neue Facette auf dem Album sorgt. Dieser Song, und auch die "Rammsteinpolka" und "Seemann Hans Herbert", sind so weit vom Deutschrock entfernt, wie die Erde vom Mond. Wo wir auch schon bei der "Rammsteinpolka" gelandet sind: Wie's der Titel ja schon ahnen lässt, bekommt man hier tatsächlich einen volkstümlichen Schunkler auf die Ohren. Und weiter geht der rasante Ritt durch die verschiedenen Musikstile. "Adelheid" kommt vom Beat als tanzbare Disco-Nummer daher. Aber Dalibors Roadshow wäre nicht Dalibors Roadshow, wenn sich nicht auch in diesen Musikrichtungen eine gepflegte Rock-Gitarre einbauen ließe. Shanty-Anleihen finden sich dann noch im "Seemann Hans Herbert" wieder, dem letzten regulären Track auf der CD. Dalibor selbst singt wie Hans Albers und verleiht seinem Stück musikalisch einen gehörigen Schuss maritimes Feeling.
 
Das Album "Liebe tut weh" ist von den Texten her weder lyrisch noch tiefgründig (mit wenigen Ausnahmen) - manche Texte sind sogar nach dem Prinzip "reim dich oder ich krieg dich" zusammengebaut. Auch, dass man sich überwiegend nur mit dem Thema Liebe beschäftigt, ist sicher nicht jedermanns Sache, und wenn es dann wie im Song "Tina" sogar noch um sexuelle Vorlieben geht, kann es stellenweise auch schon mal peinlich werden. Aber handwerklich hat die Band einiges auf dem Kasten und zeigt dies auch. Es gibt Deutschrock-Alben, die sind einfallslos und in einem Guss dahin gerotzt. Das ist hier nicht der Fall. Hier wird ein Ausflug in verschiedene Genres unternommen, denen man einen eigenen, rockigen Anstrich verleiht. Man hört den Songs die Freude der Band beim Experimentieren und Spielen mit Genres an. Ebenso unüberhörbar ist die erstklassige Produktion. Der Sound ist satt und hat Druck. Das große Plus der Scheibe sind die tollen Arrangements und die vielen tollen, oft lustigen Stories. Ein gelungenes Party- und Gute Laune-Album für den Freund, knackiger Rocksongs...
(Christian Reder)
 

 
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