ad-sap 20121121 1285109499 Titel:
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"Sommer aus Papier"
Anna Depenbusch
105 Music / SONY
05. Oktober 2012

1. Herzlich Willkommen (Intro)
2. Sommer aus Papier
3. Ich & Du
4. Karaokenacht
5. Zimmer #439
6. Vom Leben als Gespenst
7. Fräulein Ukulele
8. Tretboot nach Hawaii
9. Hey Cowboy
10. w.w.w. (Was wäre wenn)
11. Irgendwo ist oben
12. Benjamin
13. 110

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Der Sommer 2012 ist Geschichte. Dabei war es gar kein richtiger Sommer. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder wir meckern über das miese Wetter der letzten Monate, oder wir machen uns jetzt in der kalten Jahreszeit einen eigenen Sommer - z. B. aus Papier, wie Anna Depenbusch es uns mit ihrer neuen CD vormacht...
Vor etwas mehr als einem Jahr war die junge Sängerin bei uns Interview-Gast. Sie hatte gerade ihr Album "Die Mathematik der Anna Depenbusch" veröffentlicht und ihre Hörer mit auf eine Reise in ihre eigene Welt eingeladen. Die CD lief erstaunlich gut und kam bis auf Platz 25 in den Album Charts. Nach dem Motto "Nicht ausruhen, weitermachen" nahm sie das gleiche Album im gleichen Jahr nochmals auf. Diesmal nur mit Klavierbegleitung, passenderweise nannte sie es "Die Mathematik der Anna Depenbusch in Schwarz-Weiß". In diesem Jahr wurde sie mit dem Fred-Jay-Preis ausgezeichnet, und sie erwartet eine weitere Auszeichnung, denn am 31. Oktober bekommt sie den Deutschen Chanson-Preis verliehen. Was für ein bewegtes und erfolgreiches Jahr für die Künstlerin. Während andere sich vielleicht zurücklehnen und die erreichten Erfolge erst mal genüsslich feiern würden, hat Anna Depenbusch bereits den Nachfolger zur "Mathematik" fertig. Die Scheibe heißt "Sommer aus Papier" und erscheint am kommenden Freitag (05.10.).

Wie im Pressetext zu lesen ist, war der Auslöser für diese CD eine Hawaii-Tapete mit den für die Inseln im Pazifik typischen Motiven. Schon die Aufmachung der neuen CD ist ein Hingucker und unterstreicht diese Bemerkung aus dem Pressetext nur. Vorn auf dem Cover lächelt uns die Künstlerin an. Auf ihrer Schulter ein Papierboot, das wie ein roter Faden auch quer durch das restliche Artwork seine Reise macht. Die Schrift erinnert stark an Werbeprospekte der 50er und 60er Jahre, ebenso an alte Kinderbücher und an Brausepulver. Klappt man die Hülle auf, sieht man als erstes auch die Abbildung einer Tüte "Ahoj-Brause". Das passt ja auch ganz gut zum Thema... Es gibt viel zu sehen im Innenteil des aufgeklappten Digipaks, und das steht auch für die Farbenpracht, die einen beim Hören der CD erwartet. Also hören wir mal rein...
"Herzlich Willkommen" heißt den Hörer dann auch als erstes herzlich Willkommen. Nur von Kontrabass, Percussion und einer später einsetzenden Geige begleitet, begrüßt Anna Depenbusch ihr Publikum, als würde sie es als Kapitän gleich mit auf eine Kreuzfahrt nehmen. Und im Prinzip tut sie das auch, wie schon der erste Song und gleichzeitig auch Single-Auskopplung aus diesem Album, "Sommer aus Papier", deutlich macht. "Ich bau mir einen Sommer / aus buntem Glanzpapier / Den stell ich auf im Winter / wenn es vor dem Fenster friert" Was bei Depenbuschs Texten immer besonders auffällt ist, dass man sie teilweise zuerst entschlüsseln muss. Sie bringt ihre Botschaften nicht direkt an den Mann/die Frau, sondern verlangt von ihren Hörern schon ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Sie möchte, dass das Publikum mitdenkt, sich ihren Liedern hingibt, sie interpretiert und der eigenen Phantasie freien Lauf lässt. So auch in dieser luftig-leichten Popperle, die sich sehr schnell als Ohrwurm entpuppt. Schon beim ersten Hören des Stücks ist man gefangen... Mit "Ich & Du" findet man auch ein Duett auf ihrem neuen Album. Zusammen mit Mark Foster singt sie über das Behütet sein in einer Beziehung, über das Kraftgeben und das gemeinsame Kämpfen für eine Sache und über das sich gegenseitig Stützen. Kurz: Über das Schönste, was es im Leben eigentlich geben kann: Das Miteinander! Ein wunderschönes Liebeslied ohne Kitsch und klebrigen Liebesschwüren. Diese positiven Momente findet man noch häufiger auf dem Album. Ebenso diese wunderbaren und phantasievollen Geschichten, wie z. B. in "Vom Leben als Gespenst" oder in "Tretboot nach Hawaii". Besonders zu erwähnen ist auch die Geschichte von "Benjamin", dem Nachbarn, in den man sich so schnell verliebte und ebenso schnell wieder entliebte. Ein weiteres Highlight der neuen Scheibe ist das Stück "Hey Cowboy". Ein Song, der offenbar jemanden wach rütteln soll, der diesem Jemand wieder Mut zum Aufstehen geben soll, der diesen Jemand zum Weitermachen animieren soll und ihm sagen will, "Lass Dich nicht hängen". Ebenso hat "Irgendwo ist oben" diese positive Botschaft, dass man im Leben erst verschiedene Höhen und Tiefen durchleben muss, um am Ende mit dem Erreichen seiner Ziele belohnt zu werden. Hier wird sich der eine oder andere Hörer sicher wiederfinden, denn es gibt genug Leute, die sich von einem Rückschlag komplett aus der Bahn werfen und anschließend sich und andere Menschen aus dem Umfeld hängen lassen. Manchmal muss man da gar nicht lange suchen, um einen zu finden...
All diese Geschichten, Botschaften und Aufforderungen verpackt Anna Depenbusch in wunderbare Melodien, ansprechende Arrangements und überhaupt in großartige Musikstücke. Percussion, Gitarre, Ukulele und Kontrabass scheinen auf den ersten Blick die Hauptinstrumente in ihren neuen Stücken zu sein. Aber auch Akkordeon, Mundharmonika oder ein Cello kommen zum Einsatz, sind aber im Großen und Ganzen ergänzende Elemente, die den Stücken an der richtigen Stelle einen weiteren Farbtupfer verleihen. Im Titel "Vom Leben als Gespenst" reichen z.B. nur Ukulele und Vogelgezwitscher als Begleitung für Annas Gesang aus, mehr braucht es da gar nicht. Oder im Stück "Fräulein Ukulele", in dem ebenfalls die Ukulele das Hauptinstrument ist. Was die Arrangements betrifft, sei auch besonders "Karaokenacht" erwähnt, das mit seiner positiven und lockeren Umsetzung ebenso hitverdächtig ist wie der Titelsong, aber trotzdem eine ganz andere Farbe hat. Irgendwann stellt man beim Hören der neuen CD fest, dass den Songs das für Anna Depenbusch typische Klavier fehlt. Diesem begegnet man dann aber bei den letzten beiden Songs wieder. "Benjamin" und "110" hätten auch gut und gerne auf dem Vorgängeralbum sein können, denn da hätten sie perfekt gepasst. Hier auf dem "Hawaii"-Album mit seinen farbenfrohen Arrangements und bunten Songideen wollen sie irgendwie so gar nicht passen. Trotzdem sind es ganz starke Songs, die man wohl als Bonustracks bezeichnen kann...

Nach der letzten CD "Die Mathematik der Anna Depenbusch in Schwarz-Weiß" holt Frau Depenbusch wieder die Farbe zurück in ihre Lieder. Nicht nur die Lieder "Hey Cowboy" und "Irgendwo ist oben" sind eine Aufmunterung! Das komplette Album ist eine, nämlich die, den trüben Gedanken in der trüben Jahreszeit zu trotzen und sich seinen eigenen Sommer aus Papier zu basteln. Die Anleitung dazu findet Ihr in den Liedern dieser CD. Mir fällt dazu nur ein Wort ein: Großartig!
(Christian Reder)

 


 

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