czarc 20121130 1684249886 Titel:
Interpret:
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VÖ:

Titel:

"Czarc de Triomphe"
CZARC
Arc
November 2012

1. Im Zug
2. Whatever
3. Das könnte Euch so passen
4. Travelling
5. Create
6. ...and the Music
7. Die Stadt
8. Tranquility
9. Was Ihr wollt
10. Pretending
11. Addiction
12. Wege

Dass viele Musiker, die den meisten Menschen nicht durch Rundfunk, Fernsehen oder von vorderen Chartplatzierungen bekannt sind, richtig gute Musik machen, dürfte für jeden wahren Musikfreund geradezu eine Binsenwahrheit sein. Ein weiteres Beispiel dafür legte ein Musiker namens Marcel Czapalla, genannt CZARC, unlängst vor. Seine CD "Czarc de triomphe" ist ein musikalisches Feuerwerk, dass seines gleichen sucht und niemanden kalt lassen dürfte. Sicher gefällt nicht jedem jedes der 12 Stücke, aber wer sich auf CZARC einlässt, sollte auf jeden Fall etwas finden, dass begeistert. Die Stücke des Albums decken stilistisch eine recht große Bandbreite ab. Da werden ebenso Anleihen in Ska, Blues und Reggea, sowie bei Folk und Pop genommen und zu interessanten Klangerlebnissen zusammengesetzt.

Nicht nur musikalisch springt CZARC durch verschiedenste Genres, auch im Bezug auf die von ihm geschriebenen Texte. Mehrere Titel haben deutsche Texte, andere singt CZARC auf englisch und bei einigen sind deutsche und englische Passagen gemischt. Inhaltlich geht es ebenfalls recht differenziert zu. Mal erzählt der Künstler in seinen Texten abgeschlossene Geschichten, mal sinniert er gewissermaßen über eine Frage ohne ein abschließendes Ergebnis zu bekommen, mal kommt der Text fast als Frage an den Zuhörer daher. Unabhängig von Stil und Sprache ist allen Titeln gemeinsam, dass sie musikalisch sensationell umgesetzt sind. Die Musiker die das Album eingespielt haben, sind durchweg exzellent und lassen ihre Klasse immer wieder in viele Feinheiten der CD einfließen.

Ich kann eine Entdeckungsreise auf der CD nur wärmstens empfehlen. Wer Muße hat, hört verschiedenste Instrumente, die hin und wieder recht ungewohnt klingen, großartige Motive, raffinierte Effekte und viele kleine Feinheiten. Wer hinhört, entdeckt mühelos raffinierte Arrangements, die jeden einzelnen Titel zu etwas Besonderem machen. Dazu kommt die markante, etwas raue, kehlige Stimme von Marcel Czapalla, die er gekonnt ungeheuer vielfarbig einzusetzen weiß. Für mich war die CD ein wenig wie eine Zeitreise in die Tage, als Musik noch einfach, eingängig und handgemacht war, denn genauso kommt die Musik vom Silberling. Die handwerkliche Fertigkeit der Musiker liegt in der Art und vor allem in der Präzision mit der einfachste, meist sehr eingängige Motive gespielt werden. Das macht aus der CD fast schon einen Klassiker, auch wenn die einzelnen Titel nur selten wirklich klassisch daherkommen, vielmehr sehr frisch und modern klingen.

So geht der erste Titel "Im Zug" gleich richtig los. Ska-Rhythmen mit Polka- und Shantyeinschlag und einem tollen Text. Als besonderes Stilelement klingt ein Akkordeon neben einer Gitarre im Vordergrund, die nicht die Gesangsmelodie nachzeichnet, sondern einzelne Töne danebenstellt und dennoch den Titel unterschwellig dominiert. Was da begonnen wird, wird im zweiten Titel "Whatever" perfekt weitergeführt. Das Stück hat karibische Größe und Leichtigkeit. Allerdings dürfte gerade das polarisieren. Die einen werden gerade das lieben, die anderen werden es wohl eher nicht mögen. Wer nun allerdings denkt, es würde musikalisch so weitergehen, der wird schon beim Intro zum dritten Titel des Albums überrascht werden. Denn das hat nichts mehr vom Stil der vorherigen Songs. Das rockige Gitarrenintro geht sofort ins Ohr. Daraus wird ein großer Song mit einer richtig tollen Steigerung zum Refrain, wo einzelne Klaviertöne unglaubliche Wirkung zeigen, bevor dann eine E-Gitarre an große Momente der Musikgeschichte erinnert. Geradezu genial ist es, wie CZARC die aufgebaute Spannung mit wenigen unterlegten Tönen - ich denke erneut vom Klavier - noch zu steigern weiß. Dazu ein richtig großer Text. Ein Klasselied! So einfach kann Musik sein. Und so gut.
Zum Schwelgen bleibt allerdings wenig Zeit, denn Titel 4, "Traveling", hat den Groove. Das ist ein super gemachter Blues, der vor allem auch wegen der super passenden Stimme Czapallas richtig toll rüberkommt. Dazu eine fantastische Bassline. So muss ein Blues wohl klingen. Das außergewöhnlichste an diesem Song aber ist für mich die Stimmfärbung und Gesangstechnik Czarcs zum Ende des Titels. Ein Moment mehr, wo ich behaupte, hier ist Musik zu hören, wie sie auch die größten Namen nicht wirklich besser gemacht haben. Für meine Ohren lassen Ian Anderson und Cat Stevens grüßen, ohne dass CZARC da auch nur eine Note gecovert hätte. Als wollte er mich in meiner Meinung bestätigen, ist der 5. Titel "Create" geradezu ein Folksong, bei dem einfach alles stimmt. Die Klaviertöne zu Beginn gehen sofort ins Ohr und das daraus entstehende Thema lässt einen nicht mehr los. Einfach und einfach schön. Eben ein wenig wie die großen Titel Cat Stevens' zu seinen besten Zeiten. Beeindruckte das Stück schon, setzt für meinen Geschmack Czarc im Stück "...and the Music" noch eins drauf. Ein klassisches Singer Songwriter Stück, dass mir wie eine überaus gelungene Mischung aus Led Zeppelin's "Stairway to haven", einem Cat Stevens Song und dem Gesang Ian Andersons erinnert. Hier ist für mich der Höhepunkt des Albums "Czarc de triomphe" erreicht. Daher, und um dem interessierten Hörer nicht die Spannung auf den Rest der Platte zu nehmen, möchte ich auf eine ausführliche Vorstellung der weiteren Titel verzichten. Sie sind alle durchaus hörenswert, haben viele feine, kleine Besonderheiten, die man erhören kann. Das eine begeistert mit seinem Text, das nächste mit seiner musikalischen Umsetzung an sich, bei anderen sind es die überraschenden Effekte einzelner Instrumente, die einen fesseln. Alle Stücke bewegen beim Zuhören etwas in einem. Alle Titel sind brillant gespielt und grandios gesungen. Das ist keine Einheitsware, kein Mainstream, gelegentlich ist es extravagant was CZARC anbietet. Aber ich will auch gar nicht zuviel verraten, denn das soll der Hörer selbst entdecken.

"Czarc de Triomphe" ist ein Album, das eine breite Hörerschaft verdient hat und hoffentlich auch findet. Ob man das in der Klasse live umsetzen kann, weiß ich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass CZARC live ein ähnlicher Genuss ist, wie es die CD "Czarc de Zriomphe" ist, auch wenn er (noch) nicht zu den großen, allgemein bekannten Namen in der Musikbranche gehört.
(Fred Heiduk)

 


   
   
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