nn-lebensbaum 20121123 1810839177 Titel:
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VÖ:

Titel:

"Lebensbaum"
Norbert Nitsche
Medi Records
23. November 2012

1. Lebensbaum
2. Blume am Fels
3. Vier Jahreszeiten
4. Zu lange
5. Nachdenken
6. Love Song
7. Vorfreude
8. Arbeitslos
9. Abenddämmerung
10. 50 Plus
11. Der alte Mann und das Kind
12. Einmal in 1000 Jahren
13. Von Menschen

"VON MENSCHEN WILL ICH SINGEN ..."
Norbert Nitsche ist Jahrgang '58, ein "Kind des Ostens", wie er sich selbst bezeichnet. Vorwiegend deutschsprachig waren die musikalischen Einflüsse, auf welche er sich beruft. Ostrock eben und Liedermacher. Das kann man hören, diese Wurzeln hat er nicht verlassen und wollte er sicher auch nie. Er setzt sie - nicht alleine, aber auch - munter fort, gibt dieser Stilistik seinen eigenen Klang hinzu und in den Texten seine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen. So zeichnet er uns einen musikalischen "Lebensbaum".

So ist die Musik recht traditionell im Liedermachersinne, auf jeden Fall vorwiegend handgemacht (wenn auch nicht nur). So sind auch die Themen, welche er wählte, die aus dem Alltag eben, die aus dem Leben, die mit der Ost-Sozialisation auch. Er braucht keine andere Identität als die eigene. Und so sollte es ja auch sein. Wenn es um Liedermachen geht, ums Geschichtenerzählen in musikalischer Form. Den Barden will er auch nicht leugnen, mittelalterliche Einflüsse sind ebenso zu entdecken wie rockiger Sound neben der traditionellen Stilistik. Auch in den Texten lässt sich diese Sozialisation nicht leugnen, sie ist fast unüberhörbar, wenn es um umwelt- oder gesellschaftskritische Themen geht. Wer singt denn heute sonst noch vom "sauren Regen"?

Durch das Album begleitet uns seine angenehme Stimme. Die Texte sind direkt ansprechend, was sie meinen, auch da, wo sie sprachlich ein wenig bebildert sind. Sie kommen daher ohne Visier, wie wohl der Künstler selbst. Nie ganz ohne Witz und nie ganz ohne Tiefgang. Oft ist es so, dass da, wo man denkt, man weiß, was kommt, eine Überraschung wartet.
"Lebensbaum" - der Titel - ist fast als musikalische, partiell auch textliche Ost-Reminiszenz zu werten, obschon er sicher lebensallumfassend gemeint ist. In "Blumen am Fels" hört man rockige Einflüsse, in "Vier Jahreszeiten" die auch bereits erwähnten mittelalterlichen. Hier - wo auch in manchen anderen Titeln - erinnert die Stimme Norbert Nitsches ein klein wenig an Klaus Hoffmann.

Immer wieder ein Vergnügen das intelligente Gitarrenspiel, ob nun das akustische von Norbert Nitsche selbst oder das elektrische. Mitunter kommt es mir in den Texten so vor, als würde ich mit einer didaktischen Weltanschauung konfrontiert werden sollen. Was mir allerdings selbstverständlich besser gefällt, als wenn ich Musik ohne Message zu hören bekäme. Kompositorisch, so finde ich, hätte etwas mehr Einfallsreichtum nicht geschadet, zumindest nicht im Arrangement. Obschon ich hier und da andererseits sehr schöne und überraschende Ideen fand. Mehr davon wäre mir lieb gewesen. Denn der Eindruck und das Gefühl beim Hören eines Albums, dass da mit Sicherheit noch mehr hätte gehen können und wohl offensichtlich auch gekonnt wäre, ist immer etwas seltsam.
Die Liebe darf natürlich auch nicht fehlen, so gibt es einen "Love Song", etwas im Country-Stil gehalten und in englischer Sprache. Na, die Angebetete wird hoffentlich wissen, was gemeint ist. "you are my sunshine, you are my rain ..." Genau. Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
In munterem Style kommt die "Vorfreude", die wieder auf deutsch wie alle weiteren Titel auch und ist wieder ganz fröhlich und ganz witzig. Die Beschreibung der Tücken eines Arbeitstages, aber eines mit ungeduldiger Vorfreude. Mit einer Pointe, die mich echt zum Lachen brachte, obschon dieser Art schon öfter so gehabt, in Witzen zum Beispiel, aber hier habe ich eben nicht im geringsten damit gerechnet. Und so funktioniert Witz eben meist wirklich: als Überraschung.
Wesentlich ernster "Arbeitslos". Beschreibend die Gefühle eines Menschen, der gerade entlassen wurde und auch, wie ich finde, treffend beschreibend das, worüber er in dieser Situation nachdenkt und worüber er eher lieber noch nicht nachdenken kann. Und auch beschreibend, wie die Umwelt auf diesen lebenseinschneidenden Umstand reagiert. Ein Titel, der aber auch Mut machen möchte und dies in kleiner Weise wohl auch vermag.
Wie ein vertontes romantisches Gedicht von Goethe - das Label hat ja auch seinen Sitz in Weimar - die "Abenddämmerung". Beinahe balladesk. Zum Schluss wird es textlich etwas heutig. Ich stellte mir vor, es wäre der sehnsuchtsvolle Gesang eines "Pendlers".
Viel Humor fand ich wieder im Titel "50 Plus". Hier werden die kleinen Zeichen des Älterwerdens etwas auf die Schippe genommen. Genau an diesem Punkt, an welchem das, was man dem Gefühl zu leisten vermag und das, was der Körper noch zulassen möchte, anfängt, sich zu beißen. Nach diesem Titel sollte man ausgelassen tanzen, am besten sogar richtig heftig, vor allem ab "50 plus".
Sehr ergreifend "Der alte Mann und das Kind". Nicht nur wegen des Geigenspiels (leider elektronisch) und der Kinderstimme. Das Thema, der Tod, wurde hier etwas tiefgründiger, nicht (nur) als bloße Geschichte abgehandelt.
"Einmal in 1000 Jahren". Hier geht es um dasselbe Thema. Allerdings nicht nur um die Vergänglichkeit eines einzelnen Menschen, sondern auch um die der ganzen Menschheit. Dies alles etwas melancholisch zusammengefasst im letzten Titel des Albums "Von Menschen". "von menschen will ich singen, von liebe, angst und wut". Das macht er, der Norbert Nitsche.

Und wir dürfen die nun auf einem brandneuen Album hören und es ihm danken sowie seinen Musikerkollegen (neben Norbert Nitsche - Gesang/Akustikgitarre und Burkhard Schnierer - E-Gitarre wirkten mit: Alexander Urschanow - Schlagzeug; Robert Boddin - Bass/E-Gitarre; Martin Halbe - Keyboard/Programming und Seraphina Fuhrmann - Kindergesang), die dieses interessante Album mit ihm eingespielt haben.
(Andreas Hähle)

 


 

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