spliffdvd 20121110 1852415034 Titel:
Interpret:
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VÖ:

Titel:

"Live At Rockpalast"
SPLIFF
SONY
09.11.2012

Elspe - 20.05.1983
01. Herzlichen Glückwunsch
02. Computer sind doof
03. Duett komplett
04. Déjà vu
05. Tag für Tag!
06. Glaspalast
07. S.O.S.
08. Augen zu!
09. Die Maurer
10. Kill!
11. Carbonara
12. Jerusalem
13. Notausgang
14. Heut' Nacht
15. Das Blech
16. Müller
17. Jet Set Star
18. Rock Is A Drug

Dortmund - 19.12.1981
01. Interview
02. Intro
03. Déjà vu
04. Jerusalem
05. Jive
06. Müller
07. Kill!
08. Heut' Nacht

 

 

Ende September haben die SPLIFF-Fans die letzten Hoffnungen auf ein Comeback ihrer Lieblingsband beerdigt. Am 17. September verstarb mit Manne Praeker nicht nur der Bassist, sondern auch eine der maßgeblich prägenden Figuren dieser Band. Praeker hatte mit seinem markanten Bassspiel und seiner Stimme einen wesentlichen Anteil am Sound und am Erscheinungsbild der Gruppe SPLIFF. Ohne ihn ist ein Neustart oder auch nur eine Handvoll Konzerte genauso undenkbar, wie ohne Heil, Mitteregger oder Potschka. Leute, die in den 80ern die Gelegenheit hatten, die Band SPLIFF mal live zu erleben, können sich glücklich schätzen. Wer's verpasst hat, hat jetzt keine Chance mehr...
Als kleines Trostpflaster gibt's seit heute (9.11.2012) eine DVD mit zwei Konzertmitschnitten aus den 80ern. Zugegeben, es ist nur ein kleiner Trost, aber die Fans haben genauso lange auf eine VHS-Cassette oder eine DVD mit einem Livemitschnitt gewartet, wie auf eingangs erwähntes Comeback. Mit dieser DVD gibt's jetzt endlich etwas, das nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge befriedigt.

Aus der Reihe "Live at Rockpalast" wartet nun historisches Material und damit ein ganz besonderes Bonbon auf den Konsumenten. Leute über 40 können sich sicher noch an die langen Abende mit dem Rockpalast im westdeutschen TV erinnern. Damals wurde die Zwangsabgabe für die Öffentlich-Rechtlichen noch sinnvoll eingesetzt, nämlich in viel Musik und Kultur, und weniger in drittklassige Verfilmungen von Groschenromanen. Jammern wir an dieser Stelle noch ein bisschen rum und denken an eben diese Zeiten zurück, in denen das TV-Programm für uns Musikfreunde noch was zu bieten hatte. Wohlgemerkt zu einer guten Sendezeit, und nicht zusammengestrichen, mitten in der Nacht auf einem der dritten Programme. Speziell "RockPop in Konzert" und eben erwähnter Rockpalast waren Pflichtprogramme! Großartige Bands haben für eine TV-Aufzeichnung im Rockpalast gespielt. Internationale Klopper wie z.B. Level 42, Mitch Ryder, Mother's Finest, PIL, Rory Gallagher und und und... Aber auch die deutschen Künstler kamen hier nicht zu kurz: Ideal, Fury in the Slaughterhouse, Spider Murphy Gang, Ulla Meinecke, Nina Hagen (mit und ohne "Band") und eben auch SPLIFF. Am 20. Mai 1983 war's, als die Kapelle ihr Equipment im sauerländischen Elspe aufbaute, und dort bei recht kühlen Temperaturen die größten Knaller ihrer bis dahin noch recht jungen Bandgeschichte zum Besten gab. SPLIFF befand sich damals auf dem Höhepunkt, und das kann man im Mitschnitt auch an der Publikumszahl ablesen, denn der Platz vor der Bühne war rappelvoll. Wer auch immer die Aufzeichnung eines Konzerts von SPLIFF und den Ort dafür plante, hatte wohl keine Ahnung, dass auf dem platten Land in Elspe (Sauerland) offenbar nur eine einzige 230 Volt Steckdose zum Versorgen der Bühne vorhanden war, und der Saft für das große Instrumentarium der Berliner Kultband nicht mal ansatzweise reichte. Dort im Sauerland kann man zwar dufte eine Treckerausstellung oder eine Nutzvieh-Auktion starten, aber ein Rockkonzert...!? So hatten die Herren Heil & Co im Verlauf ihres Auftritts immer wieder mit ausfallenden Instrumenten zu kämpfen. Und damit bin ich schon voll im Thema, denn das ist ein dicker Schwachpunkt - zumindest beim ersten Teil - dieser DVD. Mittem im Song "S.O.S." fällt Mannes Bass (bzw. der Verstärker) aus. Dieses wichtige Element des Songs, nämlich Mannes Bassspiel, fehlt hier fast komplett. Nur rudimentär ist es zu hören... eher mehr zu erahnen. Bei einem weiteren Song ("Kill") kämpft Reinhold Heil mit der Technik, denn auch in seinem Keyboard-, Moog- und Synthieturm läuft nicht alles wie geplant. Manche der Songs klingen deshalb leider unvollständig, weil immer irgendwas fehlte oder eines der Instrumente von der Technik zu laut eingestellt war (insbesondere das elektrische Schlagzeug von Herwig). Das schien die Musiker aber damals nicht sonderlich zu stören, zumindest ließen sie es sich nicht anmerken. Im Gegenteil. Über die gesamte Länge des Konzerts strömt die pure Spielfreude von der Bühne, die nicht nur hör- sondern scheinbar auch greifbar war. Das Quartett hatte offenbar richtig Bock, so sieht man mehr als einmal Reinhold Heil ins Publikum hüpfen und einzelne Zuschauer sogar persönlich mit "Guten Abend" zu begrüßen. Auf der Bühne wird gerockt was das Zeug hält, bei "Das Blech" gibt's sogar ein leckeres Drumsolo von Herwig. Und auch sonst hatten die Musiker reichlich Leckerli im Arrangement verbaut. Dafür geht der Daumen auf jeden Fall nach oben, und es lässt auch ein wenig über die Schwächen hinwegsehen, die aber - und das bitte ich zu beachten - NICHT von der Band, sondern von den Gegebenheiten vor Ort und der Technik ausgegangen sind. Der Perfektionist läuft ob der Technikpannen und des Sounds wutrot an, der Fan hingegen freut sich über eine geile Performance einer ebenso geilen Band. So ging es mir gestern zumindest, als ich das begehrte Teil endlich auspacken und abspielen konnte.

Hatte der erste Teil der DVD, nämlich der Mitschnitt aus Elspe, einige Mängel, so wird man dann mit dem zweiten Teil, dem Mitschnitt des SPLIFF-Auftritts bei "RockPop in Konzert" aus dem Jahre 1981, richtig verwöhnt. Die Band spielte damals im Dezember in der Dortmunder Westfalenhalle und stellte ihr neues Material vom Album "85555" vor. Das war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht, und sollte erst in den ersten Monaten des Jahres 1982 erscheinen. Die Lieder dürften vor diesem Konzert daher ganz sicher noch nicht vor einem Live-Publikum gespielt worden sein. Und hier stimmt alles: Ton, Bild, Show... alles Wunderbar! Vorab gibt's noch ein kleines Interview, das von keinem Geringeren als Thomas Gottschalk (ja, damals war er für die Jugend DER Moderator) geführt wurde. Die Band zeigte sich da sehr locker, machte ein paar Scherze und wirkte sehr gelöst. Diese lockere Art war dann später auch auf der Bühne zu erleben und kann in diesem jetzt vorliegenden Mitschnitt abgelesen werden. Neben eben erwähnten neuen Songs, spielten die Herren von SPLIFF auch noch Material aus ihrer vorherigen Platte "The Spliff Radio Show". Beim Titel "Jive" kann man dann ganz für sich persönlich und in aller Ruhe von Manne Abschied nehmen, denn hier ist er nochmal als Sänger und Bassist bei einem Liveauftritt zu sehen und hören. Außerdem ist auch zweimal - jeweils beim Konzert in Elspe und in Dortmund - das Stück "Müller" zu hören, das bis 1993 gar nicht auf einem Tonträger erhältlich war und von der Band nur live gespielt wurde.

Unter dem Strich kann ich diese DVD nur wärmstens empfehlen. Nicht weil ich bekennender SPLIFF-Fan bin und mit der rosa Brille alles dufte finde, was die Herren Heil, Praeker, Potschka und Mitteregger fabriziert haben, sondern weil es sich hier wirklich um zwei tolle Auftritte der Band handelt. Die beiden Konzertmitschnitte sind kurzweilig, der Finger ist ständig auf der Lautstärken-Taste der Fernbedienung, und es macht irre viel Spaß der Band beim Arbeiten zuzuschauen und zuzuhören. Selbst der Konzertmitschnitt aus Elspe mit den Ton- und Technikproblemen ist absolut empfehlenswert, weiß die Band diese Tücken und Probleme doch geschickt zu überspielen und sich den Ärger - der bei den Musikern mit Sicherheit vorhanden war - nicht anmerken zu lassen. SPLIFF hat die deutsche Musikszene in den 80ern nicht nur geprägt sondern maßgeblich beeinflusst. Nicht der Herr Lindenberg und auch nicht der Herr Grönemeyer, sondern Reinhold Heil, Manne Praeker, Herwig Mitteregger und Potsch Potschka. DVD einlegen, laut aufdrehen und nachfühlen, was die Fans schon seit über 30 Jahren an der Band so schätzen, und warum sie sie in ihr Herz geschlossen haben...
(Christian Reder)


 

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