bobotrans 20130102 1688124535 Titel:
Label:
VÖ:

Titel:

"Transparent"
Motor
9. April 2010

1. Run
2. Courage
3. Keep Movin' On
4. Bottom Of The Ocean
5. A Flower Of Unknown Colour
6. Peace Of Mind
7. Trance Song
8. Shallow Silence
9. Transparent
10. Heart Of Mine
11. Exhale
12. So Called Pride
13. Higher Ground
14. Last Goodbye


Als Bobo In White Wooden Houses nach dem tragischen Tod des Gründungsmitglieds und Gitarristen Frank Heise im Jahre 1995 von der Bühne abtrat, blutete vielen Musikfreunden das Herz in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, dass mit Heise ein genialer Gitarrist und Musiker freiwillig aus dem Leben schied, mit Bobo In White Wooden Houses ging außerdem eine der Bands unseres Landes in eine selbstverordnete Zwangspause, der man eine große Karriere vorausgesagt hatte. "Bobo" war zu dieser Zeit eine der Gruppen, die mit Sicherheit den Sprung über die Grenzen Deutschlands hinaus ins Ausland geschafft hätte. Die Frage nach dem "ob" stellte sich nicht, sondern es war nur die Frage, wann das passieren würde...
Ganze neun Jahre lang war die Band nicht mehr existent und Frontfrau Christiane "Bobolina" Hebold widmete sich anderen Dingen und Musiken. Dann, im Jahre 2004, gab's die frohe Botschaft für alle Fans der Bobo-Band: "Das Comeback in neuer Besetzung geht klar!" Es folgten wieder Live-Auftritte und drei Jahre später mit "Mental Radio" das erste Album nach zwölf Jahren. Heute, weitere drei Jahre später, steht die Ankündigung für das fünfte Album der Indie-Band schon in diversen Gazetten und auf vielen Webseiten: "Transparent" kommt am 9. April in die Läden!

"Transparent" ist ein 14 Stücke umfassendes Werk, das hinter die Tatsache, dass Bobo in White Wooden Houses wieder voll und ganz in der Musikszene angekommen ist, ein dickes, fettes Ausrufezeichen setzt. Seit der '95er Scheibe hören wir auf "Transparent" auch wieder Lexa Schäfer den Bass zupfen, denn er zählt seit 2007 wieder fest zum Line Up der Bobos... Oft hat man Plattenkritiken, in denen leichtfertig und inflationär das Wort "Meisterwerk" verwendet wird. Ein Privatsender unseres Landes umschreibt die Produktionen, bei denen er selbst eifrig mitwirkt, und die über den Sender feil geboten werden, stets als sensationell, auch wenn sie es zu über 90% nicht sind. Doch wenn man all diese Attribute auf "Transparent" anwenden wollte, man könnte dies ohne schlechtes Gewissen tun. "Transparent" dürfte das Meisterwerk der Band sein, denn musikalisch zeigt sich die Gruppe im Jahre 2010 so entschlossen und ausgereift wie noch nie zuvor. Die Produktion ist schlicht und ergreifend umwerfend und offensichtlich wurde hier auch nichts dem Zufall überlassen. Insgesamt kommt die Scheibe recht finster daher, aber trotzdem zieht sie einen nicht in ein tiefes mentales Loch. Zwar wandeln Bobolina und Männer längst nicht in der totalen Düsternis, aber "Gute Laune-Musik" ist ganz was anderes. Die Stimme Bobolinas thront mal verträumt, mal durchdringend, an anderer Stelle auch wieder elfengleich über einem bombastischen Klangteppich mit sphärischen Gitarren, durchdringenden Bassläufen und diversen synthie-erzeugten Klangeffekten. Bobolina überzeugt bei jedem einzelnen Song durch ihre facettenreiche Stimme, und auch wenn sie mal traurig oder durch Effekte verfremdet klingt, gelingt ihr das Kunststück, niemals zu dick aufzutragen oder unglaubwürdig rüber zu kommen. Die größtenteils düstere Grundstimmung von "Transparent" gibt ihr reichlich Gelegenheit, die Vielschichtigkeit ihrer Stimme unter Beweis zu stellen. Sie stellt sie bei jedem der Titel in den Vordergrund und läßt sie zum Hauptdarsteller des Albums werden. Bobo in White Wooden Houses bringen neugierige Experimentierfreude mit zeitgenössischen oder altbewährten Sounds zusammen und entwickeln so einen eigenen, markanten Wiedererkennungswert. Es fällt schwer, die Musik der Band mit anderen zu vergleichen oder in eine der immer wieder genannten Schubladen des Musikgeschäfts einzuordnen. Der dezente Einsatz von künstlich erzeugten Effekten in Kombination mit den handwerklichen Fähigkeiten der einzelnen Musiker ist nur eine der Stärken von "Transparent". Mal klingt es nach den Doors ("Keep Movin' On"), dann nach The Cure ("Run"), an anderer Stelle meint man Björk zu hören ("Courage"). Die Betonung liegt auf "man meint", denn das hier klingt eigenständig und scheint eine logische Weiterentwicklung der 70er Psychedelic-Rock-Kunstwerke in Verbindung mit der 80er und 90er Indie-Rock-Bewegung zu sein. Herausgekommen ist eine Mischung, die sich hören lassen kann und ein Klang, der meines Erachtens so nirgendwo sonst geboten wird.

Fazit: Musikalisch sind die Songs auf dem Album ganz große Kunst mit hohem Wiedererkennungswert, der nicht zuletzt auch durch die Einmaligkeit von Bobolinas Stimme erst richtig erzeugt wird. Rockfans werden an der Scheiblette ihre helle Freude haben, aber auch andere Interessierte wird das 2010er Werk der Bobos mit Sicherheit ansprechen!
(Christian Reder)

 


   
   
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