po-gev 20121216 1512858608
Label:
Info:
Datum:

Titel:

PONDerosa Records
www.pond.de
01/07/2009
Ouversage I

Frühe Jahre
Die vergessenen Bilder
Danza funebre del terzo Reich
Totenmaske meines Großvaters

Ouversage II

Leben
Die Rückgabe des Apfels
Familie am Sonntagmorgen
Montagearbeiter
Das Unheil begehrt Einlass

Ouversage III

Glauben
Warschauer Paar
Biko
Kathrin trommelt
Triptychon:
· Vietnamesin
· Höllensturz in Vietnam
· Trommler
Im Namen Gottes

Bonustrack:
Twin Towers Tragedy

Es mutet schon ein bißchen seltsam an, daß die Klassiker der elektronischen Instrumentalmusik fast ausnahmslos in den 70er und frühen 80er Jahren das Licht der Welt erblickten und die danach rasant gestiegenen technischen Möglichkeiten dieser Branche eher ihren Niedergang bescherten, statt sie kreativ zu beleben. Der Fortschritt überholte die einst selbst so progressiven Protagonisten und (ver)führte sie in seichtere Sphären und weniger anspruchsvolle, dafür jedoch erfolgversprechendere Klangwelten. Auch POND aus Berlin ging diesen Weg, hat sich aber erfreulicherweise seit einiger Zeit wieder davon abgewandt und - mittlerweile nur noch aus Mastermind Wolfgang "Paule" Fuchs bestehend - schon im letzten Jahr mit einer gelungenen Elektronik-Version von Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" für positives Aufsehen gesorgt. Aus der Arbeit an diesem Werk heraus entstand die Idee, einen eigenen Bilder-Zyklus zu erschaffen. Zum Objekt dieses Vorhabens wurden Gemälde des bekannten Hallenser Malers Willi Sitte erkoren. Etwas mehr als ein Jahr später liegt nun das Resultat der erneuten PONDschen E-Klassik-Vision vor. Und es überzeugt auf ganzer Linie! Es ist kaum zu fassen, mit welcher Konsequenz und welcher Selbstverständlichkeit Fuchs auf seinem (O-Ton) "Meisterwerk" eine geniale Idee nach der anderen aus dem Hut gezaubert und in geradezu verschwenderisch opulente und wunderbare Töne umgesetzt hat. Ein wahrer Klangrausch umfängt den Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde und fesselt ihn fast schon hypnotisch. Die Fülle an durchdachten Details, songdienlich untermalenden Effekten, facettenreichen Sounds und zum Heulen schönen Melodien macht den Genuß dieser CD zu einem ungeahnt fantastischen Erlebnis, das man nie wieder missen möchte. Dabei hat sich Fuchs übrigens nicht darauf beschränkt, die Sitte-Bilder musikalisch zu beschreiben. Er nahm sie vielmehr als Ausgangspunkt und hauchte ihnen ein Eigenleben ein, das der Fantasie des Hörers nahezu galaktische Weiten eröffnet, in die er sich tragen lassen kann, um seine eigene Welt in ihnen zu erschließen. Vor diesem Hintergrund gestaltet sich selbst das Nichtabdrucken der betreffenden Gemälde (dem diverse Unstimmigkeiten mit der Sitte-Stiftung zugrunde liegen) im Booklet zum Vorteil. An ihrer statt finden sich in den nunmehr leeren Rahmen die schriftlich fixierten Intentionen des Komponisten/Interpreten, die einem das Eintauchen in das Vernissage-Universum noch einfacher machen.
Fazit: "Gemälde einer Vernissage" ist Elektronik-Musik allererster Güte, wie man sie nicht alle Tage auf die Lauscher bekommt und die sich hinter den Genre-Klassikern nicht nur nicht zu verstecken braucht, sondern auf einer Stufe mit ihnen steht. Ein wahres Meisterwerk, das NUR aus Highlights besteht! Demnächst übrigens auch als Klassik-Variante mit den Brandenburger Sinfonikern. (kf)

 


   
   
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