Claudia Koreck: "Holodeck" (Doppel CD)

koreck2017 20170602 1882511850VÖ: 23.06.2017; Label: Universal/Honu Lani Records; Katalognummer: 4260322420146; Komposition & Texte: Claudia Koreck; Musiker: Claudia Koreck (Gesang, Gitarre), Gunnar Graewert (div. Saiten- und Tasteninstrumente), David Levita (Gitarre), Martin Kursawe (Akustikgitarre, Sitar), Sean Hurley (Bass), Aaron Sterling (Schlagzeug); Produktion: Gunnar Graewert; Bemerkung: 2 CDs im aufklappbaren Digipak. Kein Abdruck der Texte!

Titel:
CD 1 (English): Hallabrooklyn • I Got Hope • Holodeck • Paper Aeroplane • I'm Over It • California • Friend • Wall • Another Beautiful Day
CD 2 (Bayerisch): Hallabrooklyn • I Got Hope • Holodeck • Paper Aeroplane • Neuer Mensch • California • Freund • Wand • Himmel so nah


Rezension:
Ich empfinde es immer wieder als sehr erfrischend, wenn bestimmte Künstler ein neues Werk vorlegen. Es ist zwischen all den Großhändlern für musikalisches Leergut immer gut zu wissen, wer noch gute Kunst abliefert, auf wen man sich verlassen kann und um was man am besten einen großen Bogen macht. Wenn die frohe Kunde an mein Ohr dringt, dass die bajuwarische Suzanne Vega, CLAUDIA KORECK, ein neues Album eingespielt hat, fängt die Vorfreude auf den Release-Termin bei mir an. Die Koreck ist nämlich eine der deutschen Künstlerinnen, die seit nunmehr 10 Jahren rast- und ruhelos neue Ideen sucht und findet und die einen immer zu überraschen weiß. Am 23. Juni 2017 erscheint mit "Holdeck" das nunmehr sechste Studioalbum der gerade 31 Jahre alt gewordenen CLAUDIA KORECK, und auch das wird wieder eine Menge neuer positiver Eindrücke und gesteigerte Lust auf ihre Musik hinterlassen.

"Hallabrooklyn" ist der erste Song auf dem neuen Album und man sieht bei geschlossenen Augen im Kopfkino genau die von vielen Lichtern erleuchtete Skyline von New York, während man des nachts mit dem Auto über die Schnellstraße am Big Apple vorbei fährt. Drei sich immer wiederholende Klaviertöne, Synthie-Teppich und Perkussion leiten eine elegant dahin gleitende Nummer ein, auf der sich die wunderbar hell klingende Stimme der Sängerin ausbreitet. Der Beat erinnert ein wenig an Eric Claptons "It's Probably Me" und ein angenehmer Schauer läuft einem in den ersten 4:20 Minuten des Albums immer wieder über den Rücken. Was für ein tolles Stück Musik empfängt uns hier gleich zu Beginn?! Es ist diese aufgeräumte Melancholie dieses Liedes, die begeistert und den Hörer auch gleich mitnimmt. Die Messlatte mag damit für den Rest der Scheibe vielleicht sehr hoch gelegt worden sein, aber mit den nun folgenden acht Liedern und einem gekonnten Wechsel zwischen flott und ruhig überspringt CLAUDIA KORECK diese immer wieder mit Leichtigkeit.
Mit "I Got Hope", das nur einen englischen Titel trägt, dessen Inhalt aber in Bayrisch transportiert wird, geht es nämlich schon weiter mit dem aus Noten bestehenden Stabhochsprung. Die Botschaft ist klar: Die Welt ist trotz aller schlechten Nachrichten schön, die Natur hat ihre eigenen Gesetze, die kleinen Dinge des Lebens begeistern einen und man hat immer noch Hoffnung, "ganz egal was morgen passiert". Mit Banjo, Mandoline, Akustikgitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboards und einer gehörigen Portion Optimismus in der Musik hat die Musikerin ihren Inhalt instrumental eingekleidet. Entstanden ist ein folkig angehauchter Popsong mit dem unverkennbaren Charme der CLAUDIA KORECK.
Wesentlich ruhiger und mit einem Hauch von Jazz begegnet uns das Liadl "Holodeck". Aus all dem dazwischen steckenden Moll kommt aber im Refrain auch immer wieder eine Menge Dur raus, denn es ist ein Stück zum sich selbst Mut machen, sich selbst aufmuntern und sich selbst wieder aufbauen. Exzellent in Szene gesetzt und nicht weniger schön in Worte gekleidet.
Auch "Paper Aeroplane" hat einen englischen Titel bekommen. Die inhaltlich insgesamt ziemlich verträumt anmutende Nummer hat dagegen jedoch - wie auch "I Got Hope" - einen deutschen Text. Auch hier tropft der Folk aus jeder Sekunde des Stücks. Eine sphärisch gespielte Gitarre im Mittelteil sprengt die musikalischen Grenzen und unterstreicht zudem die schwebende und träumerische Stimmung des Liedes. Die Nummer schickt die Phantasie der Hörer auf Reisen und ist eine weitere Filmmusik für das Kopfkino. Einfach nur herrlich!
Ein paar Takte weiter gibt es mit "California" einen treibend arrangierten Muntermacher mit der Aufforderung, im Kopf eine Reise zu beginnen und die Sonne rein zu lassen und mit "Freund" eine echte Country-Ballade. Komplett das Gegenteil bildet "Wand", das als zeitgemäßer Popsong mit verschiedenen derzeit aktuellen und charterprobten Produktionselementen auf sich aufmerksam macht. "Wand" ist ein gutes Beispiel dafür, dass radiotaugliche Popmusik nicht immer von der Stange sein und nur aus Refrains bestehen muss. Ein Song, der alles hat.
Wer nach den (leider nur) neun Liedern auf dem Album noch immer, und wahrscheinlich auch noch größeren, Hunger nach koreck'scher Musik hat, kommt dieses Mal in den Genuss einer Zugabe. Das komplette Album liegt nämlich auch in englischer Sprache gesungen als zweiter Silberling bei. Viel Spaß bei der internationalen Holodeck-Reise ...

Unter dem Strich ist zu konstatieren, dass CLAUDIA KORECK mit ihrem neuen Album einmal mehr zeigt, welch erfreuliche Konstante sie in der Szene ist. "Holodeck" ist ein Album mit vielen verschiedenen Facetten und Ideen, die die Künstlerin sowohl inhaltlich als auch musikalisch wohltuend umgesetzt hat. Nun wird es auch Zeit, dass sich das auch nördlich des Weißwurst-Äquators noch mehr und verstärkt herum spricht, damit der Konzertkalender der Künstlerin auch mal Orte außerhalb des 6er und 8er Postleitzahlen-Bereichs aufweisen kann. Die Musik und auch die Künstlerin haben es mehr als verdient, denn das Album hält mit jeder internationalen Produktion locker mit, und überholt manche sogar. Also: Keine Scheu vor der Mundart und wer sie dennoch nicht ertragen kann, kann dieses Mal ja - wie schon erwähnt - auf eine Alternative zurückgreifen.
(Christian Reder)






"Paper Aeroplane"



 
 
 
 
 
 

   
   
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