UNBEKANNT VERZOGEN: "Probeleben" (CD Album)

uv2017 20170923 1968511859VÖ: 29.09.2017; Label: hTMV; Katalognummer: ohne; Musiker: Patricia Heidrich (Gesang), Hannes Funke (Gitarre, Keyboard, Gesang), Karsten Schützler (Bass, Gesang), Gerald Zaczyk (Schlagzeug, Gesang); Produzent: Peter Funke; Bemerkung: CD Album im aufklappbaren Digipak inkl. Booklet mit Abdruck aller Texte;

Titel:
ONS (Der Morgen danach) • Die Suchende • Reiner Wein • Oskar & Ursula • Dich bei mir wissend • Janus • Nur nicht an Dich denken • Tamara • So Äne kleine Frau • Schlaf ein • Schwer wie Blei • Loch im Kopf • Genieß den Schmerz • Wahlsonntag • Wiederkehr


uv2017bInterview: Das komplette Gespräch zwischen unserem Kollegen Christian mit Patti und Karsten von UNBEKANNT VERZOGEN aus dem Monat Juli, in dem das Album Thema war, kann HIER nachgelesen werden.

 

Rezension:
UNBEKANNT VERZOGEN, das sind die Berliner Patricia "Patti" Heidrich, Hannes Funke, Karsten Schützler und Gerald Zaczyk. Die Texte stammen meist von Patricia Heidrich - das kommt dann auch besonders authentisch rüber - und die Kompositionen von den übrigen Bandmitgliedern. Mit dem am 29. September 2017 erscheinenden Album legt die Band erst ihre zweite Veröffentlichung vor, obwohl sie schon seit 2003 zusammen musizieren - allerdings mit anderen Besetzungen. Man sollte schleunigst alle Hebel in Bewegung setzen, um sie zu "finden". Um mit ihnen über die inneren Beweggründe für das neue Album zu sprechen, das so vielfältig ist, wie man es sich nur wünschen kann. Ich habe sie in Form ihrer CD gefunden.

Ein Titel nennt sich "Wahlsonntag", was zum Beispiel für die Bundestagswahl eine Wahlhilfe sein könnte oder hätte sein können - oder doch nicht? In diesem Song singt die toughe Patricia mit mächtiger Stimme von dem, was sie nicht will oder wenn doch, dann in abgewandelter Form. Bisschen im rotzigen NDW-Stil. Pustekuchen, es geht um die (Aus-)Wahl verschiedenster täglicher Verrichtungen, möglichst wild und ungestüm. Allgemein stellt man fest, dass die Songs viele balladeske, lyrische, rockige und auch freche Momente aufweisen. Gut vorstellbar, dass die Lebenserfahrung der Musiker in die Kompositionen mit einfloss: Kleine Tragödien, unvergessliche Erinnerungen, aber natürlich auch positive Erfahrungen. Alles wird in ausgereiften Arrangements dargeboten, die stereotype Modelle beiseite lassen. Einheitsbrei? Völlige Fehlanzeige, hier ist wie schon bei der ersten Platte "Piratenbräute" stilistische, klangliche und interpretatorische Vielfalt angesagt. Zwei bekannte Musiker erkannten ihre Talente: Der leider viel zu früh verstorbene Reinhard Fißler, der bei "Zweiter Tag" auf der ersten CD "Piratenbräute" mitwirkte. Auch mit Dirk Zöllner gab es damals musikalische Kontakte.

Nicht zu vergessen eine doppelte Hommage an die unvergessene Tamara Danz mit "Tamara" und einem Cover von Sillys "So 'ne kleine Frau", das die Band mit dem gebührenden Respekt einfühlsam zelebriert. Erfrischend und berührend zugleich. Der 15. und letzte Song "Wiederkehr" beschließt mit einer sanften Ballade eine CD mit Tiefgang, vielfältigsten musikalischen Einfällen und dem unnachahmlichen Gesang von "Patti". Was mir besonders gefällt, sind die einfallsreichen Instrumentierungen und Arrangements, die eingesetzt werden und die vielsagenden Texte mit noch mehr Leben erfüllen. Ich wundere mich immer wieder über das hohe Niveau solcher und anderer Formationen, die kaum Chance haben, jemals im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgestellt zu werden. So versumpfen diese Sender (in Deutschland sage und schreibe ca. 75), sofern sie Unterhaltungsmusik senden, im oft unsäglichen Mainstream-Gedudel und sägen so Stück für Stück den Ast ab, auf dem sie - wohlgenährt durch die öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe - sitzen. Tut mir leid, das musste mal raus ...

Jedenfalls muss man den UNBEKANNT VERZOGENen viel Durchsetzungsvermögen bei ihren engagierten Projekten auf ihrem weiteren Weg wünschen. Ich empfehle unbedingt, sich die Musikclips in einer ruhigen Stunde vorzunehmen, die eine gute Entscheidungshilfe darstellen.
(Gerd Müller)






Videoclips:
















 
 
 
 

   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2017)