blankjonesapril 20160311 1870256652 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"April"
Blank & Jones
Soundcolours/Soulfood
1. April 2016

1. April (Single Edit) - 03:36 Min.
2. April (Milchbar Mix) - 04:31 Min.
3. April (Solo Piano) - 04:05 Min.
4. Lovelee Dae (Cassara Remix) - 06:52 Min.





Im Jahre 1992 kaufte ich mir das Album "Wie im Leben" von Herwig Mitteregger. Als Single wurde damals der Song "April" ausgekoppelt. Was für ein wunderbares Lied, das von seiner Schönheit und seinem Reiz bis heute nichts eingebüßt hat. Es ist ein zeitlos schönes Musikstück, das einem mit seinem Text wunderbare Bilder in den Kopf malt. Dazu die einzigartige und sofort wiedererkennbare Stimme Herwig Mittereggers, die dem Titel auf ganz besondere Art und Weise Leben einhaucht. Obwohl in Deutschland kaum noch einer Bock auf deutschsprachige Rock- und Popmusik hatte, konnte sich die Single immerhin noch auf Platz 67 der deutschen Charts platzieren. Dafür musste man damals noch einige Scheiben verkaufen, um dort zu landen. Knapp 24 Jahre später greifen nun Blank & Jones dieses Lied auf, um eine eigene Version davon in Umlauf zu bringen.

Während das Original schon zu Beginn mit seinem sphärischen Synthie-Teppich und dem sich darauf ausbreitenden Gitarren-, Bass- und Schlagzeug-Spiel überzeugt, fällt der 2016er Remix sofort durch zwei Dinge unangenehm auf: Als erstes wurde hier auf ein organisches Schlagzeug verzichtet. Das finde ich schon bemerkenswert, dass man dem Song eines der besten Schlagzeuger des Landes das monotone Gewummer eines Drum-Computer untermischt. Wenn man sein Zeug im heimischen Wohnzimmer zwischen Frühstück und Mittag zusammenschraubt, kann man das ja durchaus machen, aber allein dieser Fakt lässt uns den Begriff "Hommage", die man bei einem solchen Remix eigentlich vermuten darf, dass es eine sein soll, schon mal ausklammern. Das geht überhaupt nicht! Der zweite, und für mich ganz wichtige Punkt, ist die Stimme von Jan Löchel. Löchel ist - da gibt es wohl keine zwei Meinungen - ein exzellenter Sänger mit einer angenehmen Stimme, doch leider kann er die Magie des Originals nicht einfangen und vor allen Dingen die zum Song einfach perfekt passende Stimme Mittereggers nicht ersetzen. Das liegt nicht an ihm, das liegt schlicht am Song. Vielleicht war Mitteregger als Sänger des Remix ja sogar selbst im Gespräch, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er dem Produzenten-Team aufgrund des unerfreulichen Fakts Nr. 1 dankend einen Korb gegeben und abgewunken hat. Damit haben wir schon zwei ziemlich große Mängel, die auch durch die tolle Gitarrenfigur im Mittelteil des Stücks, ohne die man das vorliegende Werk wohl als Totalausfall werten könnte, leider nicht wett gemacht werden. Der Song plätschert insgesamt ziemlich lust- und kraftlos dahin und hat - bis auf die Melodie und den Text - nichts weiter mit der 1992er Single von Herwig zu tun. Diese Version erreicht mich überhaupt nicht und der erste zündende Funke, den ich 1992 beim Original erlebte, suchte ich bis zum Schluss der Nummer vergeblich. Hier wurde offenbar versucht, einen Song für Clubs zu produzieren, den man mal eben in einer Couchecke lungernd und Cocktail-schlürfend konsumieren kann, während man sich mit Gleichgesinnten über die neusten Smartphone-Trends und anderem Schickimicki-Kram oberflächlich unterhält. Dafür ist "April" aber die falsche Wahl, weil es hier auch um den Inhalt geht. Mehr noch ... es geht um die Mischung aus Musik und Inhalt. Aus einem Song zum Träumen, Mitdenken und Mitfühlen wurde hier ein Song zum Einschlafen gemacht. Besonders deutlich wird das bei der zweiten Version des Stücks, dem sogenannten "Milchbar Mix". Dieser könnte gut und gerne auch in der Anästhesie zum Einsatz kommen, denn tatsächlich wird man damit in einen Zustand der Empfindungslosigkeit versetzt. Als dritte Version gibt es dann Jan Löchel mit Piano-Begleitung pur. Die für meinen Geschmack beste der drei Versionen, allerdings auch kein Kandidat, der auf der heimischen Anlage öfter als einmal zum Einsatz kommen wird. Titel Nummer 4 auf der Single ist eine Bumm-Bumm-Mischung des Stücks "Lovelee Dae" und auch nicht groß erwähnenswert.

Der Pressetext überrascht übrigens mit der kühnen Aussage, "... Blank & Jones unterstreichen mit der Auswahl dieses Songs einmal mehr ihre Ausnahmestellung in Punkto Musikwissen ...". Um sowas zu schreiben oder von sich zu behaupten, muss man schon kerngesund sein. Blank & Jones sind in den letzten Jahren immer wieder mal aufgetaucht, wenn sie alte Maxi-Versionen von Songs aus den 80ern "compiled" und digital überarbeitet wiederveröffentlicht haben. Natürlich nicht ohne groß ihren Namen auf das Cover zu pappen, als sei das Nachbearbeiten alter Songs wichtiger als die Arbeit der Musiker von damals. Trotz aller Selbstüberschätzung haben sie damit aber gute Arbeit geleistet, denn die Kopplungen machen viel Spaß. Hier gehen sie aber einen ganzen Schritt weiter und greifen wesentlich tiefer in die Arbeit anderer Künstler ein. Am 1. April erscheint unter ihrem Namen diese Single für die ich mir wünsche, dass sie reichlich GEMA-Tantiemen für Herwig Mitteregger als Schöpfer von Song und Text einbringen werden. Das dürfte der positivste Effekt dieses Remix sein. Über alles andere ist in dieser Rezension bereits alles gesagt. Man kann zwar Hand an große Vorlagen legen, aber man sollte dann auch versuchen, die Seele des Stücks nicht zu töten. Denn das ist den Herren von Blank & Jones hier tatsächlich ganz hervorragend gelungen. Vielleicht ist das ja auch eine Erwähnung beim nächsten Pressetext wert?
(Christian Reder)




   
   
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