repent 20121118 2040090675Auch wenn Accu§er mit der Veröffentlichung von "Repent" 1992 von vielen Metalheads und Genremedien erstmals wahrgenommen wurden, handelt es sich keineswegs um ihr Debüt. Die 1986 gegründete Siegener Gruppe hatte vielmehr schon ein gutes Stück ihrer Karriere absolviert und bereits vier Platten auf der Habenseite. Dennoch stellte "Repent" einen Neustart dar, der den bisherigen Weg der Band mit einer radikalen Richtungsänderung versah. Der Ausstieg von Sänger/Bassist Eberhard Weyel - seit Gründung Frontmann und Aushängeschild von Accu§er - hatte die Formation gezwungen, sich neu aufzustellen. Gitarrist René Schütz, der drei Jahre zuvor ausgestiegen war, kam zurück. Sein bisheriger Nachfolger Milan Pešl wechselte an den Baß (wo er nach VÖ der Scheibe von Guido Venzlaff - übrigens als Kreuzträger auf dem Cover bereits zu sehen - abgelöst wurde) und den Vocalpart übernahm, neben der zweiten Gitarre, fortan Frank Thoms. Dieser personellen Umstrukturierung folgte die musikalische. Die verschachtelten und oft komplizierten, spieltechnisch höchst anspruchsvollen Thrash-Metal-Songgebilde, mit denen Accu§er bis dato nicht selten für offene Mäuler im Publikum gesorgt hatten, hätten Thoms in der Doppelbelastung an Gitarre und Mikrofon vor eine zwar keineswegs unlösbare, aber dennoch wenig erstrebenswerte Aufgabe gestellt. Zudem unterschied sich seine Stimme in Umfang und Färbung gravierend von Weyels, was eine bloße Fortsetzung der bisherigen Gangart ohnehin unmöglich machte.

VÖ:
Label:

Titel:

 

 

 

 

 

Line up:

1992
Metal Machine / Rough Trade

· Rotting From Within
· Repent
· Get Saved
· Sacrifice Machine
· The Living Death
· The Drones
· Judgement Gone Blind
· Nosferatu
· Metal Machine Music

Frank Thoms (voc, g)
René Schütz (g)
Milan Pešl (bg)
Volker Borchert (dr)

Bemerkung: Die CD ist, wie der gesamte Accu§er-Backkatalog, als 1997er Neuauflage von KOCH International erhältlich.

Und letztendlich war der ursprüngliche Accu§er-Sound auch irgendwo an die Grenzen seiner Entwicklungsfähigkeit gestoßen. Der Zeitpunkt für eine Kurskorrektur war also nicht nur günstig, er war auch gekommen. Wer jetzt aber glaubt, die Band habe ihr Niveau abgesenkt, um mit simplen Liedchen dem Mainstream hinterherzuhecheln, der irrt gewaltig! Thoms' und Schütz' irre Läufe und Soli waren immer noch geeignet, andere Gitarristen in den Wahnsinn zu treiben und Volker Borchert trommelte nach wie vor nach dem Motto: "Wo ich hinhaue, wächst definitiv kein Gras mehr!", aber die Kompositionen waren griffiger und zugänglicher geworden, die Songstrukturen geradliniger und der Sound kerniger. Auch die Tricks, Tempowechsel und Breaks kamen flüssiger rüber, so daß es dem geneigten Hörer nicht mehr so schwer fiel, die Rübe im Takt zu schütteln. Auf Mitgröhl-Refrains, wie sie gerade im Metal nicht selten anzutreffen sind, mußte er bei Accu§er jedoch weiterhin verzichten. Die bedeutungsschweren und niemals plakativen Texte, die sich kritisch (und dabei auch deutlich) mit Kirche, Obrigkeit, Justiz und Gesellschaft auseinadersetzen, machten diesen "Mangel" aber mehr als wett. Sie verlangen Aufmerksamkeit und regen zum Nachdenken an, statt stumpf zu provozieren oder mit "bösen" Schlagworten zu operieren. Die Songs von "Repent" sind jeder für sich genommen musikalische und lyrische Kleinodien, die vor zündenden Ideen, Spielfreude und auf den Punkt sitzenden, flüssigen Aufbauten schier explodieren und dem Hörer genau dieses Gefühl vermitteln.
Einen ganz besonderen Clou hatte man sich für das Ende des Albums ausgedacht. Gemeinsam mit Die Krupps, deren Mastermind Jürgen Engler bereits das Vorgängeralbum "Double Talk" koproduziert hatte, erschufen Accu§er einen neuen Sound, bei dem die hypnotisierenden Beats des Techno harmonisch mit dem aggressiven Potential des Metal verknüpft wurden. Das Ergebnis hörte auf den Namen "Metal Machine Music" und vereinte zwei eigentlich unvereinbare Stile auf kongeniale Weise. Trendsetter wurden Die Krupps, die sich später übrigens selbst mehr in Richtung Metal bewegten, und Accu§er damit allerdings nicht. Sicher auch deshalb, weil man mit "Metal Machine Music" bereits den Höhepunkt des neuen Genres geschaffen hatte... Fest steht jedenfalls, daß "Repent" eine überaus gelungene Neudefinition einer bereits etablierten Band darstellte, die damit nachhaltig und vor allem ohne an Authentizität zu verlieren einer ereignisreichen Zukunft entgegensah, die - mit gelegentlichen Unterbrechungen - bis heute andauert. (kf)

Frank Thoms über "Repent": Ein wichtiges und einschneidendes Album, da es die Wende der Band darstellte. Eberhard, Trademarker des Gesangs, verließ die Band und es war zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Schließlich entschied ich mich dafür, nicht nur Gitarre zu spielen, sondern Sänger und somit Frontmann von Accu§er zu werden. Es entstanden neue Songs, die zu meinem Stil passten.
Mein grosses damaliges Vorbild Max Cavalera (Sepultura) spiegelte sich in meinem Gesang hier und da wider und der vorher bekannte Accu§ersound wurde etwas versepultiert!
Auch der Gesamtsound von "Repent" unterschied sich von den vorherigen Veröffentlichungen. Zu dieser Zeit waren René und ich begeistert von diesen Monstergitarrensounds ala "Exhorder" und "Believer". Viel Bass und keine Mitten! Den endgültigen Stempel bekam "Repent" dadurch aufgedrückt, dass man den Mix im gleichen Studio vollendete, in dem auch die "Believer"-Alben produziert wurden.
Textlich arbeitete ich mit Mary Buck (damalige Freundin von Jürgen Engler/Die Krupps) zusammen. Hier flossen u.a. ihre Erfahrungen mit christlichen Praktiken in Amerika ein, die nicht allgemeingültig sein, sondern gewisse Extreme aufzeigen und diese kritisieren sollten.
Großartige Arbeit leistete auch der Fotograf Christian Wickler, der die Textinhalte im Artwork des Albums widerspiegeln ließ.
Damit waren alle Puzzleteilchen beisammen und das Konzeptalbum namens "Repent" war geboren. Zu guter letzt wurde noch der Song "Metal Machine Music" angehangen, der in Zusammenarbeit mit "Die Krupps" entstanden war und einen Abschluss im Industrialsound darstellte. Sowas wird auch heute wieder gemacht (Morbid Angel), doch Accu§er haben mutig und aller Kritiken zum Trotz 1992 den Vorreiter gemacht!
Meiner Meinung nach und ohne rot zu werden, auch wenn ich selbst ein Teil davon bin, ist und bleibt "Repent" ein Meilenstein der deutschen Thrashgeschichte!

 


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