phd1 20121118 1450052402Da war sie also endlich, die langerwartete erste Puhdys-LP. Fällig war sie schon seit einiger Zeit, zumal die Klaus-Renft-Combo, die sich seit 1971 auf den ersten Plätzen der Wertungssendungen regelmäßig mit den Puhdys abwechselte, ihre Schallplatte schon vorgelegt hatte und bereits an der zweiten arbeitete. Wie das Debüt von Renft war auch "Die Puhdys" ein Sammelsurium an Hits, die den Test der Hörer längst bestanden hatten. Insbesondere die Ohrwürmer aus dem Film "Die Legende von Paul und Paula" ("Geh zu ihr", "Wenn ein Mensch lebt") mußten kaum jemandem noch vorgestellt werden, sie liefen sowieso in Funk und Fernsehen rauf und runter und waren echte Gassenhauer. Aber auch "Vorn ist das Licht", "Ikarus", "Von der Liebe ein Lied" und "Türen öffnen sich zur Stadt" (der erste Puhdys-Hit überhaupt) zählten zu den bekanntesten Liedern der noch jungen Beat-Szene im allgemeinen und der Puhdys im besonderen.

VÖ:
Label:

Titel:

 

 

 

 

 

 

Line up:

1973
AMIGA

Vorn ist das Licht
Von der Liebe ein Lied
Mann im Mond
Vineta
Türen öffnen sich zur Stadt
Sommernacht
Ikarus
Geh zu ihr
Wenn ein Mensch lebt
Zeiten und Weiten

Dieter Birr (g, voc)
Dieter Hertrampf (g, voc)
Peter Meyer (keyb)
Harry Jeske (bg)
Gunther Wosylus (dr, perc)

Bemerkung: Auf CD nur im Doppelpack mit "Puhdys" (2) erhältlich.

Kein Wunder also, daß das Album ein Renner wurde und sich wie die sprichwörtlichen "warmen Semmeln" verkaufte. Es wäre jedoch nicht ganz fair, wenn man den Puhdys-Erstling nur auf die schon bekannten Hits reduzierte, er hatte nämlich noch mehr zu bieten und beinhaltete auch nicht alle Erfolgstitel der Jahre 1971-73. "Manchmal im Schlaf" z.B. kam erst auf der zweiten LP zum Zuge und "Geh dem Wind nicht aus dem Wege" fehlte ebenfalls. Dafür gab es ein paar neue Lieder zu hören, die genau da weitermachten, wo die Puhdys angefangen hatten. "Mann im Mond" setzte die Erfolgsstory fort, "Zeiten und Weiten" schlug sich ebenfalls beachtlich und "Vineta" kam als Titelmelodie einer Radiosendung zu Ehren. Alles in allem also eine perfekte Platte? Nun, nicht ganz, denn auf einem Gebiet hätte man sie noch verbessern können: Der Reihenfolge der Titel nämlich. Die war, zumindest aus unserer Sicht, nicht so gelungen und nahm dem Gesamteindruck ein wenig den Wind aus den Segeln. Wer Lust und Laune hat, sollte sich die Tracklist einfach mal so zusammenstellen: "Vorn ist das Licht", "Türen öffnen sich zur Stadt", "Geh zu ihr", "Ikarus", "Sommernacht", "Mann im Mond", "Wenn ein Mensch lebt", "Zeiten und Weiten", "Von der Liebe ein Lied", "Vineta". Ansonsten natürlich ein unverzichtbarer Bestandteil jeder halbwegs auf Vollständigkeit bedachter Ostrock-Plattensammlung und nicht zuletzt eine der für die Entwicklung einer eigenständigen Musikszenerie populärer Prägung wichtigsten Scheiben der DDR-Historie. (kf)

Peter Meyer über "Die Puhdys": Das erste Puhdys-Album unterscheidet sich gravierend von allen anderen. Wir sind hier nicht ins Studio gegangen und haben die Platte aufgenommen, sondern die meisten Titel sind in gewissen Abständen nacheinander entstanden und im Rundfunk produziert und auch gesendet worden. Sie waren also schon vorher bekannt. Für die Schallplatte wurden lediglich noch zwei oder drei Songs zusätzlich bei AMIGA eingespielt. Insofern war der Erfolg der Scheibe schon vorprogrammiert, weil die meisten Songs bereits Spitzenplätze in den Hitparaden gehabt hatten. Das ist der große Unterschied, der diese Platte von allen anderen abhebt und zu etwas Besonderem macht. Die problematischste wurde dann die zweite, weil man da gar nicht wußte, wie die zehn komplett neuen Lieder beim Publikum ankommen würden.

 


   
   
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