dr73 20121118 1757614512Als 1973 diese erste Porträt-LP von Dean Reed auf AMIGA erschien, hatte der "rote Elvis" schon einiges hinter sich. Angefangen hatte er als "normaler" Rock'n'Roll-Sänger mit bescheidenen Erfolgen in seinem Heimatland USA, später kam die Schauspielerei hinzu. Großen Zuspruch erhielt seine Musik vor allem in Südamerika, wo er als Pop-Star gefeiert wurde. Ausgedehnte Tourneen folgten, bei denen Reed vor immer größerem Publikum auftrat. Gleichzeitig schärfte sich sein Blick für Mißstände und Ungerechtigkeiten in der Welt und er begann, seine Reputation und seine Kunst zunehmend für politische Zwecke einzusetzen. Er demonstrierte für Menschenrechte, protestierte gegen den Vietnam-Krieg und gegen US-amerikanische Atomwaffen-Tests. All dies tat er mit Inbrunst und Überzeugung. Doch dies allein unterschied ihn noch nicht sonderlich von anderen Kollegen (wie z.B. Bob Dylan). Erst seine Kontakte zur und öffentlichen Auftritte in der Sowjetunion ließen ihn für Geheimdienste und Polizei interessant werden. Er siedelte nach Italien über, spielte dort in vielen Filmen kleine und große Rollen, bevor er seine Karriere in der Sowjetunion fortsetzte, wo er Schallplatten besang und Konzerte gab. 1970 engagierte er sich in Chile aktiv im Wahlkampf der Volksfront Dr. Allende, wusch vor der US-Botschaft in Santiago de Chile symbolisch ein Sternenbanner, um auf all die unschuldigen Opfer der Militärpolitik seines Heimatlandes aufmerksam zu machen und verurteilte nach heimlichem Grenzübertritt auf einer Pressekonferenz in Argentinien die dortige Militärdiktatur.

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Line up:

 

1973
MELODIJA / AMIGA

We Are The Revolutionaries
Things I Have Seen
Пусть всегда будет солнце
Guantanamera
We Shall Overcome
Caminando e cantando
Glory Hallelujah
I Did It My Way
Love Resister
Softly
Mississippi-Line
Yesterday When I Was Young
Non e la Pioggia

Dean Reed (Gitarre, Gesang)
Vokal-Quartett "Ulybka"
Orchester des Moskauer
Estraden-Theaters
Dirigent: Oleg Schimanowski

Die daraus resultierenden Gefängnisaufenthalte machten Reed für die sozialistischen Machthaber zu einer Art Märtyrer und einer wichtigen Propagandafigur und so war es nur folgerichtig, daß der "abtrünnige US-Boy" schließlich auch in der DDR auftauchte, wo er zunächst auf der "13. Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen" in Leipzig auftrat.
Rundfunkproduktionen, eine Fernsehsendung und ein Spielfilm ("Aus dem Leben eines Taugenichts") folgten, bevor Dean Reed mit dieser Produktion von "Melodija" (UdSSR) auch auf AMIGA debütierte. Die Platte beinhaltet einen durchaus repräsentativen Querschnitt aus Reeds damaligem Programm. Das reicht von bekannten Schlager- und Hit-Titeln wie "Eloise" und "I Did It My Way" über internationales Liedgut aus den Ländern, in denen er bisher gelebt hatte, Standards aus der Friedensbewegung ("Guantanamera", "We Shall Overcome") bis zu eigenen Kompositionen, die sich in Musik und Text in den vorgegebenen Rahmen einfügen. Dabei kommt es gelegentlich vor, daß Reeds Interpretation in Sachen Inbrunst und Pathos ein wenig über's Ziel hinausschießt und auf den unbedarften Zuhörer unfreiwillig komisch wirkt. Als Beispiel sei an dieser Stelle die reedsche Variation des sowjetischen Pionierliedes "Пусть всегда будет солнце (Immer lebe die Sonne)" genannt. Wer derartiges zu tolerieren gewillt ist, bekommt jedoch ein aussagekräftiges Stück Weltmusik eines wahrhaft authentischen Kosmopoliten auf Englisch, Spanisch, Italienisch und Russisch präsentiert, das in dieser Form einzigartig ist und endlich auf CD wiederveröffentlicht gehört.
Wie die Geschichte Dean Reeds weiterging und schließlich durch Suizid endete, ist nicht zuletzt durch den sehr empfehlenswerten Film "Der rote Elvis" zur Zeit wieder greifbares Thema. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, die bewegende letzte Strophe des Liedes "Things I Have Seen" (Komposition & Text: Dean Reed) einmal zu verinnerlichen und wirken zu lassen: "I hope before I leave this earth / that I'll be able to find / a land where the people love instead of hate / a land that I can call mine" Die Hoffnung nahm er mit ins Grab... (kf)

 


   
   
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