stoppok 20121118 2040847947Ein Rezensent bei Amazon bezeichnete dieses Album mal als "Einstiegsdroge für werdende Stoppok-Fans". Ich glaube, besser kann man "A'schklar" von 1991 nicht in einem Satz beschreiben. Und da ist tatsächlich was dran, denn durch diese LP wurde auch ich infiziert! Es ist wirklich alles drin in dem Paket, das er Anfang der 90er für sein Album geschnürt hat. Von der Ballade bis zum knallharten Rocksong findet sich alles wieder. Kaum ein anderer deutscher Musiker karikiert die Realität so scharfzüngig wie Stefan Stoppok, der Spagat zwischen Alberei und feinsinnigem Humor gelingt ihm mit Bravour! Seine Lyrik ist verpackt in Funk und Blues, in Folk und Rock. Damit ist nicht nur Stefan Stoppok selbst einzigartig, auch dieses Album ist es. "A'schklar" beinhaltet hochkarätige und beeindruckende Titel, die beim Hören bleibende Spuren hinterlassen.
Im Winter '91 dudelte das Radio in meinem Büro ständig, allerdings war man von den 80ern so verwöhnt, dass es alles, was es damals neu gab, einfach schwer haben mußte, von mir gemocht zu werden (Auch Herr Grönemeyer befand sich da schon auf dem absteigenden Ast - ist nur meine Meinung). So waberte der frühe Techno-Sound (den ich damals schon inbrünstig gehasst habe) ebenso aus dem kleinen Empfänger , wie die krampfhaften Versuche diverser Künstler, an die guten alten 80er anzuknüpfen. Kaum einem ist es gelungen, mich wieder in den Plattenladen meines Vertrauens zu lotsen, um mir sein neues Produkt für den heimischen Entertainment-Turm (Stereoanlage) zu kaufen.Und plötzlich stellte der Sender einen neuen Song vor. Es war ein Titel, der mich und meine damalige Kollegin tatsächlich dazu brachte, die Arbeit mal links liegen zu lassen und genauer hin zu hören. Der Kerl, der da mit einem uns sehr vertrauten Dialekt (Ruhrpott) sang, war Stefan Stoppok. Der Titel hieß "Aus dem Beton". "Dumpf dröhnt es aus dem Beton, wie ein Schrei in das Ohr. Es dröhnt wie ein Gong, und es kommt ihr so vor, als wär der Winter zu Ende" heißt es in den ersten Zeilen des Titels. Der Song beschreibt die Situation einer bereits länger allein lebenden Frau und eines ebenfalls bereits länger allein lebenden Mannes, die sich plötzlich neu und ineinander verlieben. Eine der großartigsten Balladen, die ich bis dahin gehört hatte. Der Text und die Musik verschmelzen zu einer Einheit, der Titel hat einen dermaßen hohen Ohrwurmcharakter, dass er schon nach einmal Hören nicht mehr aus dem Kopf geht... unbeschreiblich schön. Kaum war der Song zu Ende, war auch schon der Name des Interpreten auf einem Zettel notiert. Noch am gleichen Nachmittag wurde die CD gekauft, zu Hause gehört und mehrfach neu gestartet. Die Platte beginnt mit dem zynischen "Giftig". Sarkastische Zeilen über unsere verschmutzte Umwelt verpackt in feinstem Rock. Nicht minder flott geht es dann mit "Django" weiter. Als dritter Song kam dann das oben schon beschriebene "Aus dem Beton". Man kann aus diesem Album absolut jeden Titel empfehlen. Sei es "Der nackte Mann", "Risiko", "Was Dir noch fehlt" oder "Volle Fahrt voraus"... jeder Song ein Volltreffer.
Warum es Stoppok bis heute nicht gelungen ist, mit seinen Songs die Charts zu knacken, kann ich mir nicht erklären. An der Qualität seiner Titel kann's nicht liegen. Gerade "A'schklar" hätte ihm den einen oder anderen Platz in den Top 10 bescheren müssen. Aber er hatte wohl das gleiche Problem wie viele andere deutschen Künstler zu der damaligen Zeit auch: Die Übermacht der Produktionen aus Übersee, die Anfang der 90er für das Volk wesentlich interessanter schien, als das Produkt "Made in Germany". Für mich jedenfalls zählt "A'schklar" zu den besten Alben der letzten 25 Jahre. Wer die Musik von Stoppok noch nicht kennt, sollte das schnellstens nachholen. Aber Achtung: Nicht nur "A'schklar", sondern jedes Album ist eine "Einstiegsdroge" für kommende Stoppok-Fans!!!
(Christian Reder)

VÖ: 1991; Label: Ariola; Titel: Giftig · Django · Aus dem Beton · Risiko · Der nackte Mann · Der Andere · Was Dir noch fehlt · Bewährungshelfer · Schein · Nie mehr zurück · Volle Fahrt voraus · Herzlos · Stück für Stück · Der Container Musiker: Stefan Stoppok (A & K Gitarren, Mandoline, Banjo, Autoharp, Gesang) · Danny Dziuk (Flügel, Hammond, Synthesizer, Gesang) · Peter Kürmstedt (Bass, Percussion, Gesang) · Hans Wallbaum (Schlagzeug, Percussion, Gesang)

   
   
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