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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer



Ich stellte kürzlich fest, dass ich noch keine einzige Mugge in diesem Jahr besucht hatte und demzufolge auch noch keinen Konzertbericht verfasst, geschweige denn auch nur ein Konzertfoto auf einer Veranstaltung geschossen habe.a 20200920 1900444440 Eine Weile hält man das auch aus, so ganz ohne Konzert zu sein, aber langsam hätte es mal wieder passieren können, dass ich vor einer Bühne stehe und meiner Lieblingsbeschäftigung nachehe. Notfalls auch mit 1,5 Metern Abstand und mit Mundschutz

Manchmal gehen solche Dinge schneller als man denkt, wenn man erstmal darüber nachdenkt. Am Freitagmittag rief mich meine Tochter an und sagte mir, dass sie mit ihrem Lebensgefährten und der Tochter- also meiner Enkelin - am Abend einen Besuch des Konzerts der Band KARUSSELL plane. Dieses sollte in der Treskowallee in Berlin-Karlshorst auf dem Platz vor dem ehemaligen Theater stattfinden, also wenige hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt. Meine Tochter fragte mich, ob meine Frau und ich nicht mitkommen wollten und mit gewissen Hintergedanken sagte ich ohne lange Nachzudenken sofort zu. Die Akkus meiner Kamera wurden nochmal geladen und die Fotoausrüstung bereitgelegt. Um kurz nach 16:00 Uhr ging's los in Richtung Berlin. Zu meinem ersten Konzert des Jahres 2020 … Mitten im September.

Der Beginn des Konzerts sollte um 19:00 Uhr sein und als wir auf den Platz kamen, machten die sechs Musiker der Band zusammen mit ihren Technikern noch den Soundcheck. Der Sprecher des Abends kündigte danach die Veranstaltung an, bat das Publikum noch um ein akademisches Viertel und fügte an, dass die Musiker unterwegs auf der Autobahn festgesessen hätten und vor ihrem Auftritt noch einmal etwas Luft holen wollten. Um 19.15 Uhr setzte sich Bandleader Wolf-Rüdiger Raschke an sein Keyboard und intonierte das Stück "Als ich fortging", den wohl bekanntesten Titel von KARUSSELL, komponiert vom einstigen Sänger der Band Dirk Michaelis. Nach und nach kamen jetzt auch Reinhard "Oschek" Huth (Gesang, Gitarre), Jan Kirsten (Gesang, Bass), Joe Raschke (Gesang, Keyboards) und Benno Jähnert (Schlagzeug) dazu. Das Auge suchte den neuen Gitarristen Jens Legler auf der Bühne aber vergeblich. Er hat 2019 den langjährigen Gitarristen Hans Graf bei KARUSSELL abgelöst, war an diesem Abend aber wohl verhindert.b 20200920 1999554523 Statt seiner erlebten wir am Freitagabend den erst 18-jährigen Moritz, der kurzfristig eingesprungen war und dieses Konzert in Berlin somit erst möglich machte. Nachdem nun alle auf der Bühne waren, erlebten wir gute zwei Stunden KARUSSELL-Musik aus 44 Jahren, denn die Band gibt es seit April 1976.

Nicht nur wir, die Musikfreunde im ganzen Land, mussten wegen Corona auf kuturelle Veranstaltungen weitestgehend verzichten. Wir konnten uns ja alternativ mit etwas anderem beschäftigen. Wesentlich härter traf es da schon die Künstler und die Leute, die alles um Veranstaltungen herum auf die Beine stellen. Sie saßen komplett auf dem Trockenen und mussten seit März vom Ersparten leben. Joe Raschke dankte in diesem Zusammenhang den Technikern, die - selbst von der Krise übel gebeutelt - für dieses Konzert sehr preiswert gearbeitet haben. Schön, wenn jemand an sie denkt und ihren Einsatz auch zu würdigen weiß.

Inzwischen war es dunkel geworden und der Platz vor der Bühne hatte sich gefüllt (man bedenke: 1,5 Meter Abstand). Vor der Bühne hatten sich Kinder versammelt, denen die Musik ebenfalls zu gefallen schien. Unter den gespielten Titeln von KARUSSELL waren neben Klassikern wie "Ehrlich will ich bleiben", "Wer die Rose ehrt" und "McDonald" auch Stücke jüngeren Datums wie "Wer wenn nicht wir" und "Zweitgesicht". Außerdem spielte die Band mit "Das einzige Leben" einen Song, den ich bisher noch nie live von KARUSSELL gehört hatte. Auf die Komposition von Bernd Dünnebeil hatte damals Kurt Demmler einen Text geschrieben, der das Thema christlicher Glaube aufgreift. Da man zu DDR-Zeiten zum Thema Kirche ein gespaltenes Verhältnis hatte, kann ich mir vorstellen, dass der Text nicht so ganz unumstritten bei der Zensur war. Ein Lied aus einer anderen Zeit und aus einem anderen Leben.

c 20200920 1243209820Beim Titel "Verrückter Vormittag", einer Komposition von Jan Kirsten, war ich aufgrund der leicht veränderten Besetzung an diesem Tag gespannt auf das Gitarrensolo. Moritz (Foto links), der eigentlich eher im Hintergrund seinen Dienst verrichtete, trat hierzu vor die Band und spielte es sehr gut. Das war zwar Ton für Ton gesehen nicht ganz das Original, aber selbst Ritchie Blackmore ändert seine Soli immer wieder und improvisiert. Moritz bekam für seine Darbietung wohlverdienten Beifall. Bassist Jan Kirsten trat auch als Sänger in Erscheinung, und zwar bei dem von ihm selbst geschriebenen Titel "Wenn es hart wird". Er machte den Job am Mikrofon auch richtig gut und bestätigte damit nur meinen Eindruck, den ich mir diesbezüglich schon einmal machen konnte. Als KARUSSELL im vorigen Jahr ein Konzert im Neu-Helgoland ohne Sänger "Oschek" gab, übernahm Jan auch fast alle Gesangsparts von ihm.

Joe Raschke spielte neben seinen Keyboards auch wieder die Mundharmonika, und mit dem Titel "Bruder Blues" erinnerte er wieder an den früheren KARUSSELL-Mitstreiter Cäsar, in dessen Fußstapfen Joe mit seinem Einstieg in die Band getreten war. Ein alter Hit von der ersten KARUSSELL-LP ist das Stück "Autostop", der bei keiner Mugge fehlen darf und den die Band etwas zeitgemäßer als im Original spielte. Am Ende gab es da ein Schlagzeug-Solo, gespielt von Benno Jähnert. Anschließend ließ Jan Kirsten noch seinen Bass eine Weile klingen, und entlockte ihm harte und funky Töne. Sein Solo war gespickt mit Passagen aus bekannten Rock-Songs ("Smoke On The Water") und Klassik-Stücken ("Türkischer Marsch" von Mozart). Das war edel und machte richtig Spaß!

Als dann der Song gespielt wurde, der auch schon als Intro angestimmt wurde, war die Band auch schon beim letzten Titel angelangt. "Als ich fortging" bildete in voller Länge den Abschluss des offiziellen Teils.d 20200920 1752857685 Natürlich gab es noch eine kleine Zugabe, u. a. mit "Gelber Mond". Danach ging auf dem Platz das Licht an und die Leute gingen wieder nach Hause.

Das war sie also: meine erste Mugge nach dem Corona-Lock Down und ich hoffe, es werden in diesem Jahr noch einige weitere folgen. Auch auf dem Platz vor dem ehemaligen Theater in Karlshorst soll bis in den Oktober hinein noch einiges in dieser Richtung stattfinden. Was das sein wird konnte ich bisher aber noch nicht ergründen. An diesem Abend gab es neben der Konzertpremiere 2020 für uns auch ein Wiedersehen mit der Familie, die man während der allgemeinen Ausgangssperre ab März auch lange nicht sehen konnte. Um 22:00 Uhr saßen wir aber bereits wieder im Auto und kämpften uns durch Baustellen raus aus der Hauptstadt in Richtung Zuhause..



Termine:
• 02.10.2020 - Jena - Stadtkirche
• 09.10.2020 - Berlin - Neu Helgoland
• 16.10.2020 - Halle - Steintor Varieté
• 25.10.2020 - Klinga - Kirche

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und
weitere Termine auf der bandeigenen Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Karussell: www.karussell-rockband.de




Fotostrecke:

 





   
   
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