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Ein Bericht von mit Fotos von Petra Meißner

 

Es hätte so schön sein können, für die Band und für die Fans. Vorige Woche stand das traditionelle Konzert am Hafen in Kamp für Hans-Eckard Wenzel an. Es fiel ins Wasser. Auch ein Nachholetermin am 1. August wurde nicht genehmigt. Aber nun kommt die gute Nachricht.a 20200627 2027031358 Profitiert haben davon die Wenzel-Fans in der tiefsten sächsischen Provinz. Anstatt in Kamp spielte Wenzel in Freiberg im Tivoli. Ich fand es klasse, dass es Wenzel nun ins Tivoli verschlagen hatte, konnte so mein Kulturhunger nach vier Monaten konzertloser Zeit gestillt werden.

Freiberg, dort leben die ganz mutigen Veranstalter. Sie sind Vorreiter und die Resonanz auf die gestrige Veranstaltung im Tivoli gibt ihnen Recht. Während andere noch jammern, macht Freiberg einfach los. Sie wollen ja auch Anfang September das Stadtfest nachholen sowie schon im August City auf dem Obermarkt spielen lassen. Nun bin ich kein dreijähriges Kind, das sich die Decke über den Kopf zieht und meint, "Hu Hu ... das Problem ist weg." Schutz vor dieser bekloppten Krankheit und Kulturveranstaltungen müssen sich nicht ausschließen. Das hat Herr Säurich, der Chef des Tivoli, gestern eindrucksvoll demonstriert. Ich hoffe, meine Corona-Warn-App bleibt weiter im Modus Untätigkeit.

Es waren eigentlich nur kleine Veränderungen, die diese Veranstaltung perfekt machten. Es wurden ca. 60 Vierertische mit dem vorgegebenen Abstand aufgestellt. Die Konzertbesucher wurden sogar gefragt, ob sie bereit sind, mit weiteren zwei Menschen am Tisch zu sitzen. Sah gut aus im Saal, es war nämlich ausverkauft. Eigentlich hatte ich mit Flatterband und nervigen Ansagen zu: "Das darfst du nicht ..." gerechnet. Nix dergleichen. Eine weitere Veränderung sollte auch in Zeiten beibehalten werden, wenn man Corona endlich im Griff hat.b 20200627 1776244704 Der Einlass war um 17.30 Uhr mit Hinweis auf die Angebote der Gastronomie des Tivoli. Man konnte in Ruhe das gepflegte gastronomische Angebot nutzen und sich mit den bekannten Erste-Reihe-Fans austauschen. Ganz nebenbei gab es beim Einlass dadurch auch keine Massenaufläufe. Der gemeine Puhdys-Fan kennt das dort ganz anders. Als wir im Einlassbereich nach unseren Masken kramten, kam der freundliche Hinweis, "Das brauchen Sie hier nicht." Die Menschen im Tivoli waren auch sehr vernünftig, bildeten keine Haufen und hielten sich an den Abstand.

Wenzel startete mit der lustigen Ansage in seine "Lebensreise": "Vor vielen Jahren haben die Puhdys hier angefangen, wir fühlen uns nach vier Monaten auch als Anfänger." Seinen Mitspielern merkte man auch an, wie heiß sie auf einen Neustart waren. Seine bewährte Band besteht aus Tommy Karawallo an der Gitarre, dem brillanten Stefan Dohanetz (auch bei Pankow) am Schlagzeug, dem langjährigen Spielgefährten Hannes Scheffler, der im Gegensatz zu den Mitspielern nicht grau wird, und dem Trompeter Yael Fiuza Souto, der relativ neu in der Band ist. Gerade diesen Musiker sehe ich als absolute Bereicherung. Ich mag den Balkansound der Band.

Wenzel und Band spielten mit der "Lebensreise" ein Best-of-Konzert. Ich kann die vielen Titel nicht aufzählen, die reine Spielzeit betrug fast drei Stunden. Da kann viel unter das Volk gebracht werden. Hans-Eckard Wenzel sieht sich selbst als Autor, Musiker, Komponist und Narr. In dieser Rolle haben wir ihn vor einem Jahr in Chemnitz zusammen mit Mensching erlebt. Dort gab er den Clown, im Tivoli eher den Wortakrobaten und Jongleur.c 20200627 1641599956 Er ist immer ein Mann, der was zu sagen hat, und das Publikum hört aufmerksam zu und das nicht nur bei seinen Bestsellern. Die "Lebensreise" ist seine vorletzte CD. Inzwischen wartet die Fangemeinde auf "Wenn die Reisigfeuer brennen" (Wenzel und Samtblech), die im Juli erscheint. Der Künstler zählt zu den Fleißigen und bringt im Durchschnitt zwei neue Alben im Jahr raus.

So richtig die Ahnung, es geht wieder los, hatte ich bei "Ahoi, Ahoi" und bei "Überall die gleiche Scheiße". Das Parkett des Tivoli begann zu schwingen. Wie hatte ich das Gefühl in den letzten vier Monaten vermisst!? Politisch völlig inkorrekt in den Corona-Zeiten sangen die Zuschauer begeistert mit. Lieber Spaß als Mitleid. Für unser Mitleid können sich die Künstler nichts kaufen, mit unserem Eintrittsgeld schon. Mit dem "Kamper Trinklied", "Schöner Lügen" und natürlich dem neuen "Corona, Corona" eroberte er die Herzen der Zuschauer. Das Corona-Lied hatte mich schon im März auf Youtube erreicht. Es ist ein übelster Ohrwurm. Wenzel spielte ihn im Anfangsteil des Programms. Ich frohlockte schon, diesmal hat sich der Ohrwurm bei mir nicht so festgebissen. Aber der Künstler musste noch eins draufsetzen. Zum Schluss spielte er noch mal das Corona Lied, abgeleitet von "Marina, Marina". Was soll ich euch sagen, es hat gereicht. Heute früh hab ich wieder einen Ohrwurm und ich singe: "Ich sitz in der Quarantäne und pfeif durch meine Zähne ..."

d 20200627 2007993973Mit dem Wunsch, dass die Blödheit in diesem Land nicht noch weiter fortschreitet, verabschiedet sich Wenzel vom Publikum. Am Merchandise Stand gab es allerlei. Mein Mann entschied sich nicht für eine CD sondern für das Heftchen mit der "Kamenzer Rede" aus 2020 über die zerfaserte Gesellschaft. Normalerweise teilt uns Wenzel seine Befindlichkeiten als Liedermacher mit, hier hält er eine vielbeachtete Rede und analysiert mit scharfer Zunge unsere Gegenwart. Das Heftchen hat der große Meister sogar noch für meinen Mann signiert. Fünf gut angelegte Euro. Wie kann ich dem Tivoli jetzt ein Kompliment für den Neubeginn machen? Ich sage mal, es war ganz normal. Mehr wollen wir nicht.



Termine:
• 27.06.2020 - Naunhof - Kramwerk
• 29.08.2020 - Buskow - Bodoni Vielseithof
• 04.09.2020 - Rostock - Klostergarten
• 05.09.2020 - Greifswald - St. Spiritus
• 11.09.2020 - Leipzig - Geyserhaus Parkbühne
• 19.12.2020 - Chemnitz - St. Markuskirche

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infso auf Wenzels Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Wenzel: HIER klicken
• Homepage des Tivoli in Freiberg: HIER klicken








   
   
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