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Ein Bericht von Patrick Baumbach mit Fotos von Jana Liebig



Am 13. Juni 2020 fand in Chemnitz ein Konzert statt, das es in dieser Form in Deutschland wohl noch nie gegeben hat und das vielleicht auch einmalig bleiben wird. Das Pentahotel Chemnitz lud zum Hotelzimmer-Rockkonzert mit Karat ein. Da man die Band nun ausgerechnet im 45. Jubiläumsjahr coronabedingt nicht sehr häufig live erleben kann, habe ich nach der Konzertankündigung auch nicht lange gezögert und schnell ein Zimmer bestellt - wohlwissend, dass die Ticket-Kapazitäten dieses Mal besonders knapp bemessen sein würden.

a 20200618 1832133581Der 13. Juni sollte sich dann als besonders warmer und schwüler Tag erweisen, was die über 400 Kilometer lange Anreise trotz Klimaanlage nicht besonders angenehm machte. Bei der Ankunft in Chemnitz konnte ich dann schon laut und deutlich die ersten Klänge des Soundchecks vernehmen. Da bis zum Check-in noch etwas Zeit war, betrat ich erstmals seit Anfang März wieder ein Restaurant - ein tolles Gefühl!

15:00 Check-in: Das Einchecken lief erfreulich schnell, trotz voller Hütte. Erste Ernüchterung dann aber auf meinem Zimmer: die Bühne war wirklich schlecht einsehbar. Der Blickwinkel war ungünstig, sodass man fast nur die Seitenwand des Bühnenaufbaus sehen konnte. Zudem versperrten mir auch noch die kleinen, im Innenhof des Hotels gepflanzten Bäume die Sicht. Das war freilich nicht auf allen Zimmern so, aber es dürfte ziemlich vielen Konzertbesuchern ähnlich ergangen sein; von manchen Zimmern konnte man quasi nur auf die Bühnenrückwand gucken. Andererseits musste das Hotel natürlich alle Zimmer zum Hinterhof so gut es geht nutzen, sonst wären noch weniger Fans in den Genuss dieses außergewöhnlichen Konzertes gekommen. Für mich persönlich war die eingeschränkte Sicht auch nur ein kleiner Wermutstropfen, schließlich habe ich die Band schon hunderte Male gesehen und schließlich konnte ich trotzdem auf einen guten Sound hoffen, denn die Lautsprecher waren wirklich vorbildlich auf dem Gelände verteilt. Als sich auch noch herausstellte, dass ein ganz lieber Mensch - nämlich Bernd Römer - mein Zimmernachbar war, war mein Ärger ganz verflogen. Wir hatten uns lange nicht gesehen und konnten so zwischen Tür und Angel wenigstens kurz ein paar Worte wechseln.

Gegen 16:00 wurde es dann etwas unruhiger im Pentahotel: Pressetermin! Das Interesse an diesem besonderen Konzert war doch erheblich; so tummelten sich dann auch zahlreiche Vertreter von Presse und Fernsehen in der Lobby und auf dem Hinterhof, um die Band mit Fragen zu überhäufen. Letztlich sollte mit dem Konzert ja auch auf die darbende Veranstaltungsbranche hingewiesen werden.

Kurz nach 19:00 ging es dann endlich los. Die ersten Töne des Intros dröhnten aus den Lautsprechern und ein nicht ganz unbekanntes, orientalisch anmutendes Motiv kündigte den ersten Song an: "Die sieben Wunder der Welt". Der Song ist seit 1985 nicht mehr live gespielt worden (und selbst damals nur sporadisch), von daher gleicht das schon einer kleinen Sensation.b 20200618 1312076377 Als der Titel Anfang 1984 auf der gleichnamigen Langspielplatte veröffentlicht wurde, war er eigentlich noch gar nicht richtig fertig. Somit hatte Karat 2020 viele Optionen offen, um noch ein bisschen an dem Song zu feilen. Und das haben sie meiner Meinung nach auch mit Erfolg. Die lang gehaltenen Harmonien aus dem Keyboard erhalten nun durch eine Akustikgitarre - gespielt von Christian Liebig (der Bass kommt für diesen Song aus dem Keyboard) - zusätzlich Textur. Richtig in Fahrt kommt der Song aber erst, wenn Michael Schwandt effektvoll mit dem Schlagzeug und Bernd Römer mit seiner fett verzerrten Gitarre einsetzen. Gerade Micha hat noch einmal viel am Rhythmus gefeilt, der jetzt viel interessanter klingt, als das recht geradlinige Original. Nach diesem furiosen Einstieg folgte "Tanz mit mir". Auch dieser Song wurde lange nicht gespielt und ist erst seit letztem Jahr wieder live an Bord. Die maliziös-dünkelhafte Schwere des Originals (positiv gemeint, denn der Song verkörpert das Böse) weicht gerade im zweiten Teil des Songs, wenn die Band voll einsteigt, einem etwas luftigeren und groovigeren Soundbild. Mir gefällt es! Nur wenig später folgt übrigens "Marionetten", das in einer ähnlichen Liga spielt, aber schon wieder etwas länger im Programm ist. Die rasche Folge dieser drei Titel beweist einigen Mut, denn das Publikum wird durchaus herausgefordert: zum einen handelt es sich um zwar relativ bekannte Titel, aber eben nicht um die Megahits der Band. Zum anderen sind diese drei Titel irgendwie besonders "originell" bzw. experimentell und warten mit außergewöhnlichen, herausfordernden Arrangements auf. An dieser Stelle ein großes Lob und Hut ab für Martin Becker, der bei diesen Keyboard-getriebenen Songs einiges leistet und tolle Sounds gebastelt hat.

Ziemlich zu Beginn gespielt wurde auch der "Gewitterregen", der abgesehen von einem kurzen Schauer am Nachmittag in Chemnitz (anders als in vielen anderen Teilen Deutschlands) zum Glück ausblieb. Danach wurde der Mond "mit der Hand berührt". Nach dem majestätischen "Albatros" folgte eine kleine Akustik-Session, bestehend aus "Für mich", "Magisches Licht", "Glocke Zweitausend", "Mich zwingt keiner auf die Knie" und "Blumen aus Eis".

Während "Für Mich" und "Mich zwingt keiner" ohnehin schon immer "unplugged" daherkamen, wurden für "Magisches Licht", die "Glocke" und die "Eisblumen" vor einiger Zeit extra Akustik-Arrangements geschrieben. Am besten funktioniert das bei "Blumen aus Eis", das nach wie vor ein absoluter Stimmungsmacher ist. "Glocke Zweitausend" kommt nun schon fast country-mäßig daher; und was bei einem Akustik-Konzert in einem lauschigen Theater funktionieren mag,c 20200618 1428835751 funktioniert bei einem größeren Open-Air-Konzert (wie es sie hoffentlich bald wieder geben wird) meiner Ansicht nach nicht so gut. Da fehlt mir einfach der Aha-Effekt, wie er in der ausgewachsenen Version schon allein durch das grandiose Gitarrensolo erreicht wird.

Mit den "Seelenschiffen" ist auch ein aktuellerer Titel dabei, wobei der Song auch schon wieder fünf Jahre auf dem Buckel hat. Von den neueren Sachen ist das ein Titel, der mir ganz gut gefällt und der auch live bestens funktioniert. Es folgten die ganz großen Hits "Jede Stunde", "Schwanenkönig" und "Der blaue Planet", nur unterbrochen von einem härter rockenden Duo, bestehend aus "In deiner Galerie" und dem "Narrenschiff". Und schon ging es wieder dem Ende entgegen mit dem obligatorischen "Brückenlied", das die Hotelkonzertgäste lautstark beklatschten und mitsangen.

Im Zugabenteil folgte zunächst "… und der Mond schien rot" - ein Song, der ebenfalls lange nicht gespielt wurde und der mit seinem markanten 6/8-Takt seit Mitte des letzten Jahres eine ganz eigene Note ins Karat-Programm bringt. Für Stimmung sorgte dann noch einmal der Titel "Weitergeh'n" aus dem Jahr 2010, bevor mit der Schlussnummer "König der Welt" einer der besten Songs der Band das Konzert würdig abschloss.

Der langanhaltende Applaus, der aus den zahlreichen Fenstern donnerte, war redlich verdient. Wer sich während des Konzertes ein wenig umgeblickt hat, konnte überall begeisterte, feiernde,d 20200618 1615689706 tanzende und mitsingende Menschen sehen. Manchmal, wie beim Mittelteil des "Albatros", aber auch einfach nur glücklich-andächtig Lauschende.

Insgesamt war es ein wirklich toller Tag, bei dem das Gesamtpaket stimmte. Trotz der räumlichen Entfernung zur Bühne schien mir der Funke besser überzuspringen, als bei dem Autokonzert drei Wochen zuvor in Erfurt. Ich denke, dass viele Konzertgänger den Abend noch lange in guter Erinnerung behalten werden.

Am Ende noch ein ganz persönlicher Dank an die Band: fürs Zeitnehmen - trotz des ganzen Rummels - und für das ein oder andere schöne Schwätzchen und Fachsimpeln nach dem Auftritt. Wir sehen uns wieder!



Termine:
• 05.09.2020 - Berlin - Parkbühne
• 12.09.2020 - Celle - Festwiese der Lobetalarbeit e.V.
• 20.09.2020 - Parchim - Stadthalle
• 25.09.2020 - Dessau-Roßlau - Golfpark Veranstaltungszentrum
• 26.09.2020 - Seebach - Klubhaus

Alle Angaben ohne Gewähr! Tour wird fortgesetzt.
Nähere Infso auf der bandeigenen Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von KARAT: HIER klicken
• Homepage des Pentahotel in Chemnitz: HIER klicken








   
   
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