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Ein Bericht mit Fotos von Reinhard Baer



Als ich vor einigen Wochen einen Anruf aus der Redaktion bekam und gefragt wurde, ob ich am 9. November 2019 das Konzert von MANDOKI SOULMATES im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin besuchen und darüber berichten möchte, sagte ich sofort zu. Kopf dieses All-Star-Band ist der Musiker Leslie (eigentlich László) Mandoki.a 20191113 1070737780 Nach einem Musikstudium und ersten Schritten im Jazzrock-Bereich floh er 1975 auf abenteuerliche Weise aus seiner Heimat Ungarn in den Westen. Als Musiker trat er hierzulande erstmals öffentlich als Mitglied der vom Komponisten Ralph Siegel initiierten Gruppe DSCHINGIS KHAN in Erscheinung. Mit dem gleichnamigen Titel trat die Band 1979 beim Grand Prix de la Chanson in Jerusalem auf und belegte für die BRD den vierten Platz. Dies war aber nur eine Phase ... ein kurzes Intermezzo in der Karriere des Künstlers. Schon in den frühen 80ern wandte er sich wieder seiner bevorzugten Musikrichtung, dem Jazz-Rock zu. Inzwischen ist Mandoki ein bekannter und gefragter Produzent und Rock-Musiker, und lebt mit seiner Familie in Tutzing am Starnberger See. Internationale Größen wie Lionel Richie, Chaka Khan und Phil Collins arbeiteten bereits mit ihm im Studio zusammen. Seit nunmehr 29 Jahren schart Leslie für sein eigenes Projekt absolute Spitzenmusiker in regelmäßigen Abständen um sich, um mit ihnen gemeinsam zu musizieren, Platten aufzunehmen und auf Tour zu gehen Ich habe bereits bei der letzte Tour das Konzert in Berlin besucht. Damals waren u. a. der BLOOD SWEET AND TEARS-Sänger David Clayton-Thomas, der Gitarrist Al Di Meola, Klaus Doldinger und Till Brönner mit dabei. Auch in diesem Jahr hatte Mandoki wieder tolle Leute aus Rock, Pop und Jazz zu sich eingeladen. Darum freute ich mich besonders auf dieses Konzert und über das Angebot, darüber einen Beitrag machen zu können.

Als meine Frau und ich am letzten Samstag ins Konzerthaus kamen, händigte man mir einen Pressepass und ein Armband aus, mit denen ich zum Empfang in den Beethoven-Saal gehen durfte. Ein Getränk wurde gereicht und man konnte an Stehtischen Platz einnehmen. Kurz darauf kamen Leslie Mandoki und seine "Soulmates" in den Saal, nahmen vor einer Kulisse Aufstellung und es durfte fotografiert werden. Anschließend ging es dann in den Konzertsaal, um den eben noch direkt vor einem stehenden Musikanten bei der Arbeit zuzuschauen. Wir hatte zwei Plätze im Rang, ziemlich mittig zur Bühne. Während aus den Lautsprechern Maurice Ravels "Bolero" erklang, hatte man noch einige Minuten, um diesen herrlichen Saal in Augenschein zu nehmen.b 20191113 1005257721 Über der Bühne stand eine große Konzertorgel, an der Decke hingen große Kristall-Leuchter, dazu viel Ornamentik und Blattgold. Dieses Gebäude und alles ringsum war im 2. Weltkrieg zerstört worden und wurde zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut.

Um Punkt 20:00 Uhr erklang der letzte Ton des "Bolero" und ab jetzt hieß es Livemusik. Auf der Bühne agierten jetzt 21 Musiker. Neben den 10 Leuten, die uns vor wenigen Minuten noch für Fotos im Beethoven-Saal Modell standen, gehörten noch weitere Bläser, zwei Keyboarder, noch einen Schlagzeuger, ein Bassist und ein Background-Chor zum Live-Ensemble. Mit dabei auch Mandokis Tochter Julia, die im Chor ganz links ihren Platz einnahm. Während die Musiker zu spielen begannen, saß Leslie Mandoki am Schlagzeug und sang den ersten Titel. In zahlreichen Interviews und Pressestatments hatte er schon im Vorfeld angekündigt, worum es ihm bei seinen Konzerten geht. Exakt an diesem Tag vor 30 Jahren fiel die Mauer in Berlin und die Grenzen öffneten sich. Wenige hundert Meter vom Gendarmenmarkt am Brandenburger Tor wurde am gleichen Abend dieses Ereignis gefeiert. Leslie sei als Ungar stolz, dass in seinem Land zuerst die Grenzen geöffnet wurden. Leider habe man aber die Chance, die sich mit dem Zusammenwachsen von Ost und West und der gewonnenen Freiheit ergab, nicht genutzt. Es gibt nach wie vor viele Waffen auf der Welt, die Schere zwischen arm und reich wird immer größer, es gibt Hunger und Krieg, das Klima verändert sich enorm, Großbritannien tritt aus der EU aus, Wohnungen werden zu Spekulationsobjekten und man könnte noch vieles andere nennen, was nicht richtig läuft. Vor über 50 Jahren fand das Woodstock-Festival statt und hier brachte die Jugend deutlich zum Ausdruck, dass die Welt sich ändern muss. Dahin muss es wieder gehen und auch die Rockmusiker müssen wieder der Stachel im Fleisch der Welt sein.

c 20191113 1885113978Die MANDOKI SOULMATES haben kürzlich ihr Doppelalbum "Living In The Gap"/"Hungarian Pictures" veröffentlicht und es platziert sich hervorragend in den Charts. Das Album "Living In The Gap" präsentiert 12 neue Titel sowie auf CD 2 die Progressiv-Rock-Suite "Hungarian Pictures". Dieses Album wurde beim Konzert in Berlin komplett aufgeführt. Erstklassige Musiker und Sänger zeigten was sie können, und auch instrumental wurde Weltklasse geboten. Untermalt wurde die Musik noch mit Videoclips sowie mit einer Lichtshow. Höhepunkt war schließlich das Werk "Hungarian Pictures". Kompositionen des ungarischen Komponisten Bela Bartok (1881 - 1945) wurden bearbeitet und das Werk dauerte 37 Minuten. Das Publikum erhob sich am Ende von den Plätzen und spendete langanhaltenden Beifall.

Mit "You're The Voice", gesungen von Chris Thompson ging es dann weiter. Chris Tompson hatte zusammen mit dem Sänger John Farnham dieses Lied geschrieben und er singt es auch bei seinen eigenen Live-Auftritten. Jetzt durften auch die anderen Sänger Titel der Bands singen, durch die sie bekannt geworden sind. Auf die Bühne kam Bobby Kimball, der ehemalige Sänger von TOTO. Ich hatte mich schon gewundert, dass er noch nicht auf der Bühne, aber beim Fototermin im Beethoven-Saal anwesend war. Kimball sang "Rosanna" und danach "Hold The Line" seiner ehemaligen Gruppe TOTO. Das Keyboard-Solo bei "Rosanna" wurde von Pascal Kravetz, dem Keyboarder der Peter-Maffay-Band gespielt. Danach überreichten ihm seine Mitstreiter eine Jacke mit Aufschriften. Bobby ist seit 29 Jahren immer bei den Soulmates dabei gewesen. Ein weiteres Mal wird es nicht geben, da dies gesundheitliche Probleme nicht mehr zulassen.

d 20191113 2061510185Chris Thompson sang anschließend "Blinded By The Ligth", "Davy's On The Road Again" und "Migthy Quinn" aus seiner Zeit bei der MANFRED MANN'S EARTH BAND. Jesse Siebenberg ist der Schlagzeuger von SUPERTRAMP. Er singt dort auch die vormals von Roger Hodgson gesungenen Titel, und das waren beim Berliner Konzert "The Logical Song" und "Give A Little Bit". Dazu spielte er Keyboard bzw. Gitarre. Schließlich kam auch noch der ehemalige CUTTING CREW-Sänger Nick van Eede zum Zuge und sang "(I Just) Died In Your Arms Tonight" und "I've Been In Love Before". Krönender Abschluss des Abends war dann noch John Lennons "Imagine", gesungen von allen auf der Bühne aktiven Sänger. Auch das Publikum sang mit. Die Musiker stellten sich nochmal auf der Bühne auf, und drehten auch mal dem Publikum den Rücken zu zwecks Foto mit den Leuten im Saal als Hintergrund.

Das Konzert war um etwa 23:20 Uhr beendet. Es hat insgesamt über 3 Stunden gedauert und die Musiker spielten alles ohne Pause in einem Rutsch durch. Für die Band, die die ganze Zeit über spielte, sowie für die Techniker und Helfer wohl eine echte Strapaze. Nicht aber für das Publikum, das von allen Beteiligten erstklassig unterhalten wurde. .



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Mandoki Soulmates: www.mandoki-soulmates.com
• Homepage des Konzerthauses in Berlin: www.konzerthaus.de
• Interview mit Leslie Mandoki (10/2019): HIER klicken




Fotostrecke:
 
 
 
 

   
   
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