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Ein Bericht mit Fotos von Dajana Gehn



Schon lange stand fest, dass ich am 9. November 2019 nicht am Brandenburger Tor sein, sondern mein erstes HAUSBOOT-Konzert erleben werde. Bisher kannte ich nur zwei Lieder, die mir so gut gefielen, dass ich die nächste Chance nutzen musste, diese Band live zu hören. HAUSBOOT sind der Sänger und Texter Tino Eisbrenner sowie Gitarrist und Produzent Heiner Lürig.a 20191111 1643551208 Eigentlich wollte Heiner Lürig anfangs wohl Medizin studieren, entschied sich Ende der 70er Jahre aber Gott sei Dank anders und wurde Musiker. Mitte der 80er Jahre begann seine Zusammenarbeit mit und für Heinz Rudolf Kunze. Darüber lernten sich auch Eisbrenner und Lürig kennen. Bei einem Aufenthalt in Amsterdam beschlossen sie ein eigenes Album zu machen. Schnell stand fest, dass Tino textet und Heiner komponiert. Der Name wurde ebenso rasch gefunden: HAUSBOOT, denn diese sah man in Amsterdam sehr häufig. Im Jahre 2009 erschien ihr erstes Album "Strom ab", 2017 folgte mit "Fluss der Zeit" das zweite werk und nun steht mit "Die letzten heiligen Dinge" schon die dritte CD in den Startlöchern. Ich hatte vorher schon überlegt, wie sie nun ihr drittes Album nennen würden, denn eigentlich vermutete ich irgendwas wie "Gezeiten" oder ähnliches.

Am 9. November 2019 legte das HAUSBOOT im Berliner "Neu-Helgoland" an. An Bord waren nicht nur Tino Eisbrenner und Heiner Lürig sondern auch Alejandro Soto Lacoste sowie Oliver Siegmann. Letzteren kennt man natürlich noch von der Gruppe Jessica. Seit 1987 ist er am Bass aktiv und tritt gemeinsam mit Tino Eisbrenner auf. Alejandro Soto Lacoste ist nicht nur ein fabelhafter Multi-Instrumentalist, sondern zudem noch Komponist und Sänger. Er stammt aus Chile und produzierte das Album "Barfuß in Kakteen" von Tino Eisbrenner. Er arbeitete mit vielen unterschiedlichen Künstlern wie z.B. Aurora Lacasa oder Manuel Garcias zusammen, und brachte selbst zwei Alben heraus: "Interiores" (2008) und "Presente"(2013).

Mit dem Song "Sgt. Pepper meint" aus dem Album "Fluss der Zeit" begann gegen 20:00 Uhr das Konzert. Vom ersten Takt an war das Publikum dabei. Es wurde sofort mitgeklatscht und mitgewippt. Mit nur einer Nummer hatten sie sich ihre Fans schon geangelt. Es herrschte sofort gute Laune und so konnte es weitergehen. Wenn man nun annahm, dass ein Song nach dem anderen gespielt werden würde, kennt Tino Eisbrenner nicht. Diese Konzerte leben unter anderem von seinen Erzählungen zwischen den Liedern.b 20191111 1763318149 Immer wieder bringen einen kleine Anekdoten oder Begebenheiten zum Lachen oder Nachdenken und selbst wenn man hier und da vielleicht nicht seiner Meinung sein sollte, so muss man genau hinschauen, ob er seine Botschaft nicht doch mit einem Augenzwinkern versehen hat.

Das neue Album "Die letzten heiligen Dinge" erscheint offiziell am 24. Januar 2020. Daraus spielten HAUSBOOT gleich drei Lieder am Stück. Sie fühlten sich gleich vertraut an, und erinnerten mich ein wenig an Lieder aus dem ersten Album. Diese Songs waren eindeutig HAUSBOOT-Songs: "Stillgelegtes Gleis", "Komm leise wie der Schnee" sowie "Poetenherz". Am 7. November 019 konnte man im Internet schon das Video zu "Komm leise wie der Schnee" sehen und hören. Innerhalb kürzester Zeit hatte es über 1.000 Klicks und momentan sind es schon mehr als 4.000 Zugriffe. Das Video lebt von dieser wunderbar getragenen Musik.

Es folgten Lieder aus den letzten beiden Alben wie zum Beispiel "Eisernes Reich", "Kein Ort wie hier" oder "Du gehst vor". Viele Songs waren ruhig und eigentlich dazu geeignet, eng umschlungen miteinander zu tanzen. Aber irgendwie sah man eher, dass die Stühle an den Tischen bei den Paaren näher zusammengerückt wurden um so dem anderen näher zu sein. Vereinzelt standen an den Wänden des Saales Frauen und tanzten.

Zwischendurch fragte Tino, wer noch nie bei einem HAUSBOOT-Konzert war. Ich war total erstaunt, denn das "Neu-Helgoland" schien ausverkauft zu sein, und bei den ganzen Menschen waren es mit mir vielleicht noch sechs weitere Leute, die die Band bis dahin noch nie live erlebt hatten.c 20191111 1470857421 Das war schon beeindruckend. Schön fand ich auch, dass sich Musikerkollegen im Publikum befanden wie zum Beispiel Peter "Eingehängt" Meyer von den Puhdys.

"Barfuß in Kakteen" war der einzige Song an diesem Abend, der nicht von HAUSBOOT stammt. Das gleichnamige Album war ein Gemeinschaftsprojekt von deutschen und chilenischen Künstlern, welches von Alejandro Soto Lacoste produziert wurde. Dadurch, dass dieses Stück gespielt wurde, wurde die Hoffnung bei so manchem Konzertgast genährt, dass als Zugabe vielleicht auch "Ich beobachte dich" gespielt würde. Aber es war halt ein HAUSBOOT-Konzert und kein Tino-Eisbrenner-Abend. Insgesamt war der ganze Abend ein guter Mix aus allen drei HAUSBOOT-Alben. Natürlich durfte "Französisch lernen" nicht fehlen. Normalerweise erklärt Tino immer unseren Einsatz, aber dieses Mal wurde das Lied einfach gespielt, denn wir wussten genau wann unser Einsatz kam. Das musste man uns nicht mehr erklären.

Zeitweilig versetzten uns die Lieder in einen verträumten Zustand. Man lauschte diesen unterschiedlichen Instrumenten, den poetischen Worten und "verlor" sich in eine Art Traum. Und auf einmal sollte alles vorbei sein. Das ging so aber nicht. Also klatschten wir und riefen nach einer oder gerne auch mehreren Zugaben. Und wir wurden erhört. Beim "Lied vom Frieden" gingen alle Bandmitglieder durch das Publikum. Das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl hätte nicht größer sein können. Wir sangen und klatschten im Takt. Gemeinsam. Wir durften drei Zugaben erleben. Ich schaute mich mehrmals an diesem Abend um und sah bei den ganz jungen bis zu den älteren Menschen im Saal nur in begeisterte Gesichter.d 20191111 1764119028 Sie alle hatten sich auf eine Reise mitnehmen lassen. Sie waren ins HAUSBOOT eingestiegen, hatten sich treiben lassen und verließen es wieder leichten Fußes.

Bereits wenige Stunden später ging es weiter von der Müggelspree über die Spree in die Panke. Das "Studio 7" in Panketal hatte am 10. November 2019 gerufen und das HAUSBOOT kam herbei. Trotz der vielen Instrumente und der kleineren Bühne, fand alles seinen Platz und es hieß erneut: Preview und Release vom Album "Die letzten heiligen Dinge". In einer sehr heimeligen, fast intimen Atmosphäre eroberten sie auch in Panketal das Publikum in Windeseile. Als die HAUSBOOT-Besatzung ihre drei neuen Songs hintereinander spielten, hörte ich, wie eine Dame zu ihrer Begleitung sagte: "Das ist unser Tino. Das ist genau die Musik, die zu ihm passt. Haben sie gut gemacht." Sie schien schon seit vielen Jahren Fan zu sein und diese Worte klangen für das neue Album wie ein kleiner Ritterschlag und Segen zugleich. Nach der Pause hielt sie es auch ganz stolz in ihrer Hand.

Auch am Sonntag mischten sich bekannte Gesichter unter das Publikum: Gesine Lötzsch sowie Uwe Jensen. Ich finde es immer schön, wenn Kollegen und Freunde ins Konzert kommen und so ihre Wertschätzung gegenüber der Kunst des anderen zeigen. Natürlich fehlte auch hier keine Zugabe. Nachdem Tino Eisbrenner und seine Kollegen sich ihre Instrumente für die zweite Zugabe nahmen, rief jemand im Publikum: "Spielt mal noch ein Lied vor der Zugabe." Wir konnten uns alle kaum vor Lachen halten. Aber eigentlich hatte dieser Mann Recht. Viel zu schnell verging das Konzert.



Termine:
• 10.01.2020 - Hannover - TAK

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weiter Termine auf der bandeigenen Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Hausboot: www.hausbootmusik.de
• Homepage des Neu-Helgoland in Berlin: www.neu-helgoland.de
• Homepage vom Studio 7 in Panketal: www.studio7panketal.de




Fotostrecke:

Berlin:
 
 
 
 
Panketal:
 

 

 

 

 

   
   
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