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Ein Konzertbericht mit Fotos von Dajana Gehn
plus zusätzlliche Bilder aus den Archiven von
Reinhard Fißler
und Cordelia Biege




Es ist zu einer schönen Tradition im Berliner "Neu-Helgoland" geworden, Gedenkkonzerte zu veranstalten. Am 1. November 2019 wurden Holger Biege sowie Reinhard Fißler in der Location am Müggelsee mit so einem Konhzert geehrt. Beide großartigen Künstler schlossen viel zu früh ihre Augen für immer.a 20191103 1975146252 Ihre Musik hingegen wird unvergessen sein. Manuel Schmid und Thomas Putensen erinnern in ihren Programmen an diese einmaligen Musiker.. An Allerheiligen trafen ein Teil des Thomas Putensen Beat Ensemble sowie Manuel Schmid mit Marek Arnold aufeinander.

Um 18:30 Uhr ist im Neu-Helgoland generell Einlass. Zu dieser Zeit bin ich auch immer vor Ort. Wie erstaunt war ich, dass ich schon weiter weg parken musste und eine halbe Stunde später auch der Saal gut gefüllt war. Es herrschte reges Treiben und viele unterhielten sich, wo sie Holger Biege und/oder Reinhard Fißler überall live erlebten und was sie für Erinnerungen mit ihnen verbinden. Ich hörte völlig fasziniert zu. Von Anfang an spürte man die Liebe zu den beiden Künstlern. Einige Fans tauschten sich aus und schwelgten gemeinsam in Erinnerungen an ihre Musiker.

Bereits um 19:55 Uhr erlosch das Licht. Alle warteten gespannt. Pünktlich um 20:00 Uhr betraten Thomas Putensen mit seiner Band sowie Manuel Schmid und Marek Arnold die Bühne. Eröffnet wurde der Abend mit einem Lied von Reinhard Fißler. Anschließend begrüßte uns Thomas Putensen und meinte, sie wollten an diesem Abend die schönen Songs, die Biege und Fißler schrieben und sangen, vortragen. Das wäre eine große Herausforderung. Für die Zuhörer war es ein wahrer Hörgenuss. Alle Musiker auf der Bühne schienen ein eingespieltes Team zu sein. Es harmonierte wunderbar.

Als Manuel Schmid "Was bleibt" aus dem Album "Der weite Weg" von 1979 sang, schaute "Pute" fast väterlich und stolz zu Manuel rüber. Thomas fragte Manuel, wann er eigentlich Reinhard Fißler kennengelernt habe. Das war im Jahr 2009 in Glauchau.b 20191103 2037789299 Dort unterstützte Holger Biege Reinhard instrumental und Jahre später war es umgekehrt. Zwei einzigartige Künstler, die sich gegenseitig musikalisch unter die Arme griffen, einander halfen, um ihre wahre Leidenschaft - die Musik - ausleben zu können.

"Als der Regen niederging" ein weiterer Biege-Song mit einer wunderschönen Poesie erklang: "Als der Regen niederging zur Erde / Standen wir umschlungen am Baum. / Durch die Blätter fielen Tropfen / Wie Perlen in unserem Regentraum." Gänsehaut. Alle Lieder wurden an diesem Abend emotional vorgetragen. Man konnte regelrecht jedes Wort fühlen. Obwohl ich manche Stücke nicht kannte, fühlten sie sich gleich ganz vertraut an.

Thomas Putensen wies uns gleich darauf hin, dass die Lieder ja für uns alle geschrieben wurden, nicht nur für sie. Also könnten wir auch mitsingen. Er stimmte "Robinson" an. Nach einigen Versuchen klappte es ganz gut mit unserem Part. Es war noch ein wenig Luft nach oben, wie uns Pute wissen ließ. Alles lachte.

Manche Songs von Holger Biege waren sehr orchestral. Das war damals schon ungewöhnlich, aber in der heutigen Zeit noch viel mehr. Thomas Putensen und Manuel Schmid übten sehr für das Stück "Wo bist du, Jessy?" "Pute" meinte ganz lässig, "Na, wir versuchen das mal nachzuäffen."c 20191103 1410502362 Nein, meine Herren. Ihr habt das wahnsinnig gut gespielt. Was für ein Klavierstück. Man hatte das Gefühl, dass Manuel und Thomas schon immer zusammenspielen würden. Das war so ein großartiges Miteinander und jeder schätzte den anderen so sehr. Das spürte man in jedem Moment.

Lustig waren auch diese kleinen Witzeleien zwischen ihnen. Manuel musste hier und da den Takt angeben, weil "Pute" immer schneller spielen wollte. Aber das Lied "Septemberliebe" war etwas ruhiger, aber sehr harmonisch. Also gab Manuel den Takt an. Genauso geschah es auch bei "Will alles wagen". Den allerersten Song, den Holger Biege für sich mit Text und Musik schrieb, war "Deine Liebe und mein Lied". Thomas Braun ging während des Stücks mit seiner Violine durch das Publikum. Er machte eine große Runde durch den Saal. Das kam sehr gut an.

2015 nahm Uschi Brüning ihr Album "So wie ich" auf. Dort verewigte sie auch den Klassiker von Holger Biege "Wenn der Abend kommt". Am Freitagabend sang Thomas Putensen das Lied für uns. Während der letzten beiden Songs war nur das Putensen Beat Ensemble auf der Bühne. Als Manuel und Marek wiederkamen, sagte Thomas, "Nun kommt wieder südländisches Flair auf die Bühne."d 20191103 1061522965 Als letztes Lied vom Holger Biege Block kam "Meine Hände", danach ging es wieder zu den Liedern von Reinhard Fißler. Für Manuel kam jetzt der größte Song von der Stern-Combo Meißen, "Kampf um den Südpol". Sie spielten es instrumental sehr reduziert. Das gab dem Ganzen noch eine weitaus tiefe Note und Bedeutung.

Cordelia Biege war am Freitag auch anwesend. "Pute" erzählte, dass Cordi, wie sie liebevoll genannt wird, findet, dass er immer nur die alten Lieder singt. Also beschloss er einen alten Song zu singen, der aber etwas neuer sei als die bisherigen. Das Publikum schmunzelte. "Schuld sind die Anderen" aus dem Jahr 1997. "Pute" fragte Manuel, ob er Gesang studiert habe. Er verneinte und meinte Tontechnik. "Warum singst du denn so schön? - Du hast Creme in der Stimme", lobte Thomas seinen jüngeren Kollegen. Und gleich darauf erklang wieder ein altes Biege-Lied aus dem Jahre 1979, "Es gehen die Tage". Und wie schon bereits erwähnt, war schön zu beobachten, wie "Pute" seinen Manuel anschaute. Eine tiefe Verbundenheit. Ein lockerer Umgang. Alles sehr harmonisch.

Manuel Schmid kündigte dann ein Lied an, welches er als schönstes empfand. Leider schaffte es nie den Weg auf ein Album und war nur die B-Seite einer Single: "Die Erde schweigt" von der Stern-Combo Meißen aus dem Jahr 1980. Und so wie Manuel den Song vortrug, konnte man es wirklich nicht nachvollziehen, warum er nur ein "Schattendasein" fristet. Natürlich gab es hier und da auch kleine Anekdoten und Geschichten über beide Künstler.e 20191103 1309450770 Reini reiste immer mit mehreren Autos an. Dann wurde erst einmal eine geraucht, getrunken und gesungen. Meistens etwas von den Beatles oder Bob Marley. Später als das alles nicht mehr so möglich war - weder für Reinhard Fißler noch für Holger Biege - fuhr Siggi sie überall hin. Siggi war auch heute Vorort. Er spielte Mundharmonika und hatte alle dabei. Neben Siggi saß Simone Kotowski. Völlig unerwartet holte "Pute" sie auf die Bühne. Sie sang "Georgia on my mind".

Zum Finale gab es jeweils ein Lied von Reinhard Fißler und ein eigenes Lied von "Pute" sowie Manuel. "Pute" begann mit "Scherbenglas". Anschließend war er hin- und hergerissen, ob er ein ruhiges oder ein schnelleres Lied von sich spielen sollte. Aber wer "Pute" kennt weiß, wie er sich entschied. Natürlich für den flotteren Song: "Ich suche eine artgerechte Wohnung". Danach kam Manuel auf die Bühne. Marek und Manuel entschieden sich für ein Lied aus ihrem Album "Zeiten", das sie gemeinsam an einem Keyboard spielten und immer wieder ihre Plätze währenddessen wechselten. Wir schauten völlig faszinierend zu. Auch wenn es alles so leicht aussah, wusste jeder, dass das eine Glanzleistung war.

Was wäre es für ein Konzertabschluss ohne "Sagte mal ein Dichter"? Das Publikum sang mit. Was für eine großartige und nachdenkliche Nummer. Aktuell wie eh und je. Danach stand für uns alle fest, das Konzert ist noch nicht zu Ende. Als Zugabe spielte Manuel "Du, komm her", ein Titel, der es - wie "Die Erde schweigt" auch - verdient hätte auf eine A-Seite zu kommen.f 20191103 1321364818 "Pute" entschied sich für "Reichtum der Welt". Nach einem nicht enden wollenden Applaus verließen sie die Bühne. Wir nahmen wirklich schon an, dass es das war. Aber das konnte doch nicht sein. Also klatschten wir weiter und die Musiker kamen tatsächlich erneut auf die Bühne. Nach einer kurzen Absprache beschlossen sie, dass jeder einen Song nach seiner Wahl singt.

Danach verließen sie die Bühne endgültig, obwohl wir noch viel mehr wollten. Das nächste Gedenkkonzert wurde bereits angekündigt: am 25. September 2020 wird für Henry Kotowski an gleicher Stelle gespielt. Ein Termin, den man sich nicht entgehen lassen sollte.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Holger Biege: www.holger-biege.de
• Off. Homepage von Thomas Putensen: www.thomasputensen.de
• Off. Homepage von Manuel Schnid: www.manuel-schmid.com
• Off. Homepage von Marek Arnolds "b'side-music": www.bside-music.de
• Homepage des Neu-Helgoland in Berlin: www.neu-helgoland.de









   
   
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