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Ein  Konzertbericht mit  Fotos von  Dajana Gehn +  zus. Material von  MOZ/
Sergej Scheibe (Foto 1 im Text) und Pressefotos des Künstlers (oben, Foto 3)



Im Jahre 2017 erlebte ich mein erstes PURPLE SCHULZ-Konzert im "Studio 7" in Panketal. Ich kannte - wie wahrscheinlich viele andere auch - seine größten Hits wie "Sehnsucht" oder "Verliebte Jungs". Mehr aber nicht, und ich bin damals völlig neugierig in sein Konzert gegangen.a 20191014 1789387744 Herausgekommen bin ich vollkommen fasziniert. Bis heute brannte sich regelrecht eine seiner Aussagen in mir ein: "Wenn Gott uns nach seinem Abbild erschuf, was sagt das dann über Gott aus?"

Wandlitz ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Der "Goldene Löwe", ein ganz besonderer Veranstaltungsort, besteht seit dem 19. Jahrhundert und erlebte viele Höhen und Tiefen. Umso mehr freuten wir uns alle, dass er seit einigen Jahren wieder als Begegnungsstätte für Kunst und Kultur dient. Für Groß und Klein. Als Kino, als Gastgeber für Feste und Konzerte sowie privaten Feierlichkeiten oder für Vereine, um ihre dortigen Veranstaltungen durchführen zu können.

Als wir am 12. Oktober 2019 zum "Goldenen Löwen" fuhren konnte man meinen, dass die Welt zu Gast in Wandlitz war. Anders konnte man es anhand der vielen verschiedenen Autokennzeichen nicht deuten, denn die stammten wirklich aus vielen Winkeln unseres Landes und es sah so aus, als sei ganz Deutschland erschienen, um hier und heute PURPLE SCHULZ live zu erleben. "Nach wie vor" heißt nicht nur das gleichnamige Album, sondern auch die Tour. Ein Querschnitt durch sein ganzes musikalisches Schaffen. Purple erzählte, dass er dort Songs mit aufnahm, die er länger schon nicht mehr live oder noch nie vor Publikum sang. Mit dem Lied "Der Stand der Dinge" aus dem Jahr 1987 starteten wir in ein zweistündiges Konzert.

"Gestern spielte ich in Berlin und heute in Wandlitz. Vor 35 Jahren wäre das ein Aufstieg gewesen." Alles lachte. Denn jeder wusste, dass es damals eine Ehre war in Wandlitz aufzutreten, weil dort die "politische DDR-Elite" lebte. Es folgten Lieder wie "Durch Ruinen" oder "Es tut weh". Für den Song "Du bist da" nahm er seine Mundharmonika mit Halterung. Er meinte gleich zu uns, wir sollten uns nicht erschrecken, es handle sich nicht um ein kieferorthopädisches Gerät. "Du bist da" erklang.

PURPLE SCHULZ sprach auch über die gegenwärtige Situation, die Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen, und las dann eine Passage aus einem Buch von der jüdischen Autorin Hannah Arendt vor. Diesbezüglich sang er aus den Album "Der Sing des Lebens" das Lied "Es reicht".b 20191014 1728855361 Anschließend freute er sich, dass es überhaupt noch eine Jugendbewegung gibt, er dachte schon, so was gäbe es in der heutigen Zeit gar nicht mehr und kam auf "Fridays for Future" zu sprechen. Menschen mit Visionen. Zufällig habe er in seinem Repertoire einen Song über Visionen und Utopien: "Schwalben".

Auf dem aktuellen Album sind drei neue Songs. "Ich sehe was du siehst" ist eins davon und klang für uns gleich so vertraut. Auch wenn wir nicht textsicher waren, so wollte man doch am liebsten mitsingen. Und dann war es wieder da. Dieser Augenblick, diese Frage, die mir seit dem letzten Konzert nicht mehr aus dem Kopf ging. "Da denkste jetzt mal drüber nach". Eine Art Zwiegespräch mit Gott. Und wieder die Feststellung, wenn Gott uns nach seinem Abbild erschuf, muss er auf jeden Fall noch einmal ran. Worte, die uns alle sofort erreichen.

An der Gitarre, Banjo sowie Violine begleitete ihn der Multiinstrumentalist Markus Wienstroer. Markus arbeitete schon mit Andrea Berg, Wolfgang Petry oder Roland Kaiser zusammen, um nur einige Künstler zu nennen. Mit seinem Bruder sowie seinem Sohn spielten sie das neue Album von PURPLE SCHULZ ein. Purple erzählte von seiner Kommunion. Er bekam ein Klavier geschenkt. Die Freude war groß, aber nun hieß es natürlich auch Klavierunterricht zu nehmen. Er konnte sich an jede Einzelheit erinnern. Kurze Zeit später verfiel er Johann Sebastian Bach. Verträumt und hingebungsvoll spielte er beim Erzählen, eigentlich mehr beim Schwärmen, Melodien von Bach. Diese einzigartigen Akkorde faszinierten ihn. Sein Wunsch wurde geweckt, eines Tages selber Musik zu schreiben. In seiner ganzen Begeisterung kam er von Bach zu "Kleine Seen". Er meinte, nachdem dieser Song veröffentlicht wurde, bekam er Kisten mit Post und Postkarten. Die Menschen teilten ihm mit, wie sie sich bei diesem Lied kennen und lieben lernten. Heute erhielte er eher E-Mails. Das Publikum lachte. Denn er hatte recht. Wer schreibt heute noch Briefe oder gar Postkarten, wenn es per E-Mail/Whatsapp doch so viel schneller geht?!

c 20191014 1481799032Erstaunlicherweise spielte PURPLE SCHULZ seine größten Hits nicht als Zugabe. Wir erlebten eine Wahnsinns-Neuinterpretation von "Sehnsucht" (der Song feiert dieses Jahr sein 35-jähriges Jubiläum), anschließend kam gleich "Verliebte Jungs". Das Publikum stand und setzte sich auch nicht mehr hin. Und es ging weiter mit "Du hast mir gerade noch gefehlt". Zwischenzeitlich imitierte er eine Strophe als Herbert Grönemeyer. Sollte Herbert mal kurzfristig Ersatz suchen, Purple könnte auf jeden Fall einspringen.

Standing Ovations und nicht enden wollender Applaus erfolgten. Wir alle wollten mehr und sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass das Konzert jetzt schon zu Ende sein sollte. Gott sei Dank kamen Purple und Markus nach kurzer Zeit zurück. Ganz keck meinte Purple: "Wer hätte das gedacht?" Gewöhnlich werden in der Zugabe - wie bereits erwähnt - die größten Hits gesungen oder wenigstens flotte Nummern gebracht. Wieder erlebte ich eine kleine Premiere: Es wurden ruhige, langsame Lieder gespielt. Purple erzählte, dass er zum ersten Mal eine Coverversion eines anderen Künstlers auf sein Album nahm. Ein großartiger Text tat es ihm an. Als er uns den Texter Wolfgang Hofer nannte, blickten wir uns alle ahnungslos um, um wenigstens einer von uns ihn kannte. Keiner. Aber als er Udo Jürgens erwähnte, der die Musik schrieb, ging ein wohlwollendes Gemurmel durch die Reihen. Es folgte "Bis ans Ende meiner Lieder", eine wundervolle Interpretation von PURPLE SCHULZ.

Als zweite Zugabe spielte er "Immer nur Leben" - ein Song, den er über zwei Jahrzehnte immer zum Konzertabschluss spielte und dann auf einmal viele Jahre nicht mehr. Nun wurde es wieder Zeit für ihn. Das allerletzte Lied des Abends war "Nimm es mit". Ein wunderbares Konzert endete damit.d 20191014 1513802929 Ein Abend mit viel guter Musik lag hinter uns. Aber seine nachdenklichen Texte und Ansichten wirken nachhaltig. Schon keimte ein Gedanke in mir auf, ob wohl FALKENBERG und PURPLE SCHULZ, die beide auf beeindruckende Weise die Welt in all seinen Facetten beobachten, gemeinsam musizieren könnten. Oder wenigstens ein Duett. Wer weiß?!



Termine:
• 17.10.2019 - Fellbach - Soundwerk
• 18.10.2019 - Schwetzingen - Alte Wollfabrik
• 19.10.2019 - Offenbach-Hundheim - Ev. Abteikirche
• 07.11.2019 - Pulheim - Dr.-Hans-Köster-Saal
• 08.11.2019 - Kreuztal - Eichener Hamer
• 10.11.2019 - Münster - Die Adam Riese Show
• 15.11.2019 - Eibenstock - Stadtkirche Eibenstock
• 16.11.2019 - Limbach-Oberfrohna - Apollo Filmtheater
• 06.12.2019 - Schwelm - Adventival

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos auf Purple Schulz' Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Purple Schulz: www.purpleschulz.de
• Infos zum "Goldenen Löwen" in Wandlitz: HIER klicken








   
   
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