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Ein Bericht von Christian Reder mit Fotos von Karla Kotzsch



Schenkt man den Berechnungen britischer Wissenschaftler der Cambridge University aus dem Jahr 2010 Glauben, soll der bedeutungsloseste Tag des 20. Jahrhunderts im Jahre 1954 liegen. Das kann aber unmöglich der 18. August 1954 gewesen sein, denn an diesem Tag erblickte SONNY THET das Licht der Welt. Der Mann, der mit als erster Künstler das Fundament für die sogenannte Weltmusik legte, der zusammen mit Christoph Theusner die Gruppe BAYON gründete und der bei zahlreichen Solisten und Bands wie z.B. Jan Josef Liefers, Katrin Lindner, Söhne Mannheims, Rio Reiser, Katja Riemann oder DIE ZÖLLNER bei deren Platten-Produktionen und Konzerten sein exquisites Spiel auf dem Cello beigesteuert hat.a 20190822 1735531895 Und dieser Künstler beging am 18. August dieses Jahres seinen 65. Geburtstag. Wie begeht man so einen Geburtstag eigentlich richtig? Vor allem: Wie begeht man ihn, wenn am gleichen Tag auch noch das 50. Bühnenjubiläum ansteht? Am besten tut man dies, wenn man seine Freunde einlädt und sie bittet, ihre Instrumente mitzubringen. Dazu ruft man noch weitere Freunde und Sympathisanten herbei und macht aus dem Tag dahingehend etwas ganz Besonderes, in dem man ein großes Konzert in der Berliner Kulturbrauerei veranstaltet.

Ganz sicher war an diesem 18. August 1954 - und wahrscheinlich auch nicht an dem Tag im Jahre 1969, an dem SONNY THET aus dem Königreich Kambodscha nach Weimar entsandt wurde, um im Auftrag des Prinzen Sihanouk an der Franz-Liszt-Hochschule klassisches Cello zu studieren - zu erahnen, was dem sympathischen Saiten-Streichler in seinem Leben für einmalige und einschneidende Begebenheiten widerfahren würden. Man wird wohl nie erfahren, ob aus SONNY nicht ein guter Maler und Tapezierer oder Schreinermeister geworden wäre, hätte er seine Liebe zur Musik und speziell zum Cello nicht über einen französischen Soldaten entdeckt, der in direkter Nachbarschaft zu SONNY in seiner Heimat Kambodscha wohnte und täglich am Nachmittag auf seinem Instrument übte. Unvorstellbar, wäre dieser Nachbar ein sich ständig in Ausübung seines Berufes befindlicher Koch gewesen. Uns wäre wohl ein großartiger Cellist vorenthalten worden. So aber legte sich der junge SONNY ins Zeug, übte was Selbiges hielt und bekam so die Chance des Prinzen seines Landes, eben schon erwähntes Studium im fernen Deutschland machen zu können. Aus einem "kurzen" Bildungs-Aufenthalt in der DDR wurde ein Daueraufenthalt. In seiner Heimat Kambodscha kam es zu einem Bürgerkrieg und zu einem Regimewechsel. Beides machte eine Rückkehr nach Hause für den damals 15-jährigen THET unmöglich. Also blieb er und das für immer. Seine Stationen und Kooperationen hatte ich eingangs schon erwähnt, aber auch in eigene Solo-Alben und Musik für Film und Theater floss das Herzblut von SONNY THET. Er war in all den 50 Jahren seiner Karriere ein gut beschäftigter und gern gebuchter Musiker. Kein Wunder also, dass am vergangenen Sonntag so viele Kollegen mit ihm auf der Bühne standen und dem Publikum ein mehr als farbiger Querschnitt seines Schaffens geboten wurde.

Dieser Querschnitt fand seinen Anfang in einem solistischen Vortrag des Jubilars, der pünktlich um 19:30 Uhr "seine" Bühne betrat. Im Bühnenhintergrund war eine Videoleinwand installiert, auf der später im Verlauf des Abends die Band-Logos der Kapellen eingeblendet wurden, die dann auch ihren Auftritt hatten, und auf der zu Beginn eine Dia-Show mit Bildern aus SONNY THETs Leben abgespielt wurde. SONNY spielte dazu das mit dem Golden Globe ausgezeichnete Werk "The Mission", das im Jahre 1986 von Ennio Morricone geschrieben und zum gleichnamigen Film als Soundtrack veröffentlicht wurde. Schon in diesen ersten Momenten des Konzerts wurde bei den Leuten, die es vielleicht schon vergessen hatten, wieder in Erinnerung gerufen, warum SONNY THET ein besonderer Musiker ist.b 20190822 1567045859 All sein Können und seine Liebe zur Musik steckte in diesem Instrumental-Stück, mit dem er nicht nur den Abend eröffnete, sondern mit dem er auch durch seine spezielle Spielweise die Herzen seines Publikums erstmals an diesem Sonntag höherschlagen ließ.

Direkt im Anschluss ergriff SONNYs Sohn Anthony nicht nur das Mikrophon, sondern auch das Wort, und begrüßte die erschienenen Gäste aufs herzlichste. Ein paar Worte zu dem, was man in den nun folgenden fast drei Stunden erleben sollte, und schon kam die erste Band zum Zuge: BAYON. Es muss an dieser Stelle nicht extra erwähnt werden, dass der Mann des Tages natürlich mit auf der Bühne stand, und seinen Part zum einmaligen Sound dieser tollen Formation beisteuerte. BAYON begann mit dem Song "Stell dich mitten in den Regen". Diese für den Soundtrack des Oscar prämierten Films "Das Leben der Anderen" verwendete Komposition wurde uns am Sonntagabend gesanglich von Johanna Kellerbauer präsentiert. Die Tochter von Barbara Kellerbauer hinterließ dabei reichlich Spuren, besonders in Form von Gänsehaut bei denen, die ihr aufmerksam zugehört hatten. Die Sängerin hatte jedoch nur einen kurzen Auftritt, denn schon die nächsten Lieder wurden von BAYON instrumental vorgetragen. Dabei handelte es sich überwiegend um Lieder aus dem letzten Studioalbum "Tanz der Apsara". BAYON stand dabei in der Besetzung mit Christoph Theusner (Gitarre), Denis Stilke (Schlagzeug), Robert Boddin (Bass), Hans Raths (Saxophon) und eben SONNY THET auf der Bühne des Kesselhauses der Berliner Kulturbrauerei. Neben vielen kleinen hatte der Auftritt von BAYON aber auch eine große Besonderheit, denn man konnte das Geburtstagskind beim letzten Stück des Sets, "La Taberna" an der akustischen Gitarre sehen und hören. Etwas, das man nicht alle Tage erleben kann, ist SONNY sonst schließlich nur am Cello aktiv. Darüber wurde dann auch im sich anschließenden Gespräch zwischen Christoph Theusner und SONNY THET näher eingegangen. Die beiden überbrückten mit dem Zwiegespräch die Zeit zwischen ihrem Auftritt mit BAYON und dem nächsten der Gruppe DIE ZÖLLNER. Dabei kam natürlich auch viel Wissenswertes über BAYON und die persönlichen Geschichten zur Sprache.

c 20190822 1833082992Als DIE ZÖLLNER in der Besetzung mit Dirk Zöllner (Gesang, Gitarre), André Gensicke (Tasten) und Andreas Bayless (Gitarre) Aufstellung nahmen, gesellte sich auch SONNY THET mit seinem Cello dazu. Zwischen den Jahren 2009 und 2010 gehörte SONNY zu Dirk Zöllners ENSEMBLE UFERLOS, aus dem letztlich im Jahre 2012 das Album "Uferlos" entstand. Daraus fanden sich dann auch mit "Sand", "Uferlos" und "Auf der Flucht" drei Stücke in der Setlist wieder. Ergänzt wurde diese mit Liedern aus den Alben "7Sünden" ("Nie mehr"), "Bumm Bumm" ("Strohfeuer") sowie dem Söhne Mannheim-Song "Geh davon aus". Zwischendurch erzählte "Scholle" kleine Anekdoten, wie er und SONNY sich kennenlernten und wie es zur Zusammenarbeit kam. Er und seine Band lieferten zusammen mit dem Gastgeber eine erstklassige Show ab, die das Publikum nicht nur abholte, sondern einmal mehr an diesem Abend in Begeisterung versetzte. SONNY spielte dabei eine dermaßen gute Rolle, als gehöre er ständig zur Besetzung der ZÖLLNER und wäre nicht nur der Gast-Musiker an einem Abend. Hut ab!

Nach dem ZÖLLNER-Auftritt trat erneut SONNYs Sohn Anthony an die Bühnenkante und überbrückte die nun folgende und etwas länger dauernde Umbaupause. Dabei plauderte er nicht nur kurzweilig mit dem Publikum, sondern suchte auch nach einem Konzertbesucher bzw. einer Konzertbesucherin, die möglicherweise selbst gern mal zum Mikrophon greifen und ein Lied singen wollte. Quasi als Überraschung für den Papa holte Anthony eine Dame zu sich auf die Bühne, die vielen im Saal ziemlich bekannt vorkam. Es war die Schauspielerin Dana Golombek, die man aus einigen Polizeiruf-Folgen, aus der Serie "Rote Rosen" oder der Kultserie "Die Camper" kennt, die sich aber auch als Chanson-Sängerin bereits einen Namen gemacht hat. Dass diese Aktion nicht so spontan war, wie sie aussah, wurde deutlich, wenn man den Hintergrund kennt.d 20190822 1834550846 Dana Golombek und SONNY sind Kollegen, die sich u.a. von einer Theaterinszenierung her kennen. Und so brachte die singende Schauspielerin von Steffen Scholz an den Tasten begleitet mit "Solo Sunny" einen Klassiker zum Besten, den man im Original von Günther Fischer und Regine Dobberschütz kennt. An Sonnys Reaktion war deutlich zu erkennen, dass die Überraschung gelungen war.

Nun war es an der Zeit, ein eigenes "Projekt" auf die Bühne zu bringen. Vater und Sohn machen seit einiger Zeit unter dem Namen THET á THET Musik und haben mit "I'm Yours" vor zweieinhalb Jahren ein ziemlich beeindruckendes Album vorgelegt. Zusammen mit Ilir Mulaj (Schlagzeug, Gesang), Stuart Kemp (Bass) und Steffen Scholz (Tasten) musizierten Anthony und SONNY am Sonntag gemeinsam und spielten gleich fünf Songs aus ihrem eben erwähnten Album. Das Publikum war aus dem Häuschen ob des fulminanten und druckvollen Vortrags der hier gerade näher vorgestellten Musikgruppe. Es bedarf also nicht immer nur die Hits und das Beste aus den 70ern, 80ern bis heute, um ein Publikum vom Hocker zu reißen. Aber wir reden hier auch von feinstem Liedgut, das die THETs auf ihrem Album verewigt haben. Schade nur, dass es - wie so vieles andere auch zu selten in den Medien anzutreffen ist. Besonders schade auch deshalb, weil es noch mehr Leuten als denen, die es bis jetzt auf Umwegen oder durch Zufall für sich entdeckt haben, gefallen könnte. Den Schlusspunkt des THET á THET-Auftritts setzte das generationenübergreifende Ensemble mit einer Coverversion eines PRINCE-Titels. Die Bühne wurde in lila Licht getaucht und es erklangen die ersten Takte von "Purple Rain". War bis hierher schon eine elektrisierende Stimmung im Saal, brachen jetzt alle Dämme. Vor und auf der Bühne war die Stimmung sehr ausgelassen. Im Verlauf der Nummer gesellten sich die bereits aufgetretenen Künstler von BAYON und DIE ZÖLLNER noch mit dazu und läuteten so das Finale ein.e 20190822 1767770488 Auch die ehemalige Show-Tänzerin Dagmar Heinrich, die als Gast im Publikum weilte, zog es auf die Bühne und sie steuerte mit ihrem Tanz einen Teil zur Bühnenshow bei. Eine ausgelassene und familiäre Stimmung machte dies möglich, denn nur wo es locker und entspannt zugeht, können auch Richtlinien und Regeln fallen.

Zu später Stunde am Sonntagabend neigte sich die Party zum 65. Geburtstag und 50. Bühnenjubiläum dem Ende entgegen. Als finalen Song hatte man das Stück "Barcarole" ausgewählt, und dieses Instrumental diente als Abschlusstitel eines emotionalen und wirklich überwältigenden Konzertabends. Am Ende gab es Blumen für alle Beteiligten und ein Mitglied des Organisationsteams vom Altenhofer Liedersommer überreichte SONNY THET noch eine Auszeichnung. Für das Geburtstagskind dürften das unzählige erwärmende Momente für die Seele gewesen sein. Freunde spielten mit ihm ein Konzert zu seinem besonderen Tag, Fans strömten extra wegen ihm herbei und füllten das Kesselhaus nahezu vollständig und mit besonderen Auszeichnungen und Wortbeiträgen ließ man ihm für sein Tun auch noch eine besondere Ehre zu teil werden. Es ist hier nicht überliefert, ob SONNY THET am Ende des Tages wunschlos glücklich war, aber glücklich und gerührt war er auf alle Fälle. Und zwar unübersehbar. Und wenn im fernen Ausland Wissenschaftler Dinge herausfinden, können das Fans, Kollegen und Szenekennern der deutschen Musikszene auch. Ihren Berechnungen zur Folge, liegt einer der bedeutendsten Tage des 20. Jahrhunderts ebenfalls im Jahr 1954. Genauer gesagt am 18. August 1954. Dem Tag, als SONNY THET geboren wurde. Jener SONNY THET, der das alles ausgelöst hat, worüber ich hier nun seitenlang schreiben konnte ...



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Sonny Thet: www.sonnythet.de
• Off. Homepage von Thet á Thet: www.thet-a-thet.com
• Off. Homepage von Bayon: www.bayonmusic.de
• Off. Homepage von Die Zöllner: www.die-zoellner.de
• Homepage der Kulturbrauerei in Berlin: www.kulturbrauerei.de









   
   
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