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Ein Bericht mit Fotos von Dajana Gehn + Prerssematerial (Textillustration)



Im idyllischen Ort Buckow in der Märkischen Schweiz fand am 18. August 2019 die musikalische Lesung von und mit Tino Eisbrenner statt. Buckow ist ein Kneippkurort und befindet sich im Naturpark Märkische Schweiz. Dieses wunderschöne Fleckchen entdeckten schon Bertolt Brecht und Helene Weigel für sich. Mittlerweile ist das Brecht-Weigel-Haus ein Museum mit einem schönen Garten, der zum Verweilen einlädt.a 20190820 1223397208 Seit vielen Jahrzehnten finden dort Veranstaltungen statt. Vormittags z.B. der Brechtspaziergang, und das bereits seit zehn Jahren. Obwohl es am Sonntag sehr verregnet war, kam zum späten Nachmittag die Sonne heraus. Wir waren rechtzeitig da und flanierten noch ein wenig in der großartigen Gartenanlage direkt am Schermützelsee. Ich war schon erstaunt, dass Tino Eisbrenner an diesem Tage schon wieder auftrat, schließlich veranstaltete er vom 16. bis 17. August sein Hofscheunenfest "Musik statt Krieg" in Mecklenburg-Vorpommern. Trotzdem machte er sich wenige Stunden später und wahrscheinlich total übermüdet auf den Weg, um uns heute eine schöne musikalische Lesung zu bieten.

Gegen 18:00 Uhr betrat Tino Eisbrenner die kleine und urig wirkende Bühne. „Ich beginne den Abend heute wie ich ihn normalerweise nicht beginne – aber es passt genau hierher.“ Dass von Bertolt Brecht geschriebene Liebeslied aus dem Jahr 1920 erklang: „Erinnerung an die Marie A.“. Einst liebte Brecht diese Frau. Aber da diese Liebe schon so lange her war, erinnerte er sich nur an den Kuss verbunden mit einer Wolke. Worte aus einer anderen Zeit und doch so als wären sie erst jetzt niedergeschrieben worden.

Es herrschte eine sehr lockere Stimmung und als Tino selbst erwähnte, dass man ja eigentlich auch nicht möchte, dass ein Schauspieler singt oder ein Sänger schauspielert, ist man vielleicht auch ein wenig skeptisch, wenn ein Sänger ein Buch schreibt. Aber er wollte eine Brücke bauen. Seit ungefähr 2014/2015 habe er das Gefühl, dass einige Menschen so viel vergessen haben, als würde eine Seite nicht mehr gebraucht und nun als Teufel (Russland) an die Wand gemalt werden. Und so suchte sich Tino sowjetische und russische Lieder heraus und übersetzte sie in unsere Sprache.b 20190820 1753211284 Sein erster so entstandener Song war von dem Barden Wyssozki „Das Lied vom Freund“. Wyssozki bezeichnete er als Bob Dylan der Sowjetunion. Und obwohl Wyssozki gesellschaftliche Themen anpackte, die nicht so gern gesehen wurden, sind alle seine Platten auf dem staatlichen Label Melodija erschienen.

Seit 2016 absolvierte Tino Eisbrenner acht Tourneen in Russland/Osteuropa. Zwischendurch wurde er immer wieder gefragt, wie es denn wirklich dort ist und so wurde die Idee zu dem Buch geboren. Im März diesen Jahres erschien das Buch „Das Lied vom Frieden“ und weil es so großen Anklang fand, gibt es seit Mai eine deutsch-russische Fassung. Diese war auch am Sonntagabend sehr gefragt. „Wenn einer ein Buch vorstellt, wäre es doch praktisch auch was vorzulesen“, sagte Eisbrenner und begann ein Kapitel vorzulesen. Schnell fand man Zugang zu den einzelnen Charakteren, die er zuvor kurz vorstellte. Hier und da schmunzelte man. Alles zeugte von einer Leichtigkeit, der er auch vorort auf seinen Reisen begegnete. Man spürte sofort eine herzliche Art des Willkommenseins, die ihm dort zuteil wurde.

Plötzlich begann es zu regnen. Aber wir waren alle sehr spontan und die Gastgeberin lud uns sofort ein mit unseren Stühlen in das Brecht–Weigel–Haus zu kommen. Tino brauchte sich nur umzudrehen und es konnte sofort weitergehen. Das geschah alles unkompliziert und außerdem wollte man auch wissen, wie es mit seiner Geschichte weiterging.

Nachdem Tino ein sehr interessantes Kapitel aus seinem Buch vorlas und man schon einen kleinen Eindruck erhielt, wie warmherzig und offen die Menschen auf der Krim zu ihm waren, erzählte er von einem weiteren Künstler, den er sehr verehrt und als Leonard Cohen der Sowjetunion bezeichnete: Bulat Okudshava. Er schrieb eher stille Lieder. Aber Tino Eisbrenner erzählte eine Geschichte darüber, als er von der Rosa Luxemburg Stiftung eingeladen wurde. Dort traf er auf Die Linke und dem deutschen Botschafter in Moskau.c 20190820 1855903173 Er hörte diesem eine ganze Weile zu und meldete sich zu Wort als er nicht mehr ertrug, was dieser über Russland erzählte. Diese Begegnung war so nachhaltig und einprägsam, dass er den eigentlich ruhigen Song von Okudshava immer lauter werdend und mit energiereicher Gitarrenbegleitung vortrug.

Emotional wurde es, als Tino von seiner Freundschaft zu Rolf Hoppe und Gojko Mitic erzählte. Rolf Hoppe war ein einmaliger und grandioser Charakterdarsteller und verstarb viel zu früh. Durch Tinos Worte erweckte er ihn noch einmal zum Leben. In Pirna hatte Rolf Hoppe seinen letzten öffentlichen Auftritt. Dort sollte eigentlich eine Gesprächsrunde zwischen Gojko Mitic und Tino Eisbrenner stattfinden. Rolf fuhr heimlich mit Tino mit und so überraschten sie nicht nur das Publikum, sondern auch Gojko. Rolf Hoppe hatte ein Lieblingslied von Tino, er nannte es: „Ein ganz kleines ganz großes Lied“. Im ganzen Raum wurde es still, als Tino begann das Lieblingslied von Rolf Hoppe zu singen.

Zum Schluss las Tino noch eine kleine Episode aus seinem Kapitel „Russisch unterwegs“ vor. Die Geschichte von „deutsch kaputt ist nicht russisch kaputt“. Die dort vorgetragene Mentalität in Russland ließ uns innehalten. Man kannte es irgendwie. Irgendwie von früher. Ja, so war es gewesen. Es kam einem so bekannt und auf einmal so vertraut vor. Tino hatte recht, vieles hat man vergessen.

d 20190820 1037131805Nach seiner musikalischen Lesung bietet Tino Eisbrenner auch immer eine Gesprächsrunde an. Manchmal gehen die Leute gleich. Ich bleibe immer sitzen, denn ich finde es sehr interessant, was das Publikum hinterfragt oder bin erstaunt, wie viele Menschen in der damaligen Sowjetunion arbeiteten. Letztendlich kommen immer alle zu einem Schluss: Wie wunderschön es ist, mit viel Wärme sie von den russischen Bürgern empfangen wurden, obwohl sie genau wissen, was die deutschen Medien über sie berichten.



Termine:
• 20.08.2019 - Berlin - Karl-Liebknecht-Haus (Gesine Lötzsch trifft Tino Eisbrenner)
• 22.08.2019 - Rostock - Kloster zum Heiligen Kreuz (Konzert Gruppe Hausboot)
• 23.08.2019 - Perleberg - Hotel Stadt Magdeburg (Das Lied vom Frieden)
• 24.08.2019 - Hohen Neuendorf - Hotel am Lunikpark (Das Lied vom Frieden)
• 25.08.2019 - Bad Belzig - Altstadtsommer (Solokonzert)
• 30.08.2019 - Kamenz - Markt (Das Lied vom Frieden)
• 31.08.2019 - Berlin - Freizeitforum Marzahn (Das Lied vom Frieden)
• 06.09.2019 - Suhl - Kulturbaustelle (Das Lied vom Frieden)
• 13.09.2019 - Plath - Vier Winde Hof (Fremde Strände 2019)
• 14.09.2019 - Plath - Vier Winde Hof (Fremde Strände 2019)
• 15.09.2019 - Plath - Vier Winde Hof (Fremde Strände 2019)
• 20.09.2019 - Fritzlar - Kulturscheune (Konzert Gruppe Hausboot)
• 21.09.2019 - Dresden - Dixiebahnhof (Das Lied vom Frieden)

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos auf Tinos Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Tino Eisbrenner: www.eisbrenner.de
• Homepage des Brecht-Weigel-Haus in Buckow: www.brechtweigelhaus.de








 

   
   
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