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Ein Bericht mit Fotos von Petra Meißner

 

 

 



Er schrieb es uns nicht nur in den Sand

Mein Arbeitszimmer, in dem ich gerade schreibe, war mal mein Kinderzimmer. Besonders heute erinnere ich mich an Bilder aus längst vergangenen Zeiten. Ich starre an die Wand. Ist es tatsächlich ein halbes Jahrhundert her? Dort hing eine selbst gebastelte Wandzeitung. Darauf Bilder aus dem "Neuen Leben", "NBI" oder "Für Dich". Ich sammelte die Bilder von den Künstlern des Ostens. Damit war ich ein Exot. Die Kinder in unsere Klasse sammelten nur die Bilder der Westkünstler.a 20190805 1654834800 War für mich nie ein Thema und wird es nun auch nicht mehr werden. Warum auch? Es gibt noch so viele Künstler aus der DDR, die heute noch unterwegs sind, ihre alten Hits singen und neue Lieder schreiben. Diese zu besuchen, damit bin ich voll ausgelastet. Es ist kein "abgeschlossenes Sammelgebiet", es tut sich viel Neues und genau das möchte ich erzählen. Natürlich gibt es auch einige Künstler aus den alten Bundesländern, die ich ganz gerne erlebe. Gute Musik ist grenzenlos. Der Musiker, der mir heute diese Erinnerungen beschert hat, ist kein geringere als Frank Schöbel. Er war neben den Puhdys in meinem Kinderzimmer der Star.

Die Stadt, in der ich ein Drittel des Monats berufsbedingt lebe, heißt Frankenberg in Sachsen und ist Ausrichter der Landesgartenschau. Fast 300 Kulturveranstaltungen sind zu erleben. Meine Dauerkarte hat sich längst amortisiert. Ganz besonders hatte ich auf Frank Schöbel gewartet. Dieser Mann ist für mich ein Rätsel. Wie kann man es schaffen, sich in über 50 Jahren fast nicht zu verändern? Er ist nicht nur optisch jung geblieben, auch in seinen Ansichten, von der Stimme her und den Bewegungen. Und es ist wieder ein "Heißer Sommer", so wie im Jahre 1968, als ich auf der Freilichtbühne in Hainichen diesen DEFA Streifen sah.

Diese Erinnerungen gingen mir durch den Kopf, als Frank die wunderschöne Bühne der Landesgartenschau betrat. Es ging ein Ruck durchs Publikum und so manch "Mauerblümchen" blühte schlagartig auf. Frank Schöbel ist ein Zauberer, gestern und heute immer noch. Er braucht gar nicht viel sagen, das Publikum liegt ihm zu Füßen. Zu Beginn nahm er uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Sein erster Titel war Programm: "Wo ist die Zeit geblieben". Aber eine schlüssige Antwort konnte er mir darauf trotzdem nicht geben.

Und gleich danach für mich das Highlight: "Schreib es mir in den Sand". Ich kann mich erinnern, wir waren bei OMEGA in Dresden, plötzlich kam bei dem Titel Frank Schöbel auf die Bühne. Das vergisst man nie. Mit seiner Variante des Perlenhaarmädchens hat er sich in die Herzen der Zuschauer gesungen. In Frankenberg wurde er von seiner Band begleitet. Till Paulmann und Stefan Schirrmacher spielen Gitarre und unterstützen ihren Arbeitgeber gesanglich. Am Keyboard brilliert Ali Kirfe. Die Band hatte in Frankenberg genau 20 Minuten Zeit zum Aufbau. Die Technik lief trotzdem perfekt. Stefan begegne ich oft, da ich Quaster-Fanin und Liebhaberin von Dr. Kinski bin. Die Musiker passen sich perfekt Franks Stil an.

b 20190805 1331495314Ganz tief in die Mottenkiste griff Frank Schöbel mit "Stoney". Erinnert ihr euch?

"Hab' sie gekannt von Kindheit an
Hab' mit ihr manch dummes Ding getan
War ihr Freund und manchmal auch ihr Ross
Auf dem sie wie ein Cowboy ritt und schoss"


Große Begeisterung beim Publikum, als der Künstler bemerkte: "Mit mir könn'ses ja machen". So manch Zeitbezug traf ins Schwarze. Die Maske mit den Ohren und die Klapperkiste mit den Bierkappen sind legendär. Ebenso bekannt die Songs "Ich geh vom Nordpol zum Südpol" und "Wie ein Stern". An den Erfolg des Titels - nicht nur unter der sozialistischen Hemisphäre - kann ich mich erinnern. Ich war damals 15. Als Mitklatschnummern fungierten seine Fußballsongs. Die kennt wirklich jeder.

Frank Schöbel ist unentwegt kreativ unterwegs. Neue Alben haben aber nicht mehr die Reichweite wie früher. Eigentlich zu unrecht. Er schreibt Titel in seinem unverwechselbaren Stil und bleibt sich selbst treu. Zwei solche Titel von vergangenen Alben waren "Alles ist Bio" und der Song vom Suchen. Da hat er mich aber voll durchschaut. Ich suche auch immer was. Für den 18. Oktober 2019 kündigte er ein neues Album mit dem Titel "Wir leben los" an. Zwei Songs davon hatte er in Frankenberg im Gepäck. "Pass auf dich auf" ist eine Parodie auf die überfürsorglichen Mütter und echt witzig. Bei "Es ist höchste Zeit" bleibt einem das Lachen eher im Halse stecken. Wie der Künstler in Frankenberg sagte, liegt dieser Titel ihm ganz besonders am Herzen. Es heißt dort:

c 20190805 1362737715"Wir brauchen keine Lügen mehr wir brauchen neue Träume
Hört auf mit dem Gesabbel und seid endlich bereit
Wir brauchen keine Lügen mehr und baut nicht eure Zäune
Hört auf mit dem Gesabbel es ist höchste Zeit
Sie reden und reden und nichts passiert
verlieren Jahre wir sind angeschmiert
Der Stillstand, den wir jeden Tag sehn
wie krank ist diese Welt und doch so schön"


In einem Interview sagte Frank Schöbel dazu, dass ein großer Teil der Bevölkerung weiter ist, als ihr denkt. Ich meine dazu, leider nicht in Sachsen. Die Hetze gegen die jungen Leute mit den "Freitagsideen", auf die Frank Bezug nimmt, ist hier besonders krass. Man muss nicht alles davon toll finden, aber dieses überhebliche Abbürsten von neuen Träumen und Visionen der jungen Leute für unsere Zukunft finde ich schlimm. Hatten wir nicht schon mal solche Zeiten? Gut, dass es Künstler gibt, die da etwas Sendungsbewusstsein an den Tag legen.

Beim Zugabenblock durfte "Gold in deinen Augen" nicht fehlen. Bei der Schreiberin waren es eher Tränen. Ich war gerührt, dass dieser zeitlose Titel heute noch so viel Begeisterung hervorruft. Apropos Begeisterung ... ich hatte meine junge Kollegin gewarnt, die als Sani ab und zu bei der Gartenschau Dienst tut:d 20190805 1286589660 "Da werden wohl die älteren Damen reihenweise in Ohnmacht fallen, macht immer die Tragen bereit." Was soll ich euch sagen, das DRK hatte voll zu rennen. Ob es nun an Frank Schöbel lag oder an der schlechten Versorgung mit Getränken entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich wäre jedenfalls auch fast in Ohnmacht gefallen, als Frank als Abschuss "Alt wie ein Baum" sang. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Soll ich euch mal verraten, wie er den Titel angekündigt hat? Er erzählte von einer Band, die sich vor einem halben Jahrhundert gegründet hat, sich auflöste, sich wieder gründete und sich wieder auflöste. Frank Schöbel meinte: "Und ehe die wieder anfangen, singe ich lieber >>Alt wie ein Baum<<". Dies tat er in Perfektion.



Termine:
• 17.08.2019 - Karlshagen - Seebad-Fest
• 18.08.2019 - Leipzig - Schönauer Parkfest
• 01.09.2019 - Hoyerswerda - Tierparkfest
• 09.10.2019 - Ludwigsfelde - Klubhaus
• 20.10.2019 - Zwönitz - Brauereifest
• 26.10.2019 - Wernigerode - Harzer Kultur- und Kongresszentrum
• 27.10.2019 - Köthen - Schloss
• 03.11.2019 - Neuenhagen - tba
• 10.11.2019 - Aschersleben - Bestehornhaus

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos auf Franks Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Frank Schöbel: www.frank-schoebel.de









   
   
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