000 20190619 1116551432
Ein Bericht mit Fotos von Ronny Pabst

 

Am 25. Mai 2019 fand in Rüdersdorf bei Berlin ein Spektakel der besonderen Art statt. Hardy Krischkowsky (vormals DUO REPORT) lud mit seinem Gilmour Project auf die schattige Seite des Mondes ein. Pink Floyd nachspielen? Geht denn das? Jeder weiß,a1 20190619 1928720217 wie groß die Fußstapfen dieser genialen Musiker sind, wie subtil und anspruchsvoll deren Musik ist. Kompositionen die den Musikern alles abverlangen. Dazu noch diese gewaltigen Bühnenshows, diese Perfektion aus Licht und Musik.

Ich erinnere mich, wie ich 1994 vor dieser Riesenbühne auf dem Berliner Maifeld stand und zunächst vor Ehrfurcht erstarrte und dann nach der Pause hemmungslos weinte. Zu sehr übermannte mich dieses "Shine On You Crazy Diamond". Erst diese mächtige Wand aus Keyboardsounds, dann dieses überirdische Gitarrensolo und schließlich das in einem Crescendo gipfelnde Finale.

Oder 2006 in München. Syd Barret war einige Tage zuvor verstorben und selbstverständlich wurde seiner gedacht. Bei "Astronomie Domine" öffnete sich der Himmel und es goss wie aus Kübeln. Ich habe es nicht wahrgenommen.

2016 war ich in Wiesbaden, 14 Tage nach Pompeii. Kurz nach dem Soundcheck ging ich wie im Trance durch die Absperrungen auf diese große schwarze Bühne zu und verharrte dort mehrere Minuten. Man ließ mich gewähren und niemand nahm mir das übel. Das Konzert am Abend war dann wieder eine ganz große Show.

b 20190619 1798355690All die Jahre hegte ich Groll gegen Roger Waters. Immerhin wollte er Pink Floyd beerdigen. Egal was er machte, ich mochte ihn nicht. 2018 ging ich dann in Berlin doch zu einem Konzert seiner US & THEM-Tour und machte dort meinen Frieden mit ihm. Für mich hat sich an diesem Abend der Kreis geschlossen.

Leider wird es nicht mehr allzu viele Konzerte mit einem David Gilmour, Roger Waters oder Nic Mason geben. Richard Wright hat der große Baumeister 2008 leider viel zu früh abberufen. Von daher schaue ich immer auf Bands, die sich der Musik von Pink Floyd annehmen. Egal ob nun die Australien Pink Floyd Show, Floyd Reloaded, Brit Floyd oder eben dem Gilmour Project von Hardy Krischkowsky.

Für Rüdersdorf scharrte Hardy ein gewaltiges Team um sich. Neben seinen etatmäßigen Musikern, wie Dee Lenz (Bass), Michael Langenol (Keyb/voc) und Thomas Brunke (dr) waren noch Frank Fritsch (Sax), Benedikt Reidenbach (Git), Ludger Wirsig (Hammond), Nicole Raeb (voc), Jennifer Süring (voc) und Guido Martin (voc) dabei. Dazu kamen noch vier Kameraleute und drei Leute für das Merchandising zum Einsatz. Dann noch Anja Thurm, die den Videoprojektor mit ihren Videos fütterte. Nicht zu vergessen Uwe Haupt, Chef der Technik, der mit 21 Mitarbeitern 42 Tonnen bewegte, zusammenbaute und daraus ein atemberaubendes Ensemble schuf. Last, but not least, der Veranstalter, die Hügelland-Event GmbH.

Geprobt wurde einmal in einem Proberaum und dann ein zweites Mal beim Sound- und Lichtcheck, zwei Tage vor dem Konzert im Hangar. Das ist nicht viel, jedoch sind das alles exzellente Musiker. In einer solchen Besetzung habe ich dieses Gilmour Project noch nie gesehen und war demzufolge sehr gespannt. Zumal sich Benedikt Reidenbach, der unter anderem mit Gitte Haenning, Sebastian Studnitzky und Emiliana Torrini auf Tor geht, als sehr gute Ergänzung zu Hardy erwies. Ludger Wirsig ergänzte mit seiner Hammondorgel den ohnehin schon guten, auf einem Kurzweil erzeugten Keybordsound, von Michael Langenol.c 20190619 1769746943 Mit Frank Fritsch hat man sich einen richtig guten Saxofonisten und sehr angenehmen Zeitgenossen eingetreten. Fratsch kennt man von der Modern Soul Band, Die Zöllner, Disco Inferno, JazzaNova, Barbara Schöneberger, Udo Jürgens, Roland Kaiser und vielen anderen mehr.

Nunmehr stellte sich die bange Frage, ob der Hangar voll werden würde. Zwei Stunden vor Konzertbeginn begann er sich zu füllen. Gegen 20:00 Uhr war er ausverkauft. Das Publikum, allesamt Floydianer, war sehr gut drauf. Mit einiger Verspätung ging es dann mit "In The Flesh" los. Der Auftakt war etwas holprig, was sich aber sehr schnell legte. Gleich hinterher gab es "What Do You Want From Me". Weiter ging es, nach einer netten Begrüßung, mit "Sorrow".

Die ersten drei Titel spielte Hardy mit einer Heavy-Gitarre. Diese Schecter hat einen Strat-Body und hält auf Grund des Floyd Rose Tremolos die Stimmung perfekt. Gerade bei "Sorrow", hintenraus mit diesem 66 Takte dauerndem Solo, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Zudem nutzt Hardy nur den vorderen Singlecoil, die beiden hinteren Humbucker bleiben unberührt. Somit klingt das Ganze sehr nach David Gilmore.

Wenn wir schon bei Hardys Gitarren sind ... Natürlich hat er auch eine David Gilmour Stratocaster NOS, also die David Gilmour Gitarre. Für diese erste Serie in Europa gab es in Deutschland 44 Vorbestellungen und nur 11 Zusagen durch Fender Germany. Letztendlich kamen ganze Vier nach Deutschland. Hardy durfte sich seine David Gilmour Stratocaster NOS im Fender Customer Shop Köln abholen. Wohl bemerkt, 1. Serie. Seine zweite Schwarze ist ebenfalls eine Strat, Modell Sumpfesche mit V-Hals, das Modell des leider viel zu früh von uns gegangenen Rory Gallagher.

Nach "Sorrow" ging es mit "High Hopes" weiter. Dabei kam erstmals die Lap Steel zum Einsatz. Ein Model der Münchener Firma ABM. Dieses gibt es eigentlich nur in Schwarz und Rot. Für Hardy, weil er das Meer so liebt, wurde extra ein Modell in Blau angefertigt. So sind sie, diese Gitarristen. Bei "Coming Back To Live" rumste es erstmals richtig und der Hangar bebte, die Floyd Fans gingen ab.d 20190619 1323931561 Es ist sowieso immer schön anzusehen, wenn Floydianer in ihrer Musik aufgehen. Nur glückliche Gesichter, leichtes im Takt wiegen oder einfach nur beseelt von dieser schönen Musik. Paare die enger zusammen rutschen aber auch riesige Biker in ihren Kutten die einfach nur gute Musik hören und ein Bier trinken wollen.

Nach "Out Of The Blue" bekam auch ich Gänsehaut. "Shine On You Crazy Diamond". Da war sie wieder, diese Wand. Perfekt intoniert von Luddis Hammond Orgel und Michaels Kurzweil. Und dann dieses Gitarrensolo, gespielt auf der David Gilmour Strat NOS, Fratsch am Saxophone, dazu der großartige Backround Chor ... einfach nur schön. Das war Pink Floyd. Spätestens jetzt war klar, dass dies hier etwas ganz Großes ist.

Nach einem kurzen Hinweis auf die bald folgende Pause ging es mit "Echoes" weiter. Die Musiker spielten auf dem gleichen Level wie bei "Shine On You Crazy Diamond" weiter. Einfach nur schön. Hervorzuheben ist dieser Sound der Albatrosse, welcher mit der Gitarre erzeugt wird und den Hardy perfekt rüber brachte. Interessanter Weise ist dieser Sound rein zufällig entstanden, nämlich als ein etwas beschwipster David Gilmour seine Effektgeräte falsch zusammensteckte. Dieser Effekt wurde dann jedesmal kompliziert über eine Art automatischem Wah-Wah erzeugt. Später wurde diese Schaltung nachgebaut und David Gilmour höchstpersönlich gestattete den Bau von 100 Geräten. Hardy besitzt die Nummer 44.

Nach der Pause ging es mit "Breathe In The Air" weiter, dem nahtlos "Time" folgte. Eine wunderschöne Videoanimation, umrahmt von sehr schönen Lichteffekten, ließ erneut ein wunderschönes Pink Floyd-Feeling aufkommen. Bei "Great Gig In The Sky" begeisterte Jennifer Süring die Zuschauer mit ihrem Gesangspart und bekam dafür nicht abreißenden Applaus. Einfach stark wie sie in ihrem wunderschönen langen weißen Kleid alleine diesen doch sehr anspruchsvollen Song meisterte.

Weiter ging es mit "Money", "Us an Them" und "Any Colour You Like", allesamt absolute Pink Floyd-Klassiker. Dann griff Hardy zu seiner Fender Telecaster. Bei dieser Telecaster handelt es sich um das James Burton Modell. Von ihr wurden nur 50 Stück gebaut.e 20190619 1442148915 1985 stand diese Fender Telecaster in Chicago auf einer Veranstaltung der Firma Fender, wurde von einem Bekannten für Hardy gekauft und in die damalige DDR geschmuggelt. 1986 wurde Hardy Vater einer kleinen Tochter, der er diese Gitarre widmete. Passender Weise ist diese Gitarre pink und mit einem persischen Liebesmuster verziert. Als seine kleine Tochter eines Tages durch die Wohnung krabbelte und sich genau an dieser Gitarre hochzuziehen versuchte, kippte sie mit ihr um. Beide, Tochter und Gitarre blieben heile, nur der Hals der Telecaster hat seit dem eine kleine Delle, was diese Gitarre ab diesem Zeitpunkt für Hardy untrennbar mit der kleinen Vanessa verband. Immer wenn Hardy beim Spielen über diese Delle gleitet muss er an sie denken. Mit dieser Telecaster spielte er nun "Fat Old Sun". Hinten raus ließ man es richtig krachen. "Wish You Where Here", dank Benedikt schön auf zwei Akustik Gitarren intoniert, war einer Freundin gewidmet, die ein paar Tage zuvor den Tod dem Leben vorgezogen hatte. Sehr traurig, bewegend und schön zugleich.

Und dann wurde das Ende dieses wunderschönen Konzerts eingeläutet. Mit "Another Brick In The Wall" brachte die Band den Hangar allerdings dermaßen in Stimmung, dass das Publikum natürlich lautstark eine Zugabe verlangte. Hardy, Dee, Michael, Tom, Fratsch, Benni, Luddi, Nicole, Jenny und Guido ließen sich nicht lange bitten und kamen mit "Comfortable Numb" zurück. Dabei stiegt Fratsch mit seinem Saxofon ganz spontan nach der zweiten Strophe ein und lieferte sich mit Hardy ein Battle. Der reine Wahnsinn, das hatte ich so noch nie gehört.

Bei "Run Like Hell" ließ man es, ähnlich wie beim Original, richtig krachen. Sogar Pyrotechnik kam zum Einsatz. Ein letztes Mal bebte der Hangar bevor sich dann die Musiker unter großem Beifall von diesem fantastischen Publikum verabschiedeten. Resümierend kann man festhalten, dass dies ein Mega Event war welches unbedingt wiederholt werden muss. Der Veranstalter, die Hügelland-Event GmbH, hat bereits für den 16. Mai 2020 zugesagt.

Was mir besonders an Pink Floyd Projects gefällt ist die Tatsache, dass man sich bei der Rollenverteilung klar am Original orientiert. Hier gibt es keine drei verschieden Sänger oder Leadgitarristen sondern jeweils einen.f2 20190619 1888151893 Auch hat man die Musik verstanden, spielt sie ebenfalls mit viel Lust und ist nicht vorschnell auf Effekthascherei aus. Das ist gerade bei Songs wie "Shine On You Crazy Diamond", "Echoes" und "Us And Them" zu beobachten gewesen.

Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, wieso ich so viel privates über Hardy Krischkowsky zum Besten gebe. Ganz einfach: ich bin mit ihm seit den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts befreundet. Er war damals als Musiker bei REPORT und ich als Roadie bei der Jonathan Blues Band unterwegs. Von Anfang an verband uns unsere Liebe zur Musik von Pink Floyd. In Köpenick kopierte mir Hardy "The Wall" auf Kassette. Man war das eine Zeit. Heute haben wir so ziemlich alle Platten und Sondereditionen in mehrfacher Ausführung. Alleine von "The Dark Side Of The Moon" habe ich sechs Schallplatten. So kenne ich auch die Anfänge vom Gilmour Projekt, damals noch mit einem Bodo Splisteser an den Drums. Die ersten Bandbilder entstanden in der Souterrainwohnung von Michael Langenohl in Berlin-Friedenau. Ich war auch dabei, als Thomas Brunke erstmals im Mittelpunkt der Erde, in Erkner, Bodo, der verletzt war, ersetzte und letztendlich in der Band blieb. Wie sich heute zeigt, eine sehr gute Entscheidung.

In diesem Sinne ... Ronny Pabst



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Hardy Krischkowski: www.hardykrischkowsky.de





   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2019)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen