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Ein Bericht mit Fotos von Dajana Gehn



Seit einigen Jahren besuche ich die FALKENBERG-Konzerte in meiner Nähe. Dabei ist mittlerweile eine gewisse Routine eingetreten. Nein, es hat mit Eintönigkeit oder Langeweile nichts zu tun. Es ist der ständige Wechsel: ein Mal im Jahr in der Freiheit 15 (Berlin-Köpenick) und ein Mal im Jahr im Studio 7 (Zepernick/Panketal). Aber ich kann schon verraten, in diesem Jahr kommt es anders. Am 9. November 2019 gibt es ein Bandkonzert in der Berliner WABE. Das wird laut. Das wird krachen. So jedenfalls kündigte es FALKENBERG an.a 20190526 1691188019 Eine sehr seltene Gelegenheit seine Lieder in diesem musikalischen Gewand zu erleben. Am 24. Mai 2019 fand aber erst einmal das alljährliche Konzert im Studio 7 statt. Das Studio 7 findet man im idyllischen Zepernick und es ist gut für Reisende mit der S-Bahn zu erreichen. Mit den Jahren hat es sich herumgesprochen, dass dort kleine, feine Konzerte stattfinden.

Gegen 20:00 Uhr betrat Bert Eulitz, der Woche für Woche die unterschiedlichsten Künstler in seine Location lockt, die Bühne. Das hat schon Tradition. Kurz stellt er die kommenden Veranstaltungen vor und kündigt den Act des Abends an: FALKENBERG. Seit langer Zeit ist er in der Singer/Songwriter-Szene heimisch geworden. Eigentlich tourt er noch mit seinem letzten Album "Die Apathie der Sterne". Für das heutige Konzert wurde ein Titel gesucht. Letztendlich entschied man sich für "Lieder aus 3 Jahrzehnten". FALKENBERG erzählte, dass er sich manchmal in einer Art Zwickmühle befinde. Er möchte dann aus dem Studio nicht weg und wenn er ein Konzert gibt, möchte er nicht zurück ins Studio. Er stellt fest, dass er langsam in das Alter kommt, wo man auf sein Leben zurückblickt. Und so entscheidet er sich dafür, dass er Songs vorträgt, die er schon lange nicht mehr spielte oder heute in einer anderen Version spielen wird.

Das erste Lied des Abends war "Geliebtes Leben" aus dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2015. Anschließend sprach FALKENBERG die kommende Europa-Wahl an. Ihm fiel genauso wie uns auf, dass man gerade in solchen Zeiten die Politiker viel häufiger sieht als in ihrer ganzen Amtszeit. Er findet, man müsse immer aufeinander zugehen, und stimmte damit den Song "Menschen auf Brücken" an. Von Anfang an wurde das Publikum in seine Gespräche, Gedanken und Emotionen miteinbezogen. Er sprach direkt an oder reagierte auf Äußerungen. In seinen Texten sowie Erzählungen erkennt man was für ein tiefgründiger Mensch vor uns am Klavier sitzt. Ruhig, fast leise, aber mit so viel nachdenklichen Momenten. Und urplötzlich, man ist noch völlig vertieft und lässt seine Worte wirken, kommt von ihm auf einmal: "Und? Schön bisher?"

FALKENBERG sprach von seinem aktuellen Album "Die Apathie der Sterne". Wieder ging es sofort in die Tiefen seiner Gedankenwelt. Ich kann ihm nur zustimmen, wenn er sagt, dass wir Menschen dankbar sein sollten, dass wir auf diesem Planeten leben dürfen. Aber anstatt uns in Dankbarkeit zu üben, zerstören wir unseren Planeten, verschleudern die Ressourcen, rotten Tierarten aus und vertreiben alte Menschenstämme aus ihrer Heimat. Sollte es die Menschheit in 100 Jahren nicht mehr geben, leuchten die Sterne immer noch.b 20190526 1108677112 Vollkommene Ruhe im Studio 7 und es erklang "Die Apathie der Sterne". Auszug vom Lied: "Wann wird Stille zu Resignation?" Da fällt mir gleich zu ein, dass in FALKENBERGs Songs so viele Weisheiten versteckt sind, fast wie nebenbei, dass er ein Buch veröffentlichen könnte mit diesen kurzen Songzitaten.

"Brot und Beton" ist ein weiteres Lied aus dem Album. Momentan versuchen sie ein gutes Video zu drehen. Es geht um die Gentrifizierung. Er widmete sich dem Thema Mietwahnsinn und klärte auf, dass eigentlich maximal 30 Prozent unseres Gehaltes die Miete sein dürfte. Aber die Mieten schießen ins Unendliche. Dadurch klafft die soziale Schere immer weiter auseinander. Menschen, die sich die Miete nicht mehr leisten können, werden an den Rand der Stadt "verbannt". Die Kommunikation zwischen denen, die sich diese Mieten noch leisten können und denen, die es nicht mehr können, erlischt. Das Publikum stimmte ihm zu. Viele kamen aus der Stadt und stehen diesem Thema näher als man denken möchte. FALKENBERG sagte, dass es für ihn eigentlich nur zwei große Emotionen gibt: den Hass (und jeder, der jetzt denkt, das zweite wäre die Liebe, wird staunen) und die Angst. Hass ist keine Lösung und wendet sich letztendlich immer gegen uns, erklärte er. Die Angst hingegen macht uns zu dem, was wir sind. Worte die nachklingen. Darum ist er der Meinung, dass es auch Lieder für die Liebe gegen den Hass geben muss. "Brücken über'm Meer".

Das nächste Lied stammte aus dem Jahr 1988: "Ich bin frei". FALKENBERG erzählte, dass man eigentlich erst wirklich weiß, was Liebe ist, wenn man liebt. Ein sehr berührender Song. Als er erzählte, dass es nicht genug Lieder gegen den Krieg und für den Frieden geben kann, dachte ich gleich an Tino Eisbrenner. Denn auch er sagt es. So lange es Kriege gibt, muss es auch Songs für den Frieden geben. FALKENBERG gab weiterhin zu bedenken, dass viele Menschen glauben, dass die Kriege weit weg von uns sind. Aber sie kommen immer wieder zu uns zurück. Er spielte "Versunken in rostiger Erde".

Ganz geheimnisvoll kündigte FALKENBERG das nächste Thema an: Etwas, womit wir alle täglich konfrontiert werden. Das Fernsehprogramm. Genauso wie ich, hat er sich das klassische Fernsehen abgewöhnt. Er durchstöbert eher die Mediatheken. Viel Zustimmung kommt aus dem Publikum, als er sagte, dass zur besten Sendezeit andere Sendungen gezeigt werden müssten und nicht erst spät in der Nacht.c 20190526 1561824120 Er befürchtet sogar, dass Fernsehen für manche Menschen eine Art Ersatzreligion ist und wenn man einer Statistik glauben darf, schaut der durchschnittliche Mensch sechs Stunden Fernsehen. Das Lied vom Fernsehen erklang. Zwischendurch hörte er immer wieder auf und erzählte. Schließlich möchte er nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungen anbieten: "Finde die Taste in die Freiheit."

Aus dem Album "Freiheit" (2012) sang er das Lied "Da ist die Angst". Er besingt darin abstrakte Ängste. "Man hat gar keine Zeit zum Leben, wenn man nur daran denkt, dass man eines Tages alt ist oder stirbt." Natürlich wissen wir alle im Publikum, dass der Tod für uns alle unausweichlich ist und so wie er es in seinem Lied anspricht, vertreibt man diesen Gedanken schnell und will eigentlich sofort wieder anfangen zu leben. FALKENBERG sprach so viele Themen an und traf mit seinen Worten oftmals genau den Punkt. Er ist vielseitig und ein sehr guter Beobachter. Er klagt nicht an, aber weist direkt daraufhin. Und so verwunderte es nicht, dass er auch zum Thema Bildung einen Standpunkt hat. Er versteht nicht, wann den Kindern der Spaß an Bildung genommen wurde. Normalerweise ist Lernen ein spannender Prozess. Nicht dieses Auswendiglernen von unnützem Wissen. Er sang "Wiesen der Kindheit" und "Auf den Wiesen der Kindheit wächst der Hunger auf Abenteuer." Wieder eine einzigartige Stelle aus diesem Lied, welche allein schon alles sagt.

FALKENBERG erzählte, wenn er an seine Kindheit zurückdenke, denke er an die Menschen, die ihn geprägt haben, und das waren seine Eltern, die leider viel zu früh verstarben. Er habe seinen Eltern alles zu verdanken und hat darüber ein sehr emotionales Lied geschrieben "Immer bei mir". Er erzählte weiter, dass es in seiner Kindheit noch Schwarz-Weiß-Fernsehen gab und er zu dieser Zeit noch sehr viel schaute. Irgendwann kam endlich der lang ersehnte Farbfernseher und er schaute Piratenfilme. Er liebte Piratenfilme: Frauen mit Säbeln ... Frauen, die Kapitäne waren. Das fand er als Junge toll. Von dieser Zeit inspiriert schrieb er ein Piratenlied.

Der Abend war sehr kurzweilig. Durch seine Erzählungen zwischen und während der Songs, hörte man ihm so gebannt und interessiert zu, dass die Zeit wie im Fluge verging. Sein vorerst letztes Lied "Dein Herz" sollte den Abend eigentlich beenden. Aber das Publikum wollte mehr.d 20190526 1271628444 FALKENBERG sprach ein wahres Wort aus. "Es braucht kein Mensch, dass man die Bühne verlässt und alle wissen, dass man wiederkommt." Also genoss er kurz den Applaus und setzte sich wieder ans Klavier. Er gab noch drei Zugaben wie z. B. "Mann im Mond".

Im September 2019 erscheint bereits ein neues Album. Man könnte sagen, das geht bei ihm wie am Fließband. Aber das würde ihm nicht gerecht werden. Er macht keine Musik mal so neben, alles hat eine wichtige und nachdenkliche Aussage und es ist faszinierend auf welche facettenreiche Art und Weise er das macht.



Falkenberg live ...
• 29.06.2019 - Dresden - Theaterkahn/Dresdner Brettl
• 06.07.2019 - Dessau-Roßlau - Schwabehaus
• 18.07.2019 - Göhren - Ufer am Fleesensee
• 28.07.2019 - Rostock - Kloster zum Heiligen Kreuz
• 07.09.2019 - Halle/S. - Objekt 5
• 14.09.2019 - Dresden - Scheune
• 21.09.2019 - Erfurt - Museusmskeller
• 28.09.2019 - Leipzig - Anker

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf Falkenbergs Homepage.


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Falkenberg: www.falkenberg-musik.de
• Homepage des Studio 7 in Panketal: www.studio7panketal.de







 


   
   
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