000 20190429 2053258427
Ein Konzertbericht mit Fotos von Dajana Gehn



Nach einem wunderschönen Aufenthalt im Harz, fuhr ich gleich weiter in schöne Panketal. Genauer gesagt zum Studio7, welches seit sieben Jahren von Bert Eulitz grandios geführt wird. Bert Eulitz ist vielen sicherlich u.a. von der Band DIE OSSIS bekannt, wo er den Bass spielt. Um 20 Uhr kam Bert auf die Bühne und stellte noch das Programm für den Mai vor.a 20190429 1525595839 Ein Besuch im Studio7 lohnt sich wirklich immer. Ein abwechslungsreiches Programm steht dort auf der Tagesordnung. Nach den Ankündigungen ging es gleich weiter, und Bert sprach von seinen guten Freunden, die seit Anfang an bei ihm jedes Jahr auftreten: Die Zöllner im Duo Infernale.

Ende der 80er Jahre lernten sich Dirk Zöllner und André Gensicke kennen und gründeten 1987 das Duo Infernale mit Dirk an der Gitarre und André am Klavier. Über 30 Jahre stehen sie immer noch gemeinsam auf der Bühne und begeistern jedes Mal aufs Neue das Publikum. Dirk erzählte auch gleich, dass Gensi sie seit über 31 Jahren immer zu ihren Auftritten fährt. Zwar habe er einen Führerschein, aber sein Gensi, wie er ihn liebevoll nennt, ist halt ein überdurchschnittlich guter Autofahrer. Allerdings möchte er, wenn er schon fährt, von Dirk unterhalten werden. Also liest Dirk aus diversen Zeitungen vor. Ein Mal gab es in einer Zeitung nur die Schlagzeile, dass der Toilettenmann vom Bahnhof Zoo tot ist. Nichts weiter. Nun machten sie sich Gedanken, wie das nur passieren konnte, schrieben ihre Version als Text nieder und eröffneten mit dem Lied "Der Toilettenmann vom Bahnhof Zoo" ihr gut zweistündiges Programm.

Von einem sehr lustigen Song, der ja eigentlich den "Mord eines Menschen" thematisiert und trotzdem mit einem Augenzwinkern erzählt wurde, ging es über zu einem sehr emotionalen Lied: "Sand". Sobald die ersten Töne erklängen, geht ein leises wohlwollendes Raunen durch die Menge. Es wird ruhig und jeder saugt Text und Melodie in sich auf. Gensi war heute extrem gut drauf. Ganz locker meinte er, dass es ja eigentlich noch viel zu früh für Alkohol sei. Aber es geht nun mal nicht anders. "Jetzt kommt ein Trinklied", und da orderte er gleich mal Rotwein. Bert kam wenige Augenblicke später und kredenzte ihnen ihren Rotwein. "Wenn der Himmel mir am Arsch hängt" ist ein richtiges Stimmungslied. Der Text grandios auf den Punkt gebracht. Ich glaube, jeder erkennt sich in diesen Zeilen irgendwo wieder. Untermalt mit einer zum Tanzen einladenden Melodie. Es wird mitgeklatscht, mitgewippt und mitgesungen.

Danach folgte die "Triologie des Grauens" (Trennung, Wiederbegegnung, Bewältigung/Erlösung) wie Gensi die Vergangenheitsbewältigungssongs von Dirk nennt. Er wurde von seiner damaligen blonden Freundin verlassen und sie meinte zu ihm, "Wir können doch gute Freunde bleiben." Es folgt "Alles oder nichts", wo er ihr im Prinzip sagt, "... bei deinem Körper können wir keine Freunde sein."b 20190429 1530322941 Jahre später sah er sie wieder. Natürlich immer noch ein Augenschmaus für ihn. Aber es gab ihm ein wenig Genugtuung, dass sie nun einen Mann an ihrer Seite hatte, bei dem sie es anscheinend nicht so gut wie bei ihm gehabt hätte. Diese Gedanken verarbeitete er in dem Song "Königin". Dirk nennt es eher "ein Hasslied". Nach dem Mauerfall hielt er sich in der Nähe der Oranienburger Straße auf. Das Publikum ließ sich ein Lachen nicht nehmen. Dirk meinte ganz unschuldig, dass er da noch nichts über diese Straße wusste. Er sah auf jeden Fall eine blonde Frau, die er genauestens beschrieb mit ihren langen roten Leder-/Lackstiefeln und sich sofort in sie verliebte, bevor er bemerkte, dass hinter ihr noch 30 weitere Frauen mit genau den gleichen blonden Haaren und roten Stiefeln waren. Er nennt den letzten Song der Triologie ein Liebeslied an eine blonde Hure. "Aus Liebe" erklang.

Nach so viel Liebe und Trennungsschmerz musste was anderes her. Ein Friedenslied wie es Dirk nannte. Aus dem Album "Dirk und das Glück" wurde "Bleifrei" gespielt. Auf jeden Fall sehnt sich der Soldat nach Frieden, allerdings lässt der Text offen, ob er diesen erlebt. Passend dazu ging es wieder "versöhnlicher" zu mit "Neue Wege" in Kombination mit "Wo ist der Hund?". Einer kuriosen Begegnung geschuldet, aus der Werner Karma einen immer tiefgründigen Text gezaubert hat, und der einen leicht humoristischen Touch durch Gesang und Melodie erhält. Mit "Zwei Sonnen" läuteten sie die Pause ein. Der Text ist von Werner Karma und vertont von André Drechsler. Einem sehr guten Freund von Dirk. Und ich stelle immer wieder fest, egal ob als Duo oder als Zöllner5 oder Big Band für jede Konstellation sind die jeweiligen Songs exzellent komponiert und "umkomponiert" worden. Jede Version von einem Lied hat dadurch seinen eigenen Reiz.

Dirk meinte nach der Pause, dass Gensi und er sich völlig beseelt fühlen. Gensi besuchte den Spreewald und er selbst unternahm eine Bootstour. Aber egal wie beseelt sie von diesen Momenten auch sind, sie fühlen sich ein wenig aus der Zeit gefallen. Ihr Freund und teilweise Texter Andreas Hähle verstarb am 24. April 2019. Den nächsten Song widmeten sie ihm. Er stammt auch von Hähle. Umfasst er für Dirk doch Vergänglichkeit und dem Wunsch schöne, wenn auch kurze Augenblicke immer zu genießen: "Idylle im Krieg". Wie findet man nach solch einem emotionalen Moment eine Überleitung? Es musste irgendwie gehen. Gensi erklärte uns den nächsten Song.c 20190429 2079829590 Die Männer sollten das Rauschen des Meeres nachempfinden und die Frauen die Möwen. Jedes Mal stelle ich mir schmunzelnd die Frage, warum eigentlich nicht umgedreht? "Nie mehr" erklang. Gensi bekam noch ein wenig mehr Hall auf sein Mikrophon und los ging's. Ich sage mal so viel, es gab auf jeden Fall mehr Meeresrauschen.

"So geht es nicht weiter", meinte Gensi. Ein Protestsong muss her. Dirk fiel auch sofort einer ein und gerichtet ist er an seine Lebensgefährtin. Sie kocht einfach viel zu lecker und er ist froh, dass er eine Gitarre hat und somit seinen Bauch kaschieren kann. "Du mästest mich". Eine Anklage. Das Publikum klatschte den ganzen Song den Takt mit. Einzigartig. Gensi ging noch einen Schritt weiter. Er meinte nun wird es Zeit für ein Lied, welches die Schönheit von Dirk Zöllner besingt. Dagegen hatte Dirk natürlich nichts einzuwenden und es ging auch sofort los: "Gut aus". Im Refrain sangen wir alle mit "Gut, gut, gut aus". Im Anschluss bedankte sich Dirk für unsere Bestätigung. Alles lachte. Nun wollte Dirk auch ein Lied für Gensi aussuchen und fand natürlich ganz schnell eins: "Leicht sein". Das ist eindeutig Gensis Song. Keiner kann ihn so singen und interpretieren wie er. Dirk fiel es nicht schwer, stimmlich in den Hintergrund zu treten. Es harmonierte perfekt.

Nach was ganz langsamen muss was schnelles kommen, meinte Gensi. "Gib mal Gas" sagte er zu Dirk. Dieser griff zur Gitarre und gab alles: "Benzin". Ein wahrhaft schneller Song. Und wie sollte es anders sein, danach musste etwas Entspannendes kommen. "Wie das Fernsehen", sagte Gensi. "Lalala". Im Instrumentalteil spielten sie spaßigerweise verschiedene andere Songs an wie z.B. "Fly, Robin, Fly" oder "Shame on you" etc. Danach klatschte das Publikum ganz kräftig und schien gar nicht aufhören zu wollen.

"Ich kann dich nicht riechen" war das letzte Lied. Dirk singt wie kein anderer diesen Song. Man nimmt ihm jedes Wort, jedes Gefühl ab. Nicht verwunderlich, dass er noch während der letzten Takte von der Bühne hinaus eilt. Gensi schaut ihm nach und eilt ihm hinterher. Es wurde applaudiert und nach Zugabe gerufen. Kurze Zeit später kam Gensi wieder.d 20190429 1637485225 Ganz trocken meinte er: "Viel zu kalt draußen." Das Publikum lachte, und Gensi setzte sich ans Keyboard und begann ein langes und sehr emotionales Intro vom "Käfer auf´m Blatt" zu spielen. Bei so gut wie jedem Konzert ist dieses Lied als Zugabe und die Fans freuen sich darüber. Es klingt so leicht. Wenn man genau auf den Text achtet, sagt er was viel Tiefergehendes aus. Aber das Publikum liebt den "Käfer auf'm Blatt" und macht das "Klatschgeräusch", wenn ein Käfer zertreten wird. "Gensi am Klavier, das ist doch was", sangen einige Fans. Wunderschön.

Der letzte Song des Abends war "Viel zu weit". Zwischendurch sinnierten Dirk und Gensi, wo und wie sie ihren Sommer verbringen werden und was sie in den Oktoberferien planen. Sie stellten fest, am Strand ist es viel zu heiß und gibt es viel zu viel Sonne. Lassen wir uns überraschen, was sie uns später, vielleicht in einem Text verewigt, über diese Zeit berichten werden. Nach rund zwei Stunden ging ein phänomenales Konzert zu Ende. Im Sommer sind sie wie jedes Jahr als Duo Infernale auf Ostseetour. Vielleicht ein Tipp für den Urlaub.



Termine:
• 01.05.2019 - Plauen - Plauen ist bunt (Zöllner5)
• 03.05.2019 - Glashütte - Scheune Nr. 19 (Duo Infernale)
• 08.05.2019 - Dresden - FriedrichstaTT Palast (Lesung Affenzahn)
• 10.05.2019 - Berlin - BornholmZwei (Zöllner5)
• 11.05.2019 - Brandenburg - Event Theater (Zöllner5)
• 17.05.2019 - Pirna - Q24 (Duo Infernale)
• 18.05.2019 - Schwerin - Der Speicher (Zöllner5)

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der ZÖLLNER-Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Die Zöllner: www.dirk-zoellner.de
• Homepage des Studio7 in Panketal: www.studio7panketal.de




 

 


   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2019)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.